31. März 2014

"Ein Licht hinter der Tür" von Janka Jakobi

Eine Reiseerzählung aus dem Jenseits. Nach einer Operation wacht Ursula nicht im Krankenhaus, sondern im Jenseits auf - und stellt fest: den Tod gibt es überhaupt nicht ... und 'der Tod ist eine echt einfache Angelegenheit'. Ursula trifft auf Celine, ihre Seelenbegleiterin, die sie an der Decke des Operationssaales in Empfang nimmt. Celine führt sie in eine neue Welt ein und begleitet sie durch beängstigende, verwirrende und beglückende Erlebnisse. Ursula gewinnt tiefe Einsichten in ihr Dasein, in ihre Existenz.

Ursulas Tochter Sabine versucht derweil im Diesseits mit ihrer Trauer zurecht zu kommen und den Nachlass ihrer verstorbenen Mutter zu regeln. Schließlich verarbeiten beide ihr gemeinsames Leben als Mutter und Tochter: Sabine im Diesseits, Ursula im Jenseits und zusammen in einer Zwischenwelt, die Sabine im Traum betreten kann.

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Leseprobe:
Ich bin ganz leicht. Geradezu beschwingt. Ich sehe alles von oben. Menschen in grünen Kitteln sind ganz aufgeregt. In der Mitte ist ein länglicher Tisch. Darauf liegt jemand. Neben dem langen Tisch steht ein kleiner Tisch. Darauf liegen allerhand Geräte. Messer, Skalpelle, Scheren und weiteres Werkzeug, das ich nicht näher zuordnen kann. Die Menschen in den grünen Kitteln, wahrscheinlich Ärzte, versuchen aufgeregt etwas mit demjenigen, der da auf dem Tisch liegt, zu machen. Ich träume wohl gerade von einer Operation. Kein Wunder bei den vielen, die ich jetzt schon hinter mir habe. Interessant ist, dass ich alles von oben betrachte. Lass sie nicht sterben. Bitte nicht. Sie hat bis hierhin so tapfer durchgehalten. Ritte nicht…Wessen Stimme ist das? Ich glaube, ich höre die Gedanken der im Raum anwesenden Menschen. Oh nein, sie wird es nicht schaffen. Ich frage mich, um welchen armen Teufel es sich da auf dem OP-Tisch handelt. Scheint nicht gut um ihn zu stehen. Plötzlich werden alle im Raum ganz ruhig. Seltsam. Ihre Bewegungen werden langsamer. Sie drehen an den Knöpfen der Geräte, die um den Tisch herum aufgebaut sind. Die Person auf dem Tisch ist durch mehrere Kabel mit den Geräten verbunden. Nachdem die Ärzte an den Knöpfen gedreht haben, entfernen sie die Kabel von der Person, dann ziehen sie ihr ein weißes Tuch über den Körper. Die Person auf dem Tisch scheint soeben gestorben zu sein. Ja, so kann es gehen. Ganz schnell. Ich sehe einen Mann, der sich seinen grünen Mundschutz langsam über den Kopf streift. Er sieht erschöpft und unendlich traurig aus. Ich zoome näher heran und erkenne Dr. Hilbig. Dr. Hilbig? Wen hat er denn da gerade operiert? Er sollte doch mich jetzt eigentlich unter seinem OP-Messer haben? Wieso hat er denn jemand anderen operiert? Ich versuche mich bemerkbar zu machen. „Dr. Hilbig? Dr. Hilbig…“ Aber er reagiert nicht.
„Er kann dich nicht hören.“, sagt eine Stimme links neben mir. Ich schaue mich um. Da ist eine Frau. Sie lächelt mich an. Wer ist sie? Sie kommt mir seltsam vertraut vor. Aber ich erkenne sie nicht. Ich habe sie noch nie in meinem Leben gesehen. Meint die wirklich mich? Oder ist da noch jemand? Aber sie scheint mich zu meinen. Wie ich schwebt sie in der oberen linken Ecke des Raumes. Ich bin irritiert. Das ist bestimmt noch die Auswirkung der Narkose. Man hört ja schon mal, dass man so allerlei Phantasien während der Narkose hervorbringt. Ich habe sogar mal gelesen, dass man dann alles von oben sehen kann.
„Nein, die Narkose ist es nicht. Du träumst auch nicht.“
Mir wird langsam mulmig. Was hat das hier alles zu bedeuten? Wer ist diese Frau?
„Die Person auf dem Tisch da, das bist du. Du bist soeben gestorben.“
„Ich? Blödsinn! Ich bin doch da! Hier….“, sage ich, und während ich an mir herunter sehe, bemerke ich eine leichte Durchsichtigkeit meines Körpers. Das muss eine sehr heftige Narkose gewesen sein.
„Doch Ursula. Du bist eben gestorben, aber wie du richtig feststellst, lebst du auch noch. Nur deine Zeit auf der Erde ist soeben abgelaufen“, sagt diese seltsame Frau nüchtern.
Ihre Lippen bewegen sich beim Sprechen keinen Deut, obwohl ich ihre Worte klar und deutlich höre. Aber was sagt sie denn da? Ich soll der arme Teufel da unten sein?
„Abgelaufen?“, frage ich, „Wie meinst du das?“ Ich stelle plötzlich fest, dass mein Körper nicht schmerzt. Er schmerzt seit den letzten sechs Monaten eigentlich dauernd. Außer wenn ich schlafe. Dann habe ich Ruhe. So wie jetzt.
„Du schläfst nicht. Du träumst auch nicht. Du bist nur gestorben. Du hast die Ebene gewechselt. Hier gibt es keine körperlichen Schmerzen. Deine Zeit ist soeben abgelaufen.“
Absurderweise fällt mir gerade jetzt die Zeile eines Sankt-Martin-Liedes aus meiner Kindheit ein: Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus. Rabimmel rabammel rabum bum bum …

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