15. März 2014

"Verplant verliebt" von Kerstin Böhm und Ulrike Wronski

Marie hat einen Plan, doch die Liebe hält sich nicht daran. Die 29-jährige Marie liebt geordnete Strukturen. Sie arbeitet als Business Analyst in einem Stuttgarter IT-Konzern, kocht nur nach Rezept und hält sich bei der Suche nach ihrem Traummann an eine Liste mit No-Gos. Darin steht: Nichts mit einem Kollegen anfangen, bloß keine Onlinedates, keine Karrieremenschen, keine Raucher und keine Tattoos.

Als ihr Exfreund heiratet, wirft Marie ihre Vorsicht für einen Abend über Bord und schleppt Karlo ab. Von ihm weiß sie nur, dass er in einem Matrosenkostüm verdammt gut aussieht. Was sie nicht weiß: Er wird ihr Leben gehörig durcheinanderwirbeln.

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Leseprobe:
Marie öffnete die Augen und ihr Kopf signalisierte: Eine Bewegung und ich zerspringe! Also hielt sie still. Sie hörte jemanden neben sich atmen und die Neugier siegte. Millimeter für Millimeter drehte sie ihren Kopf nach rechts, bis sie im Augenwinkel einen Mann mit kurzen dunkelblonden Haaren erblickte. Der Matrose.
Die Erinnerung kam zurück: seine grauen Augen, die sie festhielten, die Überwindungskraft, die es sie kostete, seinem Blick nicht auszuweichen, und das Erstaunen über ihre eigenen Worte, als sie Karlo bat, sie nach Hause zu begleiten. Er begleitete sie nicht nur, sondern trug sie auf Händen. Zunächst die Treppe hinunter, als er merkte, dass sie mit ihrem Fischschwanz nur Trippelschritte machen konnte. Dann hob er sie vor sich aufs Fahrrad und fuhr mit ihr zwei Straßen weiter zu ihrer Wohnung. Der laue Sommerwind löste ihre Haare vom Nacken und brachte angenehme Abkühlung. Sie hielt sich mit einer Hand am Lenker fest und schlang die andere um seinen Oberkörper. Mehrmals wären sie fast umgekippt und ihr Lachen hallte durch die leeren Straßen des Stuttgarter Westens.
Nachdem er sie in ihre Wohnung getragen hatte, lief es anders, als sie sich einen One-Night-Stand vorgestellt hatte: Statt sich hastig auszuziehen, hatte Karlo sie in den Arm genommen, gedankenverloren mit ihren Haaren gespielt und sie dann quälend langsam aus dem Kostüm geschält. Was dann folgte, ließ sie jetzt noch erröten.
Sie beobachtete Karlo. Seine Gesichtszüge waren entspannter als am Abend zuvor. Der Anker klebte noch immer unversehrt auf seinem Oberarm. Sie streichelte vorsichtig darüber und erschrak: Das Ding war echt! Hatte sie Paula nicht erst gestern erzählt, ein Tattoo wäre für sie ein No-Go bei der Männerwahl? Sei’s drum, es war ja nur ein ganz kleiner Anker.
Und nun? Marie hatte keine Ahnung, was die One-Night-Stand-Etikette jetzt von ihr verlangte. Kuscheln am Morgen? Gemeinsames Frühstück? Oder sollte sie ihm die Möglichkeit geben, unauffällig zu verschwinden? Gestern hatte ihr Sicherheitsbedürfnis dafür gesorgt, dass sie zu ihr nach Hause gegangen waren. Jetzt wusste sie nicht, wie lange sie die Gastgeberin zu spielen hatte.
Marie entschied, beim Zähneputzen in Ruhe darüber nachzudenken und rutschte vorsichtig unter der Decke hervor.

Karlo erwachte, als Marie gerade aus dem Bett stieg, und blickte ihr verschlafen hinterher. Die rote Mähne kringelte sich über ihren Rücken und bildete einen reizvollen Kontrast zur hellen Haut. Ihr Hintern wiegte sich im Rhythmus der Schritte. Noch vor wenigen Stunden hatte er die vollen Rundungen unter seinen Händen gespürt. Was für eine Nacht! Damit hatte er nicht gerechnet. Sonst blieb er nie bis zum Morgen, doch dieses Mal war er tatsächlich eingeschlafen. Auch jetzt verspürte er kein Bedürfnis abzuhauen. Er wollte Marie wieder zurück ins Bett ziehen, aber sie schien andere Pläne zu haben und verschwand aus dem Zimmer. Er beschloss, erst einmal abzuwarten. Vielleicht kehrte sie gleich zurück.
Zehn Minuten später öffnete Marie vorsichtig die Tür. Sie war in einen weißen Frottee-Bademantel gehüllt. „Guten Morgen. Kaffee ist gleich fertig. Willst du kurz ins Bad?“
Noch lieber wollte Karlo sie aus ihrem Bademantel schälen. Er schlug die Bettdecke zurück, stand auf und ging langsam auf sie zu. Er spürte, wie ihr Blick seinen nackten Körper hinunterglitt, bevor sie verlegen auf den Boden schaute. Karlo fasste nach ihrer Taille, zog sie an sich und platzierte einen Kuss auf ihren Mund.
Sie sah ihn überrascht an, wich einen Schritt zurück und wies mit einer Hand auf die Tür am Ende des Flurs. „Dort ist das Badezimmer.“
Karlo musste über ihre Schüchternheit schmunzeln. Letzte Nacht war davon nichts zu spüren gewesen. Vielleicht würde sie beim Frühstück etwas auftauen.
Er ging ins Bad und stieg unter die Dusche. Während das Wasser über seinen Körper rann, hörte er ein Kratzen an der Tür und das Quietschen der Klinke. Hatte es sich Marie anders überlegt?
Karlo wartete, doch nichts passierte. Er spähte hinter dem Duschvorhang hervor: Kalte Luft wehte durch den offenen Türspalt herein. Zu sehen war niemand. Dann hörte er ein leises Schnurren direkt vor sich und blickte nach unten.
Auf dem Vorleger saß eine schwarze Katze, die ihn erwartungsvoll anblickte.
„Was machst du denn hier?“ Karlo stieg aus der Dusche, trocknete sich ab und knotete das Handtuch um die Hüften.
Die Katze schlich um seine Beine und schnurrte lauter.
Plötzlich steckte Marie ihren Kopf durch die Badezimmertür. „Ist Simba vielleicht hier? Sie kann dummerweise Türen öffnen.“
Als sie ihre Katze erblickte, eilte sie auf Karlo zu. „Tut mir leid, ich hoffe, sie hat dich nicht verletzt.“
„Meinst du nicht, dass ich mit einem schwarzen Wollknäuel fertig werde?“ Karlo nahm die Katze auf den Arm.
Marie starrte mit großen Augen auf Simba, die genießerisch ihren Hals reckte. „Das verstehe ich nicht. Sonst faucht sie jeden männlichen Besucher an und bei dir schnurrt sie und verschmäht sogar ihr Frühstück. Wie hast du denn das gemacht?“
„Frauen zum Schnurren bringen?“ Karlo zog eine Augenbraue hoch und lächelte anzüglich.
„Oh, bitte! Verschon mich damit!“ Marie griff eines der Handtücher und warf es lachend in seine Richtung.
Auf so eine Aufforderung hatte Karlo nur gewartet. Er zog sein Handtuch von der Hüfte und machte einen Schritt auf sie zu. „Bist du sicher, dass ich dich verschonen soll?“

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Mehr über und von Kerstin Böhm & Ulrike Wronski auf ihrer Website zum Buch.

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