10. Juli 2014

"Wer bin ich? Fabelhaft anders" von Andrea Spreitzer und Ludwig Sinzinger

Es ziehen düstere Wolken auf. Die Fabelwelt gerät unter Druck. Diese Fabel verweist auf die Identitätsfrage und wie man den Weg zum eigentlichen Ich verstellt bekommt, beziehungsweise selbst mit emotionalen Barrikaden versperrt. Natürlich werden Ihnen auch Wege zum Ich gezeigt und welche Risiken Sie dabei eingehen müssen. Des Weiteren wird das Thema Angst recht abenteuerlich unter die Lupe genommen.

Erfahren können Sie auch, wie die Last der persönlichen Vergangenheit ertragbar werden kann. Das Geheimnis der Menschwerdung wird angetastet und Bestandteil einer Odyssee sein. Lassen Sie sich von einem Orakel vereinnahmen.

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Leseprobe:
Es war eine der Nächte, die ich, Ereg Flieger, ziemlich schlaflos verbrachte. Ich wälzte mich unruhig in meinem Bett umher und versuchte die Ruhe zu finden, welche mich friedlich einschlafen lassen würde. Die richtige Bettschwere war mir nicht vergönnt. Mich peinigte ein Gedanke, wieder und immer wieder. Ich konnte diesen Gedanken nicht geistig fassen und fixieren. Er geisterte diffus durch meinen Kopf. Im Ergebnis dessen erging an mich keine Aufforderung oder Botschaft. Nein im Gegenteil, es fanden lediglich negativ ausgerichtete und impulsartig verlaufende Reizanflutungen statt. Gedankensplitter mit der Wirkung von kleineren Elektroschocks. Immer dann, wenn mich ein derartiger Gedankenblitz traf, saß ich aufrecht im Bett, schaute verdutzt in die Dunkelheit und wusste nicht, was geschehen war. Um diesem Wahnsinn zu entgehen, begab ich mich, nur mit einem Schlafanzug bekleidet, auf die Terrasse. Der Tag begann bereits zu erwachen, was durch das lautstarke Vogelgezwitscher signalisiert wurde, obwohl es noch vollkommen dunkel war. Plötzlich bemerkte ich ein Licht, welches tänzelnd auf mich zuflog. Was sollte das sein? Noch konnte ich nichts erkennen. War das eventuell lediglich ein Traum, welcher mich trotz Schlaflosigkeit dennoch in seinen Bann zog und mich beherrschte? Unterlag ich einer mir unbekannten Form der Magie, welche mich selbst in einem wachen Stadium zu erfassen verstand? Oder befand ich mich in einem Traum, der genau so ablief, wie ich mich verhielt und in dem ich scheinbar wach war? Nein, das konnte nicht sein, denn es begann zu regnen und ich war wirklich nass und zu frieren begann ich auch. Aber Beweise waren das nicht, denn derartiges kann man auch im Traum erleben.
Wieso hatte ich mich gedanklich und emotional so verlaufen und weshalb funktionierten meine Sinne nicht, wie ich es wollte? Weshalb hatte ich mich nicht unter Kontrolle. Wem oder Was entspreche ich?
Das Licht? Das Licht taumelte zwar immer noch in der Luft, näherte sich mir aber nicht mehr. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich von diesem Licht angezogen. Neugierig und unbedarft wie ein Kind, begab ich mich aus dem Haus, um mich dem Licht nähern zu können.
Natürlich hatte ich mir ein paar Schuhe und einen Morgenmantel angezogen. Das Licht verstärkte seine Wirkung und zog mich noch intensiver in seinen Bann. Ich bewegte mich wie hypnotisiert auf dieses Licht zu. Als ich näher kam bemerkte ich, dass das Licht grün, wunderschön grün gefärbt war und in sich rotierte. Es war gewissermaßen ein Lichtball. Instinktiv begann ich nach dem Licht zu greifen, da ich unmittelbar in dessen Nähe war. Das Licht ließ sich aber nicht fangen und bewegte sich von mir weg. Nicht schnell, aber so, dass auch ich mich in Bewegung setzen musste, wollte ich es nicht verlieren. Ich merkte, wie mich das Licht zu führen begann. Meine Schritte wurden merkwürdig leicht, was wohl daran lag, dass ich inzwischen auf dem Nebel umher schritt und ich mich eher schwebend fortbewegte. Meine Bewegungen empfand ich mühelos, aber sehr effizient, da das Licht ein recht beachtliches Tempo vorlegte.
Aber weshalb befand ich mich in einer derartigen Situation? Ich war dabei mich immer mehr von mir selbst zu entfernen. Warum? Hatte das etwas mit dem Licht zu tun? Natürlich, was denn sonst …
Jetzt besann ich mich und rief dem Licht zu: „Was soll das werden? Wenn ich nicht gleich erfahre, was mit mir passiert, dann …“
„Was wird dann geschehen?“ Entgegnete mir eine warmherzige und anmutige Stimme. Die Stimme war so wohlklingend, dass sie nur einer sehr faszinierenden Persönlichkeit gehören konnte. Im Nu waren meine aggressiven Intentionen wie weggeblasen. „Ich meine ja nur, dann gehe ich keinen Schritt mehr weiter. Ich habe ein Recht darauf zu erfahren, was mit mir passieren soll. Oder befinde ich mich in einem Traum-Kidnapping?“
Das Licht entgegnete: „Nein, das bist du nicht, aber ich muss mir bezüglich deiner absoluten Aufmerksamkeit sicher sein. Deshalb der kleine Ausflug. Wir dürften hier übrigens ungestört sein, weshalb ich dir jetzt sagen kann, woran mir gelegen ist.
Schon in absehbarer Zeit wirst du, Flieger, sowie dein Freund und Geschäftspartner Schmidling größeren Bewährungsproben ausgesetzt werden. Ihr werdet, wenn ihr weise agiert, ein Geheimnis entdecken und für euch zu nutzen wissen. Eventuell geht es auch etwas abenteuerlich zu. Auf alle Fälle werdet Ihr ein etwas anderes Leben zu meistern haben. Merke dir Flieger: Von ausschlaggebender Bedeutung werden eure ethisch-moralischen Kompetenzen sein… Vergiss das bitte nie!“

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Mehr über und von Andrea Spreitzer und Ludwig Sinzinger auf ihrer Website.

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