30. Mai 2014

"Juli.Mord.: Sylt-Krimi" von Bodo Manstein

Am Westerländer Strand wird eine junge Frau tot aufgefunden. Robert Benning, Inselmaler und freier Journalist, erhält den Auftrag über den Fall zu berichten. Zusammen mit seinem Freund, Hauptkommissar Hinrichs, stößt er schon bald auf weitere ungeklärte Mordfälle in Norddeutschland. - Sind sie etwa einem Serienmörder auf die Spur gekommen?

Dann erhält Benning eine Nachricht aus der Vergangenheit, die auf merkwürdige Weise mit den Morden in Verbindung zu stehen scheint. Und auf einmal bekommt der Fall eine bedrohliche Nähe. Benning steht plötzlich inmitten einer tödlichen Geschichte, über die er eigentlich nur berichten wollte.

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Leseprobe:
So, habt ihr sie also gefunden! Aufmerksam las der mittelgroße Mann, der sich lässig auf einen Stehtisch vor der Arko-Filiale stützte, über einen Mord am Sylter Weststrand. '...Wie die Polizei mitteilte, wurde am frühen Sonntagmorgen eine junge Frau in Höhe der Nordseeklinik tot am Strand aufgefunden. Nach ersten Ermittlungen wurde die Tote, deren Identität bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt war, offensichtlich ermordet. Als Todeszeitpunkt wird derzeit von einem Zeitraum zwischen Samstagabend, 23 Uhr und Sonntagmorgen 1 Uhr ausgegangen.'
»Ziemlich dicht dran«, bemerkte der sportlich gekleidete Anfangfünfziger leise. Mit einem wissenden Lächeln schielte er zu einem älteren Ehepaar am Nachbartisch, das sich mit rheinischem Dialekt lautstark über die ihrer Meinung nach in diesem Jahr mal wieder viel zu hohe Kurtaxe unterhielt.
'... Sachdienliche Hinweise nimmt die Polizei Westerland oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.' Sichtlich amüsiert legte der Mann die an einem hölzernen Zeitungshalter befestigte Gazette vor sich auf den Tisch und schaute mit überheblichem Blick in die Runde. Doch niemand nahm Notiz von ihm.
Eure Suche nach Hinweisen könnt ihr euch sparen, dachte er. Bisher habt ihr mich nicht gekriegt und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Er war eben einfach zu clever. Was sollte man auch sonst von jemandem erwarten, der in den letzten zwanzig Jahren nach eigenem Gusto über Leben und Tod entschieden hatte? So wie gestern. Doreen hatte jemanden gesucht, der ihr die große weite Welt der Reichen und Schönen zeigen würde. Und zu ihrem Glück hatte sie ihn gefunden. Es musste doch ein Glück sein, für einen, wenn auch nur kurzen Moment, diesen Traum leben dürfen.
Oh, wie hatte sie diesen Abend genossen: Champagner in Kampen, danach edle Köstlichkeiten in der Sansibar. Versonnen blickte er vor sich hin. Und wenn es am schönsten ist, dachte er, soll man ja bekanntlich gehen. Und Doreen war gegangen. Mit seiner Hilfe. Gegangen in eine Welt ohne Enttäuschungen und ohne falsche Illusionen. Doreens selbst ernannter Erlöser richtete sich auf und genoss dieses, wie er persönlich fand, viel zu seltene Gefühl der Überlegenheit und Stärke. All die ganzen Durchschnittsbürger, in ihren geschmacklosen Hawaihemden, mit billigen Strohhüten und Plagiaten teurer Sonnenbrillen auf der Nase, die sich direkt vor ihm die Friedrichsstraße in Richtung Strand schoben, lösten in ihm Ekel und tiefste Verachtung aus. Immer auf der Suche nach dem ultimativen Urlaubskick zertrampelten sie Jahr für Jahr die spärlichen Reste norddeutscher Kultur. Die Steigerung waren im Grunde nur noch alkoholgefüllte Plastikeimer, aus denen meterlange Strohhalme ragten ...
Er warf einen Blick auf seine Uhr und stand auf. Den Zehneuroschein, den er auf den Tisch legte, war, wie er fand, auch für Sylter Verhältnisse einem Cappuccino einschließlich Trinkgeld angemessen. Der Mann schlenderte in die Mitte der Westerländer Fußgängerzone, wo er wie ein Fels in der Brandung stehen blieb. Ein Pulk von Tagestouristen, die soeben mit dem Zug aus Hamburg eingetroffen sein mussten, zog eilig an ihm vorbei.

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