16. Mai 2014

"Ein Mord geht immer: kurz und schmerzfrei" von Karin Büchel

24 Kurzkrimis. Ein Mord geht immer. Kurz und schmerzfrei muss er sein, fesselnd und trotzdem mit einer gewissen Portion Humor gespickt. Eine Sammlung mörderischer Kurzgeschichten vereinen sich in diesem Buch - mal zum Lachen, mal zum Weinen, zum Fürchten und zum Nachdenken bilden sie ein Gesamtbild, in dessen Fokus die Schattenseiten und verborgenen Wünsche von uns Lesern zum Vorschein kommen.

Steckt nicht ein bisschen Mordlust in jedem von uns? Ein kleiner Giftmord mit Cashewnüssen am Abend, ein unbeabsichtigt freier Fall aus enormer Höhe oder ein Golfball, der zum plötzlichen Tod führt. In jeder einzelnen Geschichte sprühen Spannung, Mystik, Überraschung, Ironie: So wie das Leben ist.

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Leseprobe aus "Endlich":
Es klingelte. Laut und schrill.
Konnte nur der Postbote sein, die haben nie Zeit, schoss es mir durch den Kopf.
Muss warten, bis ich wenigstens das nötigste angezogen hatte. Wollte keinen zu so früher Stunde schocken.
Muss einfach nicht sein.
Dabei hatte ich einen Astralkörper, wie aus dem Bilderbuch. Nur jetzt gerade zu wenig an, um die Tür zu öffnen. Meine Haare hingen mir ins Gesicht und der Zahnpastaschaum quoll mir weißlich aus dem Mund. Zähne wollten gepflegt sein. Darauf achten besonders Frauen. Das weiß ich aus Erfahrung. Sie gucken dir als erstes in den Mund. Nicht so direkt, sondern ganz beiläufig. Frauen sind da raffiniert. Und wenn du dann ein Spinatblatt zwischen den Zähnen hast oder dein Atem nach Whisky riecht, hast du schon verloren. Ich spuckte also kurzerhand ins Waschbecken, riss den Morgenmantel vom Haken und schlurfte zur Tür.
Wieder dieses penetrante Schellen. Laut und störend.
Dem Postboten werde ich den Marsch blasen. Warte ab, mein Freund.
Ich öffnete mit meinem grimmigsten Gesichtsausdruck, den ich so gerade auf Lager hatte und wollte gerade zu einem Wortschwall ansetzten, da sehe ich sie: Jung, dynamisch, sympathisch und wunderschön. So stand sie vor meiner Tür.
Damit hatte ich ja nun gar nicht gerechnet.
„Sie müssen mir helfen. Hier im Haus scheint keiner anderer zu hause zu sein. Ich habe ein Problem mit dem Strom. Irgendetwas stimmt nicht und ich habe wahnsinnige Angst vor allem Elektrischen. Ich wohne eine Etage über Ihnen. Können sie mal kurz mitkommen? Nur gucken, ob nichts passieren kann. Bitte!“
Ich schaute in zwei katzengrüne Augen, die anscheinend wirklich Angst zu haben schienen.
„Bin nicht ausgehfertig. Müsste etwas anziehen.“
„Brauchen sie nicht.“ Sie versuchte ein krampfhaftes Lächeln. „Kommen sie. Schnell!“
Na gut. Ich rannte in meinen blauen Plastikschlappen hinter ihr her, hielt den Morgenmantel mit einer Hand zu, da der Gürtel irgendwie nicht dran war und erreichte ihre Wohnung, in die sie schnell hinein lief.
Weg war sie.
„Hallo?“
„Hallooo?“ Ich ging den kleinen Flur entlang in die Küche, deren Tür weit geöffnet war.
Von da an weiß ich nichts mehr.
Schwarzes Loch.
Leere.
Blackout, um einen Fachbegriff aus der Psychologie zu nehmen.

Im Kindle-Shop: Ein Mord geht immer: kurz und schmerzfrei

Mehr über und von Karin Büchel auf ihrer Website.

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