30. Juli 2014

"Linstows Geheimnis" von Isa Schikorsky

Göhren auf Rügen: Mitte März beginnt für die Empfangssekretärin Anna Schwanitz die vierte Saison im Seehotel. Sie ist glücklich, denn im Mai wird sie den Direktionsassistenten Frank Pannwitt heiraten und mit ihm die Leitung des Hotels übernehmen. Der Mord an einer jungen Frau, die Gast des Hotels war, scheint diese Pläne nicht zu gefährden. Doch dann erfährt Anna, dass der Übernahmevertrag für das Hotel geplatzt ist, weil Frank die Abstandssumme nicht gezahlt hat – sein Konto ist leer. Schließlich geraten er und andere Angestellte ins Fadenkreuz der polizeilichen Ermittlungen. Und Anna wird immer mehr zur Detektivin wider Willen ...

„Linstows Geheimnis“ empfiehlt sich als ideale Urlaubs- und Strandkorblektüre. Der mit einer Liebesgeschichte gemixte Rügenkrimi hat eine sympathische Hotelangestellte als Ermittlerin, bietet viel Lokalkolorit und macht sicher all denen besonderen Spaß, die guten Wein, leckeres Essen und die Ostsee lieben.

Gleich lesen: Linstows Geheimnis. Kriminalroman

Leseprobe:
Das Wetter hatte schon wieder gewechselt. Der Wind trieb Regen vor sich her, der den Schnee zum Schmelzen brachte. Das Meer rauschte schäumend über die Steine. Doch in Annas Kopf schien die Sonne. Glenn Millers Swing kribbelte noch in den Beinen und machte das Laufen leicht. Im Kopf fuhr ein einziger Gedanke Karussell: Er liebt mich, er liebt mich, er liebt mich.
Die Konturen des Lobber Hakens verschwammen hinter einem Regenschleier. Beim Näherkommen bemerkte Anna einen roten Fleck im Abbruch. Was mochte das sein? Auf jeden Fall etwas, das gestern noch nicht dort gelegen hatte. Oder vom Schnee verdeckt worden war. Genau dort war die Erdpyramide zusammengestürzt.
Anna behielt das Rot im Blick. Irgendwann begann eine Alarmglocke tonlos zu schrillen, ließ den Swing verstummen, stoppte den kreiselnden Gedanken und signalisierte stattdessen – ja, was eigentlich? Unruhe? Angst? Plastikschrott könnte es sein ... eine leere Coladose ... Warum kam sie nur so langsam voran? Grober Kies bremste ihren Lauf. Rot ... Himbeerrot ... – nah, noch näher – jetzt hatte sie die Stelle erreicht.
Zwischen Lehmbrocken und Schneeresten schimmerte ein Stück schmutziger, himbeerroter Stoff. Anna versuchte ihn hervorzuziehen, vergeblich. Der Lehm klebte zäh am Gewebe und an den Händen.
Abrupt drehte sie sich um und lief, nein, rannte zurück. Da war kein Wissen, nichts. Nur ein Gefühl trieb sie vorwärts. Außer Atem und völlig durchnässt erreichte sie das Hotel, stolperte an die Rezeption und tippte mit lehmverkrusteten Fingern die Nummer von Linstows Zimmer. Lehmann kam aus dem Büro und starrte sie an. Erst als Anna Linstows verschlafene Stimme hörte, wurde ihr bewusst, was sie gerade tat. »Entschuldigen Sie bitte die Störung«, stotterte sie, noch immer japsend. »Ist Ihre Tochter da?«
»Ob meine Tochter hier ist?«, knurrte Linstow. »Ich wüsste nicht, was Sie das angeht.«
Nein natürlich, das ging sie überhaupt nichts an. Anna schwieg, sie wusste nicht, was sie noch sagen sollte. Neben den Schuhen bildete sich eine Pfütze.
»Aber wenn es Sie beruhigt, meine Tochter Vivien musste für ein paar Tage nach Hamburg fahren.« Linstow war ungehalten, das merkte man seiner Stimme an. Während Anna noch nach einer Entschuldigung suchte, hatte er bereits wieder aufgelegt.

Im Kindle-Shop: Linstows Geheimnis. Kriminalroman

Mehr über und von Isa Schikorsky auf ihrer Website.

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