30. Januar 2014

'Ohne Hintern wär ich sexy' von Sandra Hausser

Hilfe, Klassentreffen! Auch Diana Frank bekommt eine Einladung zu einem Wiedersehen mit ihren früheren Mitschülern. Doch mit besagter Einladung flattern auch zwei große Probleme ins Haus, die es vorher zu lösen gilt: Denn während es an potenziellen Begleitern mangelt, herrscht an einer ganz anderen Stelle ein Überschuss: an Dianas Hinterteil. In den verbleibenden vier Wochen setzt Diana alles in Bewegung, um beide Herausforderungen zu bewältigen und vor den Augen der anderen bestehen zu können ... und tritt dabei von einem Fettnäpfchen ins nächste.

»Ohne Hintern wär ich sexy« - Zum Schmunzeln und Mitfühlen!

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Leseprobe:
„Oh mein Gott! In vier Wochen schon?“, rief ich erschrocken in die leere Küche und hielt den Brief mit zittrigen Fingern umklammert. Seit Jahren wusste ich, dass ich diese Nachricht eines Tages in den Händen halten würde. Vor einiger Zeit hätte ich mich sogar sehr darüber gefreut, nun schien es der ungünstigste Zeitpunkt überhaupt. Ich starrte weiter auf das Papier. Das durfte nicht wahr sein.
Ich stand auf und holte mir eine Zigarette und ein Glas Wein aus der Küche, setzte mich an den Tisch und nahm den Brief ein weiteres Mal in die Hände. Sein Inhalt hatte sich nicht verändert, ich musste mich den Tatsachen stellen: Ich war zum Klassentreffen eingeladen. Meine Klassenkameraden versammelten sich, hatten mich seit fünfzehn Jahren nicht gesehen und keine Ahnung von meiner persönlichen Situation und meinem riesigen Hinterteil. Dieser, von mir sarkastisch als Fettsteiß betitelte Po war in den letzten sechs Jahren heimtückisch und gänzlich unbemerkt Teil meines Körpers geworden. Ich hatte seine Entwicklung zuerst nicht einmal bemerkt. Aus Jeansgröße siebenundzwanzig war eine neunundzwanzig geworden. Na und, dachte ich, du wirst eben älter, treibst weniger Sport und arbeitest im Sitzen. Jeans und andere Bekleidungsstücke der unteren Körperhälfte kaufte ich größer, dann noch größer.
Hajo, mein Exmann, sagte immer: „Sei froh, dass du nur an einer Stelle zunimmst. Andere werden rundum richtige kleine Fässer.“
„Und was ist mit den Proportionen?“, brüllte ich ihn irgendwann an. „Wie sieht das denn aus? Spindeldürre Arme und Beine, flacher Bauch, wenig Busen und ein fetter Hintern?“
Er lachte und erwiderte trocken, dass er gegen einen üppigeren Busen nichts einzuwenden habe.
Zeitgleich mit dem Wachstum meines Popos bröckelte unsere Beziehung. Hajo war immer öfter geschäftlich unterwegs. Auffällig oft. Das „Geschäftliche“ entpuppte sich später als Gabi Klein, wirklich klein war an ihr jedoch nur sehr wenig.
Ich stand auf und ging ins Schlafzimmer. Aus meinem Nachtschränkchen kramte ich ein blaues Kästchen, in dem ich alle alten Bilder meiner Kindheit und Jugend aufbewahrte. Ich blickte ausschließlich auf mich selbst, als ich die Fotografien, eine nach der anderen, zutage förderte und mich sehnsüchtig in jene Zeit zurück wünschte. Drahtig, sportlich, dünn, keine Spur von Fettpolstern.
Ein Bild zeigte mich mit dem Rücken zur Kamera und mit einem Apfelärschlein, klein und rund, hübsch verpackt in einer ausgewaschenen Jeans. Keiner meiner Kameraden würde mich wiedererkennen, zumindest nicht von hinten. Ich gluckste belustigt. Dabei würde ich mich wirklich freuen, die alte Truppe einmal wiederzusehen. Den harten Kern zumindest, mit dem ich ständig Unfug angezettelt hatte. So mancher Lehrer kann sich sicher bis heute noch gut an uns erinnern. Auf den Rest konnte ich gern verzichten. Allerdings schlichen sich auch nachdenkliche Gedanken in meinen Kopf. Denn wenn wir die Schulzeit ein wenig ernster genommen hätten, so wie die Streberbank weit vor uns im Klassenzimmer, würde ich jetzt nicht hier sitzen, geschieden und mit Bratarsch. Die Lehrstelle im Reisebüro damals hatte mir zum Glück meine Mutter besorgt, nachdem sich all meine eigentlichen Berufswünsche wegen meines schlechten Abschlusszeugnisses von jetzt auf gleich in Luft aufgelöst hatten. Meine jetzige Anstellung verdankte ich dem puren Zufall.
Wie es wohl den anderen aus unserer Klassenclique ergangen ist, fragte ich mich und spürte Sehnsucht in mir aufkeimen. Doch ich konnte mir denken, wie es bei dem Klassentreffen werden würde. Ein Werbespruch aus den Neunzigern fiel mir dazu ein: Mein Haus – mein Auto – mein Boot. Fotos würden herumgereicht und als Grund zum Prahlen genutzt werden.
Ich konnte nur einen dicken Hintern und Bilder vom Ex anbieten.
Das durfte ich mir nicht antun, diese Schmach musste ich mir unter allen Umständen ersparen.
Morgen rufe ich Carola an und sage ihr, dass ich unmöglich zum Klassentreffen kommen könne. Ausgerechnet an diesem Wochenende fände die wichtigste Fortbildung der Reisebranche statt und Teilnahme wäre Pflicht. Aber sie solle bloß nicht vergessen, mich für das nächste Treffen wieder einzuladen. Da käme ich ganz bestimmt.
Zufrieden mit dem Beschluss und der wunderbaren, taktvollen Entschuldigung, ging ich zurück in die Küche, öffnete den Kühlschrank und schaute begierig auf die fett- und kalorienreich lächelnden Waren. Meine Finger tasteten sich zielorientiert vorbei an der Leberwurst und dem Butterkäse, der Stangensalami und dem Erdbeerquark. Schnell hatte ich mir den Topf Stracciatella-Pudding geschnappt und fingerte mit der freien Hand im Gemüsefach nach der Sprühsahne. Auf dem Sofa legte ich die Beine hoch, wickelte meine immer kalten Füße in die Mikrofaserdecke und sprühte eine wunderbar große Portion Sahne auf den Pudding.

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Mehr über und von Sandra Hausser auf ihrer Website.

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