20. November 2013

'Berufen - Die Kinder des Schöpfers' von Marnie Schaefers

Der erste Band einer High Fantasy-Trilogie über ein mystisches Gedicht, eine verzweifelte Suche und ein Erbe, das die Welt erschüttert.

Unumstritten ist Auftragsmörder Vlain Moore der Beste seines Faches. Sein neues Opfer, die schüchterne Künstlerin Crevi Sullivan, stellt seine Professionalität jedoch auf eine harte Probe. Nicht nur, dass sie Vlains Gefühlswelt völlig durcheinander bringt, Crevi scheint ihn zudem von seinem Dämon befreien zu können. Denn sie ist die neue Schöpferin – ursprünglich dazu berufen, Menschen in magische Waffen, in Monster wie Vlain eines ist, zu verwandeln …

Doch wie wird Crevi ihre Macht einsetzen? Erliegt sie ihr und folgt ihrer Berufung? Oder gibt sie ihren Gefühlen zu Vlain nach und findet einen neuen Weg der Erlösung?

Gleich lesen: Berufen (Die Kinder des Schöpfers, Band 1)

Leseprobe:
Von nun an musste sie wildem Gestrüpp ausweichen, vor gefährlich aussehenden Pflanzen, die sie noch nie erblickt hatte, zurückweichen und darauf achten, sich nicht mit ihrem Rock in irgendwelchem Gewächs zu verfangen. Ennyd schlug ein forsches Tempo an.
Nicht nur, dass sie sich in der Nacht in einem furchtbaren Labyrinth verlaufen hatten, zusätzlich drohte Crevi den Anschluss an ihren Führer zu verlieren. Schon bald war er ihr um einige Schritte voraus und es sah nicht aus, als wolle er seinen Schritt ihr zuliebe drosseln. Mit seinen langen Beinen konnte sie nur schwerlich mithalten.
Ihre Lungen begannen zu schmerzen und ihre Beine wurden schwerer. Sie wollte dem Dieb zurufen, er solle auf sie warten, doch sie brachte nicht den Mut auf, sich bemerkbar zu machen – gerade so, als riskiere sie durch lautes Rufen ein namenloses Unheil auf sich aufmerksam zu machen. Und das wollte sie unter allen Umständen verhindern.
Je tiefer sie ins Dickicht vordrangen, desto unheimlicher wurde ihr.
Voller Nervosität verfolgte Crevi, wie sich Wolkenfetzen, schauriger Banner gleich, vor den Vollmond schoben, dessen milchiges Licht mehr und mehr verblasste – ganz ähnlich ihre Hoffnung jemals wieder zurückzufinden.
Obwohl sie bereits glaubte, sie würde alsbald den Anschluss verlieren, blieb sie abrupt stehen. Keuchend stützte sie die Hände auf die Knie und bemerkte verwundert, dass auch ihr Begleiter stehen geblieben war. Sie konnte ihn kaum erkennen. Die rabenschwarze Nacht verschluckte ihn.
Während ihr noch das Blut in den Ohren rauschte und das Stechen in ihrem Unterleib unerträglich wurde, überspülte sie unerwartet eine kalte Erkenntnis. Irgendetwas stimmte nicht.
»Ennyd!«, zischte sie so leise wie möglich, als könne sie jeden Moment die Aufmerksamkeit einer im Dunkeln verborgenen Bestie auf sich ziehen. Der Wald war stockfinster. Sie konnte kaum die Hand vor Augen sehen und es dauerte mehrere Sekunden, bis sie sich soweit an den Lichtmangel gewöhnt hatte, um genauere Konturen ihrer Umgebung wahrnehmen zu können.
Der Dieb stieß einen tiefen Seufzer aus und kam gemächlichen Schrittes zu ihr zurück. Schlagartig beschleunigte sich ihr Herzschlag.
Ihre innere Unruhe war wohl auch Ennyd nicht entgangen. »Was ist, meine Liebe?« Crevi war außerstande etwas hervorzubringen. Alles, was sie spürte, war das Gefühl einer unmittelbaren Gefahr durch ihn.
Ennyd trat an sie heran und wollte sanft ihr Kinn anheben, damit sie ihm in die Augen sah, aber Crevi schlug nach seiner Hand und wich zurück.
Abwehrend hob er die Hände. »Schon gut, was ist denn los?«
»Komm nicht näher«, stieß sie hervor.
»Gott, Crevi! Was habe ich dir denn getan?«, wollte er wissen. Während seiner Vorwärtsbewegung fiel ein schwacher Strahl Mondlicht auf seine Gesichtshälfte mit der Augenklappe, wo er sofort von kristallklarem Eis zurückgeworfen wurde, das sich mit hoher Geschwindigkeit über seine Wange ausbreitete.
»Bleib zurück«, wiederholte sie. Es sah jedoch nicht danach aus, als leiste er ihrer Bitte Folge.
Plötzlich blieb sie an einer hervorstehenden Wurzel hängen und stolperte. Sie schaffte es gerade noch, ihren Sturz abzufangen. Doch ehe sie sich wieder erheben konnte, war er über ihr.
Groß, dunkel und bedrohlich.
Rückwärts schob sie sich mit den Händen durch das Laub, während sie verzweifelt versuchte, ihren Fuß zu befreien, der sich mit einem ihrer Stiefelriemen an dem Sprössling verfangen haben musste.
Ohne zu zögern beugte Ennyd sich zu ihr hinab, ging ganz dicht neben ihr in die Hocke.
»Jetzt beruhig dich erst mal wieder«, sprach er langsam auf sie ein, ohne sie aus den Augen zu lassen. Noch immer versuchte Crevi, sich aus der Wurzel zu befreien. Schließlich griff er nach ihrem Schuh und zog ihn ohne große Mühe aus der Schlinge. »So, ich würde jetzt gerne wissen, was los ist«, fuhr er seelenruhig fort.
Jetzt, da sie es wieder konnte, zog Crevi die Beine zu sich heran und wollte aufspringen, hätte er sie nicht schnell am Arm gefasst. Sein eisblaues Auge funkelte sie gereizt an. »Könntest du mir bitte erklären, was dein Problem ist?«
Sie schüttelte nur den Kopf.
»Verdammt, Mädchen, ich will dir doch nichts tun!«
»Weiß ich das mit Bestimmtheit?«, flüsterte sie kaum vernehmlich und bevor er zu einer Erwiderung ansetzen konnte: »Ich weiß, was hier nicht stimmt.«
War es doch nicht Ennyd?
»Und zwar…?«
»Sei still«, forderte sie ihn auf und erhob sich langsam.
»Was?«
»Psst!« Crevi lauschte angestrengt in die Dunkelheit. »Hörst du das?«
Er schaute sie nur verwirrt an und löste langsam den Griff um ihren Arm. »Ich höre nichts.«
»Ganz genau das ist es ja«, erklärte sie mit zitternder Stimme. »Ich höre auch nichts. Absolut nichts.« Hatte sie den Weg über gelegentlich das Rascheln von Mäusen im Gebüsch, die Schreie von Vögeln und das Rauschen des Windes vernommen, so herrschte nun völlige Stille. Es war, als hätte jedes Leben den Wald verlassen.
»Was hat das zu be…?« Bevor der Dieb seine Frage zu Ende formulieren konnte, riss ihn etwas von den Beinen.
Crevi wurde in eben jenem Moment abrupt nach hinten geschleudert. Ihr blieb nicht einmal Gelegenheit einen Schrei auszustoßen, so brachial wurde ihr die Luft aus den Lungen gepresst. Hustend schnappte sie nach Luft und hielt sich die Brust, während sie versuchte, die Situation zu erfassen.
Etwas Vierbeiniges und Schlankes drückte Ennyd mit seinem Körper zu Boden und schnappte ohne innezuhalten nach seiner Kehle.

Im Kindle-Shop: Berufen (Die Kinder des Schöpfers, Band 1)

Mehr über und von Marnie Schaefers auf ihrer Facebook-Seite.

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