11. Dezember 2013

'Puna - Tödliche Spurensuche' von Bernd Scholze

Was als Recherche beginnt, wird zum Wettlauf auf Leben und Tod. Ferdinand Lochner, Geschäftsführer von Pildovac Pharm, erteilt der Genealogin Anja Koswig den Auftrag, eine Firmenbiographie zu erstellen. Dazu soll sie Angehörige von Ludwig Staller, einem ehemaligen Mitarbeiter der Forschungsabteilung, der an der Entwicklung zahlreicher Medikamente maßgeblich beteiligt war und kürzlich an den Folgen von Bauspeicheldrüsenkrebs verstorben ist, ausfindig machen und interviewen.

Allem Anschein nach ein ganz normaler Rechercheauftrag, doch dann ändert sich die Situation schlagartig: Ihre Wohnung wird verwüstet, ihre beste Freundin wird brutal mißhandelt und sie ist Drohungen ausgesetzt. Geht es wirklich nur um die Erstellung einer Firmenbiographie? Ferdinand Lochner spielt nicht mit offenen Karten. Tatsächlich soll sie dabei mithelfen, streng vertrauliche Unterlagen, die Staller beim Ausscheiden aus der Firma gestohlen hat, ohne Schlagzeilen zurückzuholen. Die Spuren führen nach Bolivien. Ihr unsichtbarer Gegner folgt ihr auf Schritt und Tritt. Ein Wettlauf auf Leben und Tod beginnt.

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Leseprobe:
»Hast du mich verstanden, Raul?«, fragte der Mann vor der Wand.
»Wir waren uns doch einig, dass keine Menschen zu Schaden kommen dürfen ...«
»Das ist auch nach wie vor unser Ziel. Aber leider überschlagen sich die Ereignisse. Uns sind die Hände gebunden. Und zu allem Überfluss werden wir wohl über kurz oder lang unsere Informationsquelle in der Firma verlieren. Wir müssen handeln. Und zwar so schnell wie möglich. Wir können keine Spielchen mehr treiben.«
»Wir sind angetreten, weil die Ungerechtigkeiten bekämpfen wollten. Jetzt stehen wir an der Schwelle, selber Unrecht zu tun ... Ich seh da keinen Sinn, Claude ... Ich sehe ein, dass wir verhindern müssen, dass die Pharmaindustrie sich mit den Medikamenten gegen Tropenkrankheiten weiter auf Kosten der wirklich Armen bereichert. Wenn wir jetzt einen Mord in Kauf nehmen, zumal an einer Frau, die eine sehr fragwürdige Suche nach irgendeinem Bolivianer wegen einer Erbschaft durchführt, dann ist das nicht das, wofür ich angetreten bin!«, sprach der mit Raul angesprochene.
»Die Frau ist vollkommen unwichtig. Kollateralschaden. Leider. Ich kann das immer nur betonen. Mir selber fällt das auch nicht leicht«
Der Mann vor der Wand blickte einen Augenblick zu Raul hinüber.
»Vorgestern ist Tristan Douglas von Scarab Pharma Inc. mit seinem Privatjet von New Jersey angereist, um mit Ferdinand Lochner zu reden. Glaubst Du, das es da um Mittagessen unter Freunden ging?«
»Woher weißt du das?«
»Von unserer Quelle vor Ort. Das Treffen ist ganz kurzfristig anberaumt worden. Lange war es geplant, aber immer als weniger wichtig verschoben worden. Jetzt, da die Frau in Bolivien recherchiert, wird es auf einmal wahr. Keine lange Vorplanung. Anruf und zwei Tage später ist das Treffen perfekt. Macht Dich das nicht stutzig?«
»Wieso? Was meinst Du?«
»Mann, da zeichnet sich ein Deal ab. Noch vor einem halben Jahr war die Firma von Lochner am Abschmieren. Dann werden Gerüchte gestreut. Von einem neuen Medikament. Von einer Suche nach einem Mann, der wichtige Informationen haben soll. Davon, dass man kurz vor einem entscheidenden Durchbruch stünde. Dann soll auf einmal Maladouleur Médicaments auf der Bildfläche auftauchen und abgeschlagen im Wettbewerb hinter Lochners Dengue-Mittel her sein. Merkst du nicht? Das Ganze stinkt doch. Der Alte versucht, die Braut chic zu machen, bevor sie verkauft wird. Egal wer den Deal machen wird, die Franzosen oder die Amis, die Monopolisierung schreitet weiter voran.«
»Und wieso sollen wir die Frau umbringen?«
»Um die Braut zu entzaubern. Wenn Lochner nicht mehr länger seine Mär von dem geheimnisvollen Erben aufrecht halten kann, dann wird er als aufzukaufendes Objekt uninteressant.«, erklärte Claude.
»Hast du schon mal daran gedacht, dass diese Geschichte wahr sein könnte? Angenommen, Lochner hat recht? Was passiert dann, wenn wir die Frau töten?«
»Dann wird die Geschichte trotzdem uninteressant. Lochner verliert Zeit, und ob er noch einmal jemanden für die Suche findet, ist fraglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Franzosen den Laden übernehmen, steigt rapide an. Für Tristan Douglas wird es uninteressant.«
»Toll, was haben wir damit gewonnen? Ich will in keiner Weise die Monopolisierung unterstützen. Egal wer es ist!«
»Vergiss nicht, dass die CIA bereits Dengue-Erreger auf Kuba zum Einsatz gebracht hat. Was meinst du wohl, warum jetzt Tristan Douglas aktiv mitspielt, haben sich unsere Möglichkeiten maximal reduziert. Er hat das Kapital. Wir müssen schneller sein als er. Ansonsten war alles vergeblich. Und das setzt voraus, dass du die Frau beseitigst. Und zwar schnell.«
Nach einigem Zögern meldete sich wieder Raul zu Wort: »Und was schlägst du vor?«
Claude griff unter den Tisch und holte eine kleine Tasche hervor. »Hier ist alles drin, was du brauchst. Sieh zu, dass es in ihrem Gepäck landet. Sobald das geschehen ist, meldest du Dich und wir veranlassen alles Weitere ...«
»Und wenn es nicht funktioniert?«, fragte Raul unsicher.
»Du kennst die Prämisse!«
Raul fasste nach dem Täschchen und ließ seine Hand einen Moment auf dem Tisch liegen. Claude griff nach seiner Hand. »Raul, wir zählen auf Dich ...«

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