17. März 2014

"Zart besaitet" von Bianca Braxton

Ein Liebesroman. Eva Bauer, eine 26 Jahre junge Wiener Cellistin, die aus einer angesehenen Gemüsebauern-Familie stammt, erhält die Chance in New York am Broadway bei einem der bekanntesten Musicals mitzuwirken. Sie bricht alle Zelte in Wien ab und Ihre Leidenschaft, die Musik, führt sie über den Ozean, um sie dort mit dem Publikum zu teilen.

Kaum ist sie in den USA gelandet, wird sie schon in einen regelrechten Sog an Möglichkeiten gezogen und entscheidet sich, ihrem Herzen zu folgen. In New York warten neben Erfolg, Ruhm und Reichtum auch männliche Bekanntschaften auf sie.

Zwei Männer treten bereits nach einigen Tagen, in ihr turbulentes Leben. Jonathan und Juan fühlen sich beide von Evas starker Ausstrahlung magisch angezogen und es entfachen sich leidenschaftliche und von Liebessehnsucht geprägte Momente. Sie ist hin und her gerissen zwischen den beiden Männern und dem inneren Verlangen, Ihrer Berufung zu folgen.

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Leseprobe:
„Hier ist Ihr Schlüssel, Ms. Bauer. Schön Sie in unserem Hause begrüssen zu dürfen. Bleiben Sie wie geplant, die ganze Woche?“, fragte der Portier des Mittelklasse-Hotels in Manhattan, in das Eva Bauer gerade eincheckte. In gutem Englisch, antwortete sie: „Ja, ich bleibe bis zum Sonntag. Ab Montag habe ich ein Zimmer angemietet.“
Sie hatte dieses Hotel gewählt, da es im Theatre-District lag, und sie von dort aus all ihre Termine gut erledigen konnte, und ein wenig Einblick in New York City bekommen würde. Das letzte Mal war sie gute zehn Jahre zuvor in der Stadt gewesen, als junge Frau, mit ihren Freundinnen, um die Matura (österr. Abitur) zu feiern. Seither war viel Zeit vergangen, und sie hatte eine Ausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien gemacht, und diplomiert. Es waren zwölf Semester, und sie hatte Glück es gemeistert zu haben. Einige ihrer Kolleginnen waren noch lange nicht fertig, und quälten sich weit über die normale Studienzeit hinaus. Eva hatte gewusst, sie würde es schaffen, doch blieb immer ein kleiner Zweifel der sie gerade in den letzten zwei Semestern immer wieder blockierte und Ängste in ihr hochwallen ließ. Die Erinnerungen an diese Zeit wollte sie in New York hinter sich lassen. Nach der Matura hatte sie sich nicht sofort dafür entschieden Cellistin zu werden, sie hatte auch keinen Druck seitens ihrer Eltern bekommen. Diese förderten ihre Fähigkeit und erkannten, dass sie ein Geschick besaß, das selten war, doch wussten sie auch, dass Eva eine sensible Persönlichkeit war, die man so sein lassen musste, wie sie war. Mit Gewalt hätte man ihr die Freude und die Sanftmut, die sie auch in der Musik so feinsinnig vermittelte genommen, und so hielten sie sich zurück. Sie boten ihr an, im großen Gärtnereibetrieb am Stadtrand mitzuhelfen, und sich eigenes Geld zu verdienen. Das tat sie mit Freude. Sie war schon seit ihrer Kindheit involviert. Ein Teil des Unternehmens wurde von ihrer Mutter geführt, die sich um Blumen und Gestecke kümmerte. Den anderen Teil, führte der Vater. Er baute auf einem Feld in Niederösterreich Karotten und Spargel an. Sie hatten auch zwei Gewächshäuser, in denen sie Gurken und Kräuter anbauten. Ein dutzend Mitarbeiter waren alleine in den Häusern und im Handel beschäftigt, und noch etliche Saisonarbeiter am Feld. So konnte sie sich immer aussuchen, wo sie gerade mithelfen wollte und welche Art von Tätigkeit sie bevorzugte. Sie schonte allerdings so gut sie konnte ihre Finger, denn Abends spielte sie fast immer ein bis zwei Stunden Cello, um in Übung zu bleiben.

Das wundervolle Violoncello, das man auch als kleinen Bass bezeichnete, hatte sie schon als zwölfjähriges Mädchen begeistert. Sie durfte mit ihrer Mutter in den großen Konzertsaal in der Wiener Innenstadt zu einem Konzert der italienischen Gruppe „Rondo Veneziano“ mitgehen, und war begeistert von den Streichern. Die Gruppe brachte zwar eigene Variationen und spielte alles in abgewandelter Form, aber dennoch brachte es Evas Blut in Wallung. Das ruhige Mädchen war tagelang aufgekratzt, bis ihre Mutter Heidemarie, ihr vorschlug, sich über Geigenunterricht zu informieren. Die Lehrerin mit der sie einen Termin vereinbart hatten, war auch mit dem Cello vertraut und Eva war sofort von diesem Instrument und seinem Klang begeistert. Von da an, war das Cello nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken. Anfangs dachten Evas Eltern, vorallem ihr Vater Karl, es wäre nur eine vorübergehende Begeisterung, so wie dies bei Kindern öfter der Fall ist, doch wurden sie eines Besseren belehrt. Sie ließ alles andere liegen und stehen, damit sie Zeit fand, sich mit dem Üben zu beschäftigen. Und die Musik bildete ihren Charakter zunehmend.
Sie wurde sattelfest in vielen Stücken, und dadurch gewann sie auch an Selbstvertrauen im Alltag. Es war alleine ihre Entscheidung, die Schule bis zur Matura zu besuchen. Ihre Eltern ließen ihr die Wahl. Sie hätten es genauso begrüsst, wenn sie in den Familienbetrieb eingestiegen wäre und eine Lehre als Floristin oder für den Einzelhandel begonnen hätte.
Und nun war sie hier in New York gelandet, mit ihren knapp sechsundzwanzig Jahren und hatte mehrere Engagements bekommen. Sie würde am Broadway im Orchester für „The Lion King“ spielen und sollte fix bei einer Bankers-Familie zwei Teenager unterrichten. Ihre Lehrerin war Teil eines großen Künstlernetzwerkes und hatte erfahren, dass ein Cellist wegen familiären Angelegenheiten aus dem Ensemble aussteigen musste. Da es sehr dringlich war und auch die Ersatz-Cellistin nur eine gewisse Zeit aushelfen konnte, aufgrund einer langfristig vorgeplanten Tournee, wurde Eva die Chance eingeräumt. Das war wieder einer der Glücksfälle, die sie bereits in ihrer Studienzeit erlebt hatte. Ihre Lehrerin meinte nur: „Kindchen, Du bist mit Leib und Seele eine Cellistin und Gott hat Dir dieses Talent gegeben, damit Du viele Leute damit berührst. Und wenn Gott nunmal für Dich ist, dann werden es letztlich alle sein.“ Sie hatte daher auch sofort an Eva gedacht und sie empfohlen und ihre Webseite weitergeleitet. Dort gab es einige Links zu Videos, auf denen man Auftritte in Wien ansehen konnte, bei denen sie mitgewirkt hatte. Sie spielte hier und da in Kirchen und auf Festivitäten, aus reinem Vergnügen und um das Lampenfiebergefühl zu spüren. Noch eine Besonderheit, die ihr scheinbar in die Wiege gelegt worden war. Sie war zwar sehr aufgeregt und zappelig vor einem Auftritt, aber das Publikum war ab dem Moment, als sie sich auf ihren Stuhl setzte, für sie einfach nicht mehr anwesend. Sie konnte es niemandem richtig erklären, aber sie war auf ihrer Klangwolke und die bestand nur aus Liebe, dem Cello, das sie liebevoll „Archibald“ nannte, und ihr. Wenn sie dann den Applaus hörte, kam sie erst wieder zurück von ihrer speziellen Reise. „Behalte Dir das bei, Eva! Du kannst völlig abschalten und bist ganz in Deiner Seele, das wird Dir helfen, egal wie groß Dein Publikum je sein wird.“, gab ihr Frau Heidenreich, ihre Cello-Lehrerin mit, und schickte sie somit auf die Reise übers Meer, weit weg von Wien, ihren Eltern und dem Gärtnereibetrieb, und weit weg von ihren Freunden.
Da Eva in den letzten zwei Jahren keine Beziehung gehabt hatte, gab es auch keinen Mann, den sie hätte vermissen können. Sie broch also ihre alten Zelte ab und baute neue Zelte in den USA auf. Und nachdem sie rein aus Spaß gut eineinhalb Jahre zuvor bei der „Green Card-Lottery“ mitgespielt hatte, und auch noch eine Card gewonnen hatte, benötigte sie keinerlei andere Aufenthaltsgenehmigungen und musste sich um nichts kümmern. Markus, ihr Kollege aus Studienzeiten, hatte ein wenig neidisch gemeint: „Du bist mir Eine. Wettest mit Deinen Freundinnen, Du würdest sicher eine Green-Card bekommen, wenn Du es Dir wünscht, verwettest die Gage vom kleinen Badener Musik-Reigen und gewinnst dann auch noch. Irgendwie schnalle ich das nicht. Und damals hattest Du doch noch nicht mal den Ansatz einer Idee, nach New York zu gehen? Du bist mir ein Rätsel Eva!“ Sie hatte im Nachhinein erfahren, dass sie zwar als Künstlerin eine Art Sonderbehandlung bekommen hätte, aber die Green-Card war doch das Beste, was ihr passieren konnte. Sie war einfach nur frei.

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