18. Mai 2014

'Herzensfreunde' von Lena Paul

Die Liebe – ein allgegenwärtiges, großes Thema. Auch die Liebe auf den ersten Blick ist ein oft thematisiertes Ereignis und viele Menschen fragen sich: Gibt es sie wirklich? „Herzensfreunde“ erzählt auf humorvolle Art die Geschichte der jungen Carolin, die mit einem Job bei einer Tageszeitung ihr Geld verdient. Eines Tages lernt sie in einem Wellness-Urlaub Mark kennen und ist vom ersten Augenblick an fasziniert von ihm. Er wird schnell zu ihrem besten Freund, mehr noch: Carolin verliebt sich in ihn. Doch wer denkt, damit wäre das Ende der Geschichte bereits besiegelt, der irrt. Denn es vergehen Jahre, bis beide endlich zusammenfinden.

Für Carolin ist früh klar, dass Mark ihr Traummann ist. Doch Mark, der liiert und ziemlich irritiert über die Tatsache ist, dass sich eine junge, hübsche Frau für ihn interessiert, obwohl er zehn Jahre älter als sie ist und nach eigener Auskunft auch noch mit zahlreichen Macken bepackt, lässt sie lange Zeit zappeln. Carolin versucht es in der Zwischenzeit mit anderen Männern, scheitert aber immer wieder. Entweder weist der jeweilige Verehrer keine guten Manieren auf, oder er sucht nur eine platonische Freundin beziehungsweise mag seine Hobbys mehr als sie. Zudem vergleicht Carolin jedes Mal ihre Freunde mit Mark, dem einen Mann, dem scheinbar keiner das Wasser reichen kann ...

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Leseprobe:
In ihre Cosmolita vertieft saß Carolin auf der Terrasse des Restaurants und wartete auf das leckere Gratin, dass sie kurz zuvor bestellt hatte. Sie ließ ihren Blick dabei kurz durch den Raum schweifen, in dem sich gerade viele der Hotelgäste einfanden, um ebenfalls zu Mittag zu essen.
Plötzlich, wie aus heiterem Himmel, durchzuckte Carolin ein Blitz, der ihr durch Mark und Bein ging. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie sich vehement gegen etwas wehren, schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen und öffnete sie dann ganz vorsichtig wieder.
NEIN, sie hatte sich nicht getäuscht. Inmitten einer Menschenmenge hatte sie soeben die schönsten blauen Augen des Universums entdeckt. Leuchtende, vor Fröhlichkeit strahlende Augen, die sie sofort in ihren Bann zogen. Die Menge lichtete sich und im nächsten Augenblick wusste Carolin: Das ist er!
Sie war wirklich wie vom Blitz getroffen. Keine zwanzig Meter von ihr entfernt hatte Carolins Traummann den Raum betreten und von jetzt auf gleich gab es nichts mehr, das wichtiger war als dieser Mann.
Warum, weshalb, wieso? Carolin hatte keine Ahnung. Sie sah ihn und wusste, dass dieser Mann ihr Mann war. Der eine, auf den sie schon so lange gewartet hatte und den sie ein Leben lang lieben würde. Derjenige, der für sie bestimmt war. Sie war sich einfach sicher, auch wenn sie noch kein einziges Wort mit ihm gewechselt, keinen noch so kleinen Blick oder ein Lächeln mit ihm getauscht hatte.
„Das ist mein Traummann!“, war der erste und einzige Gedanke, der Carolin bei seinem Anblick durch den Kopf ging.
Fortan konnte sie nicht anders, als ihn immer und immer wieder anzusehen. Ihr Herz stolperte vor Aufregung und machte Luftsprünge, als er sich an einem Tisch in ihrer Nähe niederließ und ein Wasser bestellte. Seine Stimme war klar, ruhig und sanft. Stundenlang hätte er weiterreden können, hätte die Speisekarte von oben nach unten und zurück vorlesen oder über Gott und die Welt philosophieren können, wenn er nur nie wieder damit aufhörte.
Während der letzten Tage hatte sich der Stresspegel in Carolin gelegt, sie war ruhig geworden und hatte sich entspannt. Doch die Ruhe, die sich jetzt in ihr breitmachte, war ihr bis dahin völlig fremd. Der schöne Fremde beruhigte allein mit seiner Stimme ihr aufgekratztes, nervöses Seelenleben, ohne dass er die leiseste Ahnung davon hatte. Er plauderte mit dem Kellner darüber, dass er gerade erst eingetroffen war und fragte ihn nach seiner Empfehlung für das Mittagessen. Er war offenkundig ein Mann mit Manieren, soweit man das nach ein paar Minuten aus der Ferne beurteilen konnte.
Carolin versteckte sich hinter ihrer Zeitung und betrachtete ihn über die Gläser ihrer Sonnenbrille hinweg verstohlen aber eingehend. Wie eine Detektivin saß sie da und hoffte, dass nur niemand ihr merkwürdiges Treiben beobachtete.
Der Unbekannte war groß, hatte eine stattliche Figur (nicht zu dünn, nicht zu dick, ein paar Muskeln, hübsches Hinterteil, starke Oberarme und Brust), sein Haar war grau meliert, die Gesichtszüge sanft und freundlich.
„Kein störender Bart, keine ungepflegten Hände, gute Schuhe und Kleidung. Perfekt!“, stellte Carolin fest. Nun musste sie nur noch mit diesem Wundermann in Kontakt kommen.
Aber wie?
„Bitte, sieh mich! Ich bin hier, dreh dich doch mal um! Bitte, bitte, schenk mir nur ein Lächeln!“, bettelte Carolin in ihrem Innersten.
Und tatsächlich: Im nächsten Moment sah „Mr. Du-verzauberst-mich“ Carolin direkt in die Augen und lächelte ihr freundlich entgegen. So herzergreifend, unverschämt frech und gleichzeitig bezaubernd, dass Carolin sich gerade noch beherrschen konnte, nicht das Sabbern anzufangen. Stattdessen verschluckte sie sich an ihrem Fruchtcocktail und konnte sich nur mit Müh und Not das Husten verkneifen.
Mutig lächelte sie zurück.
„Diese Augen, der Hammer! Wie kann ein Mann nur so unverschämt gut aussehen und so lächeln? Wer bist du, dass du einfach nur zur Tür hineinkommst und schon gehört dir mein Herz?“, fragte Carolin sich selbst, bemüht, nicht ständig in seine Richtung zu sehen.
Sie hatte nie an Liebe auf den ersten Blick geglaubt, doch gerade war sie eines Besseren belehrt worden. Nun wusste sie, dass dieses Gefühl, das in unzähligen Kinofilmen zum Thema gemacht und in noch mehr Liedern interpretiert worden war, kein Mythos, sondern Wirklichkeit war. Ihr Herz, ihr Verstand, ihr ganzer Körper sagte ihr, dass dieser Mann einfach der Richtige für sie war. Dass mit ihm ihr Traummann in ihr Leben getreten und eben dieser Mann ihr Schicksal war. Warum, das konnte sich Carolin selbst nicht erklären. Aber wer brauchte schon Erklärungen, wenn das größte und mächtigste Gefühl der Welt plötzlich über einen hereinbrach?
Die Liebe hatte in ihr Leben Einzug gehalten. Musste sie sich also wirklich noch fragen, ob das Liebe war? Nein, das musste sie nicht, denn sie wusste es. Sie spürte es mit jeder Faser ihres Körpers und nun verstand sie auch, was ein Autor in einer ihrer Frauenzeitschriften gemeint hatte, als er schrieb, dass man Liebe daran erkennt, nicht mehr danach fragen zu müssen, ob es überhaupt Liebe ist.

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