1. Februar 2014

'Waffenruhe: Ein Roman der Gendarmerie Magique' von Katharina Gerlach

CSI mit Magie aber (fast) ohne Ekelfaktor - für Fantasy- und Krimi-Fans ab 14. Obwohl die neunzehnjährige Moira Bellamie nachweislich keine Magie hat, ist es ihr gelungen, einen Praktikumsplatz bei der Gendarmerie Magique, der magischen Polizei, zu erhalten. Um den hart erkämpften Job zu behalten, steckt sie all ihre Energie in die Aufklärung eines Einbruchs im Nationalmuseum, wo wertvolle, antike Waffen gestohlen wurden ...

Es war nicht vorgesehen, dass sie sich dabei in ihren Partner Druidus verliebt. Als immer mehr Menschen mit einer der gestohlenen Waffen ermordet werden, muss Moira unkontrollierbare Magie zähmen, oder die Menschen, die sie liebt, werden sterben, allen voran ihr Partner.

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Leseprobe:
Buds und Semra überließen es Moira, die Beweise ins Archiv zu bringen.
„Wenn du fertig bist, kannst du schon mal mit dem Bericht anfangen.” Buds nahm den Direktor am Ellenbogen und dirigierte ihn zu einem der Verhörräume. „In dreifacher Ausfertigung”, sagte Semra und folgte ihrem Kollegen.
Moira machte sich auf den Weg in den Gewölbekeller zum Beweisarchiv. Sie fühlte sich ausgenutzt, obwohl sie wusste, dass laut Vorschrift zwei Gendarmen bei jedem Verhör dabei sein mussten.
Auf dem Rückweg wurde sie im Treppenhaus von Commissaire Marten angehalten.
„Ich war angenehm überrascht, dass Sie die Mona Beth als Fälschung erkannt haben. Selbst Direktor du Mar hat es nicht sofort gesehen.”
Moira wurde rot und starrte auf ihre Schuhspitzen.
„Mir wäre es lieb, wenn Sie sich die Überwachungsgloben mit meinem Experten ansehen würden.”
Moiras Augen weiteten sich und sie sah auf.
„Aber ich bin nur eine Anwärterin!”
Commissaire Marten lächelte.
„Mit sehr scharfen Augen. Vielleicht entdecken Sie etwas, das meinem Spezialisten entgeht.”
Moiras Ohren brannten. Das Lob war ihr peinlich, obwohl es gut tat, nicht immer als Dummkopf dazustehen.
„Ich muss zuerst den Bericht fertig machen”, sagte sie heiser.
„Ich sage Grub Bescheid, dass Sie dann kommen.” Commissaire Marten nickte ihr zu und stieg weiter hinunter zum Archiv.
Eine Stunde später schob Moira die Tür zur Dunkelkammer auf und schlüpfte hinein. Vor ihr flimmerte ein Globus und projizierte die große Lagerhalle des Museums an die Wand.
„Da sind Sie ja”, sagte eine Stimme aus dem Dunkeln. „Machen Sie es sich bequem. Ich habe eben erst angefangen. Sie haben nichts verpasst.”
Moira tastete sich vorwärts, bis sie einen Stuhl fand, von dem aus sie das Bild an der Wand gut sehen konnte.
„Dieser Globus geht von zehn Uhr abends bis zu dem Zeitpunkt, wo Semra ihn eingepackt hat. Wir sollten also den ganzen Einbruch verfolgen können. Ich spiele ihn mit erhöhter Geschwindigkeit ab, sehen Sie genau hin.”
Lange Zeit war außer der Lagerhalle mit den Kisten nichts zu sehen. Moira überlegte schon, wie sie sich rechtzeitig zum Feierabend loseisen könnte, als ein Nachtwächter die lange Treppe herunter kam. Er ging durch eine Tür und kehrte wenig später in Zivil zurück, trug aber die Uniform in einer Tüte bei sich. Moira sah, wie er sie auf die Kisten legte, um sich die Schuhe zuzubinden. Dabei muss er die Mütze verloren haben.
Der Nachtwächter ging zu den beiden großen Rolltoren und hob beschwörend die Hände. Da das Überwachungsauge keinen Ton aufzeichnete, konnte Moira den Aktivierungszauber nicht hören, aber das linke Tor schoss gehorsam in die Höhe. Ein weißer Pfeil sauste aus der Dunkelheit dahinter auf das Überwachungsauge zu, und das Bild zersplitterte zu weißem Schnee.
„Das ist alles”, sagte Grub. „Scheint 'ne abgekartete Sache gewesen zu sein, mit dem Nachtwächter als Spion.”
„Was ist mit dem Pfeil”, fragte Moira.
„Buds hat ihn sichergestellt, einen Cupido26E. Die gibt es kistenweise an jeder Tapisto-Chargerie. Nächster Globus?”
„Ich würde diesen gerne noch einmal sehen, wenn es Ihnen nichts ausmacht.”
„Kein Problem.” Es surrte für einen Moment, und schon begann die kurze Szene von vorn.
Als der Nachtwächter die Tasche auf die Kiste legte und sich die Schuhe zuband, beugte sich Moira vor. Sie wollte das Abzeichen auf seiner Schulter besser sehen, aber der Globus gab es nur unscharf wieder. So was Dummes, dachte sie. Sie hätte zu gerne gewusst, ob der Nachtwächter ein Angestellter des Nationalmuseums war oder von einer der vielen Wach- und Schließgesellschaften, die in letzter Zeit wie Pilze aus dem Boden schossen. Sie kniff die Augen zusammen, aber das Bild wurde nicht schärfer. Moira hielt es für eine Bildstörung oder für eine schlecht verputzte Stelle der Wand, auf die das Bild projiziert wurde.
Der Nachtwächter hatte sich inzwischen aufgerichtet und ging auf die beiden großen Rolltore zu, aber die unscharfe Stelle war immer noch da.
„Kann man den Mann vergrößern?” fragte sie in die Dunkelheit.
„Aber sicher, kein Problem.” Sofort veränderte sich der Blickwinkel des Überwachungsauges, und Moira hatte das Gefühl, sie sause auf den Mann zu. Unwillkürlich klammerte sie sich an der Armlehne fest. Als das Bild zur Ruhe kam, erkannte sie das Logo des Nationalmuseums auf der Schulter des Mannes. Sie nickte zufrieden. Damit hatte sie gerechnet. Aber der unscharfe Fleck über der Schulter war immer noch da und wirkte größer als zuvor. Moira runzelte die Stirn.
„Was ist das?”
Grub pfiff leise und anerkennend.
„Das ist ein Elfenschild. Sabio hatte Recht, du hast tatsächlich einen erstaunlich scharfen Blick.”
Moira ignorierte das Lob und das vertrauliche Du.
„Sie meinen, ein Elf hätte sich eingeschlichen und den Nachtwächter gezwungen, das Tor zu öffnen?” Sie war überrascht, denn Elfen waren selten kriminell.
„Oder der Nachtwächter hat ihn eingeschmuggelt. Ich denke, Semra und Buds haben einen neuen Verdächtigen.” Das Licht flammte auf, und der Globus schaltete sich aus. „Schluss für heute, den Rest mache ich morgen. In einer halben Stunde habe ich Feierabend. Danke für die Hilfe.”
„Gern geschehen.” Moira sah sich nach Grub um, aber der Raum schien leer zu sein. Schließlich entdeckte sie auf dem Hochstuhl am Lesegerät der Globen einen Nerl, kaum größer als ein Säugling. Als er Moiras Überraschung bemerkte, verzog er seinen breiten Mund zu einem zahnreichen Grinsen und seine großen, spitzen Ohren richteten sich auf.
„Was hast du erwartet”, sagte Grub. „Einen Zentauren kann sich die Verwaltung nicht leisten.”
„Nein, ich …” Moira wurde rot. „Ich staune über Ihre Größe.”
„Da solltest du mal meinen Cousin sehen. Der geht Sabio beinahe bis an die Hüfte.” Grub klemmte sich die Schachtel mit dem Überwachungsglobus unter den Arm und kletterte von seinem Sitz. „Hast du jetzt Feierabend?”
Moira nickte.

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