3. April 2014

"7ter Himmel oder so" von Ina da Sasso

Liebesroman rund um die Suche "Bauer sucht Frau". Ida ist 28 und verliert zugunsten einer langweiligen Schnepfe ihren Job als Gemeindesekretärin. Kurz darauf heuert sie als Heiratsvermittlerin in der Agentur 7. Himmel an. Ihr Leben wird bunt und aufregend, sie erfährt die intimsten Wünsche und Geheimnisse nicht mehr aus irgendwelchen Liebesromanen, sondern live von ihren Klienten. Als pfiffiges Mädchen hat sie sich auf die Vermittlung von Jungbauern in ihrem Dorf spezialisiert.

Alles dreht sich nur mehr um Liebe und Leidenschaft. Außer in ihrem eigenen Privatleben, für das sie immer weniger Zeit hat, obwohl sie merkt, dass mit ihrem Freund Roland etwas nicht stimmt.

Gleich lesen: "7ter Himmel oder so" von Ina da Sasso

Leseprobe:
Herrlich! Ach es gibt kaum Schöneres! 100. 110. 120 ... – die Straße gehört mir allein. Kurve links, Kurve rechts. Die Sonne scheint. Meine Haare wehen im Wind! Aber Hallo! Eigentlich hab ich gar keinen Grund so glücklich mit dem Motorrad dahinzubrausen.
Egal. Ich bin eben der Typ, der den Augenblick genießt. Und genau das mache ich jetzt, obwohl ich seit gestern arbeitslos bin. Vor lauter Wut, dass mir der Bürgermeister den Weisel gegeben hat – mir, der Mitarbeiterin des Jahres! – bin ich einfach davon gestürmt. Das hab ich jetzt davon: Ich muss noch einmal zurück in mein Büro und meinen Schreibtisch räumen, der ja gar nicht mehr meiner ist. Am liebsten würde ich da gar nicht mehr hin gehen. Die Blicke der Kollegen – nein danke! Aber was hilft es, da muss ich noch einmal durch, allein schon wegen meiner Harley Davidson Füllfeder, die ich von Roland zu unserem fünften Jahrestag bekommen habe.
Also stelle ich mein Bike vor dem altehrwürdigen Gemeindeamt ab, nehme meine Ledertasche aus dem Schalenkoffer und los geht es: Vorbei an der verblüfften Nanni, die wie immer eifrig das Foyer wischt und die sich wahrscheinlich wundert, dass ich sie nicht gegrüßt habe. Aber wenn ich jetzt nur einen Piep sagen muss, dann fließen wahrscheinlich die Tränen wie Sturzbäche über meine Wangen.
So eine Schweinerei! Ich muss gehen, weil ich jung, ungebunden und ohne Verantwortlichkeiten bin. Die Marie darf bleiben, weil sie zwei Kinder und einen Mann hat. Der Anton, ihr Mann, bringt als Techniker ein gutes Gehalt heim und auf die Kinder schaut großteils die Omi, die im selben Haus wohnt. Es gibt also überhaupt keinen Grund die tranige Schnepfe, die ständig am Rauchen, Kaffee trinken und Computerspielen ist, mir vorzuziehen. Unrecht ist der Welten Lohn, das wusste Vater – wie hieß der gleich? – schon.
Mit energischen Handgriffen kippe ich den Inhalt meiner Stiftbox in die Tasche, das Bild meiner Eltern im letzten Urlaub mit Roland und mir, mein Fremdwörter- und mein Rechtschreiblexikon. – Alles ab in die Tasche. Die Bücher hab ich mir schließlich in einem Anflug von Wer-perfekt-sein-will-schaut-lieber-einmal-zuviel-als-zu-wenig-nach-Perfektionismus selbst gekauft. Soll diese Arbeit raubende Tussi Marie doch schauen wo sie ihr Deutsch jetzt aufbessern kann. Schluss mit: „Ach, Ida – Schätzchen, kannst du das mal kurz überfliegen, ich bin heute so durch den Wind.“ Der Flirt mit dem Bürgermeister wird ihr dabei auch kaum helfen, denn der verlässt sich ja auf uns – das heißt ab sofort allein auf Marie, die bei Asterix sicher den klangvollen Namen „Germanokannnix“ bekommen würde. Aber was soll ich darüber jetzt nachgrübeln, bringt nichts außer Falten, würde meine Oma sagen. Sollen die doch sehen, wo sie ohne meine Wenigkeit bleiben. Ich werde schon etwas Neues finden, etwas Aufregendes, Herausforderndes. Ja. Außerdem tut mir ein bisschen Urlaub sowieso ganz gut. Vielleicht fahr ich einfach ein paar Tage ans Meer. Nur träumen: Von besseren Zeiten und neuen Abenteuern. Vielleicht geh ich im Herbst auch noch einmal zur Uni und mach mein Diplomstudium fertig. Warum nicht? Frau Magistra Ida Wald! Würde ganz gut klingen. Na ja, mal sehen.
So. Fertig. Gott sei Dank hat Marie pünktlich ihren Schreibtisch verlassen, wie ein sinkendes Schiff. Ihr falsches Mitleid hätte mir zu meinem Unglück gerade noch gefehlt. Die Laden sind leer, der Tisch blitz-blank. Was mache ich mit meinem schönen Philodendron? Und mit der Wasserlilienzucht? Egal. Lass ich am Besten hier. Den Transport am Motorrad würden die Pflanzen kaum überleben. Und außerdem bleiben sie als Mahnwächter an Ida Wald da, an die tüchtige Gemeindesekretärin – Scherzchen am Rande muss ja auch einmal sein, und wenn es auf meine eigenen Kosten ist, ha. Hört ja Keiner. Vermissen sollen sie mich, jawohl! Aber das ist ja oft so, dass man etwas oder jemanden erst schätzt, wenn man ihn los ist.
Was habe ich mich immer über meinen großen Bruder geärgert, der immer alles besser zu wissen glaubte, eventuell in Frage kommende zukünftige Lover in die Flucht schlug und meine Freundinnen im Gegenzug angebaggert hat. Als er auszog, fehlte er mich plötzlich so, dass ich ihn eine Zeit lang einmal pro Woche besucht habe. Richtig zwanghaft war das damals. Das hat sich aber gelegt, mit der Zeit.
Also: Meinen wunderschönen, riesengroßen Philo nun doch mitnehmen? Ach was. Ah. Da ist ja noch mein Aschenbecher. Obwohl ich gar nicht rauche, habe ich das hässliche schwarze Ding mit graviertem Sockel „Mitarbeiterin des Jahres“ vom Chef überreicht bekommen. Der soll niemandes Auge mehr beleidigen, am Flohmarkt ist der sicher auch unverkäuflich. Ab in den Müll damit.
„Halt. Nein, den hast du doch zum Fünf-Jahres-Jubiläum bekommen, Mädel! Den kannst du doch nicht wegschmeißen!“ - Der Bürgermeister, wie er leibt und lebt. Nicht zum Fünf-Jahres-Jubiläum!
„Ach, nein?“ Ich halte ihm das gute, beziehungsweise schlechte Stück entgegen.
„Danke?! Aber ... Na gut. Du rauchst ja nicht, gell? Das hat meine Frau, die Gerti nicht gewusst. Damals. Ähm, ja. Ähm. Dein Maschinen-Geknatter wird mir abgehen. Aber du weißt ja ... wir müssen ...“
„Ja. ...Sparen. Ich weiß,“ entgegne ich knapp und im heuchelnd verständnisvoll. Was für eine breite Schleimspur! Warum tu ich das? Ich verstehe nämlich nicht! Überhaupt nicht! Ganz und gar nicht verstehe ich, warum ich gehen muss und nicht die intelligenzfreie Marie! – Hoppla, hab ich das jetzt laut gesagt?
„Ja, schau. Mädel! Das geht ja nicht gegen dich. Nicht gegen deine Arbeit.“
„So, so. Nicht gegen mich? Interessant. Und warum fühl ich mich wie weg geworfen,“ frage ich mit einer ordentlichen Portion Tabasco in der Stimme. Da zuckt der doch wirklich einfach nur mit seinen breiten Schultern, die so überhaupt nicht zum Anlehnen taugen und wendet sich ab.
„Du findest schon was. Du bist jung. Kannst gehen, wohin du willst. Bist ungebunden“, meint er hilflos, der Arme.
„Aber die Marie kann bleiben. Obwohl sie ewig braucht, bis sie die Einschalttaste beim Computer findet.“ Den auf andere Qualitäten schielenden Mann interessiert mein Einwand wenig.
Schon wieder steigen mir die Tränen auf. Mist. Schon als Kind war ich bekannt dafür, dass ich nahe am Wasser gebaut bin. Ich hasse diesen Ausdruck. Mein Staudamm bricht eben von Zeit zu Zeit. Keine Ahnung, woher das schlechte Baumaterial dafür kommt. Ich habe meine Arbeit geliebt. Jeden Tag war irgendetwas Neues los. Konnte man irgendjemandem helfen, spürte die Dankbarkeit. Am Abend war ich dann zufrieden und gut drauf. So eine Arbeit gibt dem Leben einen Sinn. Vor allem auch, wenn der Roland so wenig Zeit hat. Familie oder auch nur eine vage Planung in diese Richtung, daran ist mit ihm überhaupt nicht zu denken, geschweige denn zu reden!
Kinder sind toll, hinreißend, lustig, superwitzig und der absolute Hit – solange es keine eigenen sind und sie jederzeit an die fachkundigen Eltern zurückgegeben werden können, sobald sie quengeln, schreien oder sich übergeben müssen. Das ist Rolands Einstellung zu Nachwuchs. Somit ist klar, das Thema ist heikel und ich hüte mich, meinen Kinderwunsch noch einmal mit Nachdruck zu deponieren. Die biologische Uhr gibt mir ja zum Glück noch einigermaßen Zeit. Nächste Woche werde ich achtundzwanzig.

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