29. November 2013

'world: reset - Nach den Aschentagen' von Ilona Bulazel

Ein Thriller, der in der Zukunft spielt und alles enthält: Morde, Dramatik, Gesellschaftskritik, Humor, spannende Entwicklungen, überraschende Ereignisse, geheimnisvolle Begegnungen und Leidenschaft. Im Jahre 2018 erlebt die Welt die Aschentage. Danach ist nichts mehr, wie es war. Künftig werden die Menschen durch das Phänomen der Einäscherung vor gewissenlosen Taten geschützt. Doch 260 Jahre später wird plötzlich ein Bewohner der Neuen Welt Opfer eines Mordes, ohne dass man neben der Leiche die Überreste seines Täters findet.

Weitere Todesfälle folgen und die Neue Welt steht vor einem Rätsel. Ein unbekannter Gegner bedroht das friedliche System, in dem es so gut wie keine moderne Technik gibt. Die Ermittler können dem nur ihren Verstand, ihre Beherztheit und ihren Humor entgegensetzen. Inmitten von Neugeborenen und Überlebenden ermittelt Chief-Sergeant Anne Reeve zusammen mit Sergeant Thomas Milton, unterstützt von Ihren Freunden und einer neuen Liebe.

Kann Anne Reeve ihre Welt schützen? Was steckt hinter den Morden? Kommt sie dem Rätsel der Einäscherung auf die Spur? Und was hat das alles mit einem Hirsch zu tun?

Gleich lesen: world: reset - Nach den Aschentagen

Leseprobe:
Mittlerweile erreichten Anne und Sergeant Milton das Haus der Lorden-Brüder. Die Sonne schien intensiv, und Anne war froh, dass ein angenehmer Wind von der Küste zu ihnen herüber wehte. Die Pferde wurden vor dem Haus am Pferderastplatz angebunden. Dort war es schattig, und es gab eine gefüllte Tränke.
»Merkwürdig«, dachte Sergeant Milton, »dieser Moment ist so schön und friedlich, kaum zu glauben, dass wir aus einem solch unerfreulichem Grund hier sind.«
Anne sah sich um. Das Haus der Lordens war einladend, vor dem Eingang hatten sie große Kübel mit allen möglichen Pflanzen angelegt. Anne erkannte einige Gewürze. Sie hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie den Kontakt mit den Lordens nicht besser gepflegt hatte. Nach Abschluss des Aschenfalles von Dave Lorden hatte sie sich fest vorgenommen, sich regelmäßig mit ihm zu treffen. Kein Fall war je wieder so bewegend für Anne gewesen. Das hing sicher auch damit zusammen, dass Dave Lorden ein überlebendes Opfer war. Meist hatten auch die Opfer, sprich die, die unter den Bosheiten anderer gelitten hatten, die Aschentage nicht überlebt. Allerdings waren sie bei den Kämpfen und nicht durch die Einäscherungen gestorben.
Anne schüttelte diese Gedanken ab und ging auf die Eingangstür zu. Im nächsten Moment schreckte sie zusammen – hatte sich an dem kleinen Seitenfenster nicht der Vorhang bewegt?
Sergeant Milton bemerkte ihr Zusammenzucken und fragte vorsichtig: »Ist alles in Ordnung?«
Anne nickte nur und antwortete: »Sinnestäuschung. Ich dachte, am Fenster hätte sich etwas bewegt. Versuchen Sie, die Tür zu öffnen.«
Da in der Neuen Welt Einbrüche seltener waren als Sternschnuppen, ließ sich das einfache Schloss leicht öffnen.
Anne und Sergeant Milton betraten das Haus. Im Eingangsbereich war es kühl und dämmrig. Anne spürte eine leichte Brise und bekam eine Gänsehaut.
»Hier zieht es irgendwie, scheint so, als wäre hinten ein Fenster offen.«
Sie hatte geflüstert und auch Sergeant Milton sprach jetzt sehr leise, während er die Eingangstür hinter sich schloss: »Ja, finden Sie nicht auch, dass hier eine komische Atmosphäre herrscht?«
In diesem Moment ließ sie ein Geräusch aus dem hinteren Teil des Hauses herumfahren.
»Verdammt«, entfuhr es Anne, »da ist jemand im Haus.«
Sie rannte in Richtung des Geräusches, Sergeant Milton hinterher. Als sie in das Zimmer stürzten, aus dem das Geräusch kam, atmeten sie erleichtert auf. Vor Ihnen saß ein kleiner Siebenschläfer, der sich an einer Schüssel mit Nüssen zu schaffen machte.
»Du wirst uns doch wohl nichts tun, mein kleiner Freund?«, sagte Anne sanft und wollte auf das Tier zugehen, als eine heisere Stimme zischelte: »Er nicht, ich aber schon!«
Anne hätte später nicht mehr wiedergegeben können, was ihr in diesem Moment durch den Kopf gegangen war. Automatisch drehte sie sich in Richtung der Stimme. Dann sah sie den Gewehrlauf. Danach passierte alles gleichzeitig. Sie gab Sergeant Milton einen Stoß, sodass dieser aus der Schusslinie taumelte, kurz bevor die Stille im Haus von einem ohrenbetäubenden Lärm unterbrochen wurde. Die Schrotladung war auf ihrem Weg. Für den Bruchteil einer Sekunde sah Anne in das bleiche Gesicht eines kahlköpfigen Mannes.
Und sie sah seine Augen, seine trüben schrecklichen Augen, die aussahen, als wären sie seit Tagen von etwas Grausamem gejagt worden. Plötzlich ließ der Mann das Gewehr fallen. Das Poltern löste Anne aus ihrer Erstarrung. Sie wollte auf ihn zugehen, stoppte aber mitten in der Bewegung. Das Gesicht des Mannes verzerrte sich zu einer hässlichen Fratze. Er formte seinen Mund fast so, als wollte er um etwas bitten und streckte den Arm nach Anne aus, aber es war bereits zu spät – die Einäscherung hatte begonnen. Sein bleiches Gesicht wurde ganz rot. Anne wusste, was jetzt passierte.
Seine Körpertemperatur war bereits extrem angestiegen. Die Körperflüssigkeiten fingen an zu brodeln, dann zu kochen. Er verbrannte von innen. Erst schmolzen die Knochen, dann die Muskeln und Sehnen, die Organe und dann das Gewebe. Zuletzt löste sich die Haut, wie ein Stück Butter in der heißen Pfanne, auf. Seine Schmerzen waren unerträglich, Flammen umhüllten ihn, seine Schreie wurden erstickt. Für einen Moment war er eine lebende Fackel, dann sackte er in sich zusammen.
Der Geruch war beißend, die Hitze erfüllte das ganze Zimmer, der Anblick war grauenvoll. Dann war es vorbei. Zurück blieb ein Aschenhäufchen, auf das die letzten menschlichen Rußflocken wie Schnee herabfielen.

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