12. Dezember 2013

"Auf und weg!" von Pebby Art

Ein Kinderbuch zum Thema Trennung. Emmas Papa ist abgehauen. Und "auf und weg" sind dann auch Emma und ihr lebendig gewordenes Stoffpferdchen Floh. Im Räuberwald sind die beiden gelandet. Doch während Floh hier nach Emmas Papa sucht und zusätzlich noch gerne einen Schatz finden würde, sucht Emma aus einem ganz anderen Grund den Schutz des Waldes auf.

Sie versteckt sich dort, denn sie ist sicher, dass auch ihre Mama sie verlassen wird. Da haut sie lieber selbst ab. Unheimlich wird es, als sie bemerken, dass sie nicht die Einzigen sind, die sich im Räuberwald herumtreiben …

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Leseprobe:
„Wo ist Papa?“
Emma reibt sich die Augen. Verschlafen torkelt sie in die Küche. Papa sitzt morgens immer am Küchentisch, immer hinter seiner Zeitung. Und seine braun-verschmierten Nutella-Finger legen sich um den Rand der Zeitungsblätter. Papa liebt Nutella.
Heute steht kein Nutella auf dem Tisch. Kein Nutella klebt an Papas Fingern, denn Papas Finger sind nicht da. Papa fehlt. Nur die Zeitung liegt zusammengefaltet auf dem Tisch. Unbenutzt sieht sie aus, wie Klopapier auf der Rolle.
Mama sitzt am Tisch und lässt Sonnenblumenkerne auf ein Brot mit Honig plumpsen. Der Honig pappt durchs Brot. Das wird wieder eine Schmiererei geben, nachher in der großen Pause. Und die Sonnenblumenkerne pieksen immer im Mund. Hauptsache es ist gesund, sagt Mama immer.
Emma verzieht das Gesicht und fragt noch mal: „Wo ist Papa?“
Endlich schaut Mama auf. Emmas Bauch zieht sich zusammen. Mamas Gesicht sieht so anders aus, so … so … Emma weiß nicht genau wie. Anders halt.
Und anstatt auf ihre Frage zu antworten, winkt Mama sie zu sich. Emma wird noch mulmiger zumute. Was hat das alles zu bedeuten? Schließlich macht sie drei Schritte auf Mama zu. Dann bleibt sie stehen.
„Emma, jetzt komm mal her.“
Mamas Stimme klingt komisch. Vorsichtig nähert sich Emma. Sie darf sich auf Mamas Schoß setzen. Das kommt selten vor. Schließlich ist sie schon groß, ein Schulkind, da sitzt man nicht mehr auf anderer Leute Beinen, sagt Mama immer. Jetzt darf sie. Das ist seltsam.
„Papa ist weg“, sagt Mama.
Emma versteht nicht.
„Wie ‚weg‘?“, fragt sie.
Mama schluckt. „Er ist ausgezogen.“
Emma sackt zusammen. Das kann nicht stimmen. Nie würde ihr Papa sie verlassen.
„Du lügst!“, schreit Emma und rennt die Treppe hinauf in ihr Zimmer. Wie kann Mama so etwas Gemeines behaupten?
Emma liegt auf ihrem Bett und weint. Emmas Kissen ist ganz feucht, so als hätte jemand ein ganzes Glas Apfelsaft auf die Bettdecke gegossen. Nur schmeckt es nicht so süß. Und klebrig ist es auch nicht. Aus der Ferne, von der Matratzenecke her, schaut Floh aus mitleidsvollen, dunklen Knopfaugen zu ihr herüber. Dort hat Emma ihn eben achtlos hingeschleudert. Floh ist Emmas Lieblingsstofftier, ein gelb-beiges Pferdchen mit langer, dunkler Mähne und dünnen hellen Streifen, die in der Sonne glitzern. Heute türmt sich die Mähne in einem Wust aus Knoten und Zöpfen an seinem Hals auf. Emma will Friseurin werden, später, wenn sie groß ist. Wenn Emma Kummer hat, kuschelt sie Floh immer ganz fest in ihre Arme. Nur jetzt nicht. Ihr Kummer ist zu groß. Sie hat Floh ganz vergessen.
Mama kommt herein und setzt sich zu Emma aufs Bett. Sie erlaubt ihr sogar, heute zu Hause zu bleiben. Schule schwänzen. Das hat Mama noch nie erlaubt! So furchtbar ist das alles, dass sie Schule schwänzen darf! Das kann nur bedeuten, dass sie ihren Papa nie, nie mehr wiedersehen wird. Und Mama erklärt ihr nicht, warum Papa verschwunden ist und wo er hin ist. Da will Emma auch nicht zu Hause bleiben, und sie packt ihre Schultasche. Vielleicht weiß Lena Rat. Schließlich ist Lena ihre beste Freundin. Jeden Tag gehen sie zusammen zur Schule. Am Ende der Straße unter der großen Kastanie, da treffen sie sich immer – jeden Morgen.

Im Kindle-Shop: Auf und weg!>

Mehr über und von Pebby Art in ihrem Blog.

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