23. Juli 2014

"Der Richter aus dem Schattenreich: Fletchers erster Fall" von Rudolf Otto Schäfer

Ein Fantasy-Krimi. Fletcher, ein unscheinbarer und durchschnittlicher Typ, will nach der Trennung von seiner Frau und dem nachfolgenden Umzug in ein kleines englisches Dörfchen, eigentlich nur seine Ruhe haben. Als aber Tom, der quirlig-nervende Geist eines Teenagers plötzlich Kontakt zu ihm aufnimmt und ihn um Hilfe bittet, ist es mit der Ruhe schlagartig vorbei. Dämonische Mächte planen die Menschheit zu versklaven.

Zusammen mit der attraktiven Alison - Besitzerin eines Esoterik-Geschäfts und selbst ernannte Fachfrau für übersinnliche Phänomene, nehmen sie den Kampf auf. Wird das ungleiche Trio die Welt retten können?

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Leseprobe:
Ich atmete also mehrfach tief und ruhig in meinen Bauch und schloss die Augen. Als ich sie wieder öffnete und die beschlagene Duschwand anstarrte, bemerkte ich im rechten Bereich des Raumes einen diffusen Farbklecks. Es sah fast so aus, als würde jemand im Raum stehen und mich beobachten. Mein Herzschlag schoss nach oben und ich starrte mit zusammengekniffenen Augen weiter dort hin. Da an der Stelle ... war eigentlich gar nichts. Ich zog also langsam die Duschwand auf, steckte meinen Kopf hervor und sah ... Ach du Scheiße … den Jungen!
„Hallo“, sagte der Junge, den ich gestern während meines kurzen Spaziergangs gesehen hatte. Er stand vor mir, in den gleichen Klamotten wie gestern und immer noch nackten Füssen, hob grinsend eine Hand zum Gruß, und meinte: „Brauchst keinen Bammel haben, Fletcher! Es ist alles in bester Ordnung!“
Laut aufschreiend jagte ich aus dem Bad und haute mir im rauslaufen den großen Zeh an der Tür. Schlitternd, und schwer atmend, kam ich in meinem Wohnraum zum Stehen. Mit einer Hand fischte ich mir die Unterhose vom Bett und behielt dabei die Tür im Auge.
Ich schrie so Sachen wie: „Bleiben Sie, wo Sie sind ... ich bin bewaffnet!“ und betrachtete dabei die leicht muffige Socke vom Vortag in meiner rechten Hand. Sollte er nur kommen! Der Duft des Todes würde ihn schneller, als ein Pistolenschuss ins Jenseits schicken.
Ich hatte mich nun vollständig angekleidet und starrte noch immer auf die Tür. Nichts tat sich.
„Los komm da raus Junge! Geh einfach nach Hause, dann ist alles in Ordnung! Kannst auch´n paar alte Treter von mir bekommen, aber hau ab!“
Nichts. Keine Antwort, kein Mucks. Ich griff mir die alte Rohrzange, mit der ich gestern noch das Waschbecken angeschlossen hatte; bereit ihm die dickste Beule seines Lebens zu verpassen, sollte er es auch nur wagen, näher als einen Meter zu kommen. Mit zum Schlag ausgeholtem Eisen, schob ich mich zentimeterweise an die Badezimmertür. Ich kickte sie auf und sah: Niemanden!
Ich schaute leicht vorgebeugt in den Raum hinein, ging bis in die Zimmermitte, drehte mich einmal im Kreis, schaute auf das Abzugsloch in der Decke und dachte, wenn er sich nicht in den Aggregatzustand Dampf verwandelt hatte, müsste er normalerweise noch hier drin sein. Ich lies meinen Arm mit dem „Beulenbringer“ nach unten fallen und setzte mich auf die Klobrille.
Kalter Schweiß rann mir über die Stirn. Ob ich wohl krank war und ich mir das alles nur eingebildet hatte? Was war nur mit mir los? Plötzlich rutschte mir die Zange aus den Händen und ich heulte wie ein kleines Kind. Lautes Schluchzen, laufender Rotz. Ich wischte mir den Schnodder mit reichlich Toilettenpapier ab und verbrauchte so um die zwei Rollen, bevor ich wieder einigermaßen zu mir kam.
Ich war also offiziell total gaga und meine Nerven hatten die Konsistenz von zu lang gekochten Nudeln.
Blöder, dummer Bockmist! Jetzt verschwanden schon Leute vor meinen Augen. Oh großer Gott, ich sah mich schon mit Tabletten ruhig gestellt, leicht sabbernd mit einem halb fertigen Topflappen, den ich stricken musste, in so´ ner Klinik sitzen.
Es musste was passieren! Und das schnell! Ich klappte mein neun Jahre altes Handy auf, betete nochmals zu Gott, dass ich genug Guthaben hatte und wählte die Nummer meiner Hausärztin, die mich schon lange kannte. Ich ergatterte noch einen Termin für den heutigen Tag, was ich aber nur mit Zitterstimme und halb angesetzten Schniefgeräuschen durchsetzen konnte. Einerlei, ich hatte einen Termin. Sofort schnappte ich mir meine Ziggis, die Jacke, Autoschlüssel und stand ein paar Sekunden später ohne Schuhe vor meinem Auto. Wäre es nicht so verdammt lustig gewesen, ich schwöre, ich hätte auf der Stelle wieder anfangen können zu heulen.
Die fünf Kilometer bis in die Stadt hatte ich schnell geschafft. Ich stellte meine Karre auf dem Parkplatz der Post ab, über den ich mich immer immens ärgerte, weil er einem Testgelände für Stoßdämpfer glich und auch ziemlich happig bei den Parkgebühren war. Nachdem ich den Parkautomaten ordentlich mit Münzen gefüttert - und mein Ticket bekommen hatte -, meinte ich jedenfalls ein leichtes Rülpsen zu hören, begleitet vom hohlen Gelächter des Eigentümers.
Ich winkte mit dem Ticket noch der Knöllchentante zu, die damit beschäftigt war einen falsch abgestellten Mercedes mit einer Verwarnung zu schmücken, ergatterte aber nur ein saures Gurkengesicht und machte mich auf die Socken.
Da ich noch Zeit hatte, nahm ich Platz in meinem Lieblings Café, dem Danielli, und orderte eine Tasse Milchkaffee.
Nach zwei Kaffees der Marke „Koffeinschub der Woche“ und weiteren fünf Zigaretten, bezahlte ich und schlenderte Richtung Arztpraxis.
Was sollte ich meiner Ärztin bloß sagen? Was würde passieren? Was würde sie machen? In meinen Visionen sah ich, wie sie in den Telefonhörer säuselte, und mich dabei angrinste. Nach ein paar Minuten würde dann die Tür aufgehen: Zwei Männer, die auch als Gorilla-Double in weißen Kitteln durchgingen, würden eintreten. Sie würde aufspringen (mit Angst verzerrtem Gesicht), sich in die Ecke drücken, auf mich zeigen und schreien: „ DA ERGREIFT IHN, DEN … DEN … IRREN!“
Oh mein lieber Vater, vielleicht sollte ich besser nur in die Apotheke gehen und mir einen Baldriantee holen! Der hatte mich früher immer so schön beruhigt, aber weil ich selber nicht daran glaubte, dass er mir in dieser Situation half, machte ich mich doch lieber auf den Weg zur Praxis. Ich würd´ dann eben mit den Gorillas Ringkampf üben und mir ein paar Spritzen vom allerfeinsten in die Hinterbacken geben lassen.
Hauptsache, ich sah keine Halluzinationen mehr! Wenigstens keine, die durch Abzugsrohre das Haus verließen oder sich das Klo herunterspülen konnten!
Langsam schritt ich die Kirkwood Street hoch. Ich war nicht in Eile und schaute mir rechts und links des Weges die Auslagen in den Geschäften an. Gott sei Dank, war es auf der beliebten Einkaufsstraße noch nicht so voll. Vereinzelt sah man Schüler, mit der mittlerweile obligatorischen Flasche in der Hand. Weiß der Geier, ob´s nur ´n Fruchtsaft, ein Energiedrink oder, was weiß ich, war. Als ich noch in dem Alter war, fanden wir solch ein Verhalten immer leicht assig und so hätte man uns höchstens Abends beim Warmtrinken, vor einer Disco gesehen, aber was soll´s. Die Zeiten ändern sich halt und man hat da sowieso keinen Einfluss drauf.
Eh ich mich versah, stand ich auch schon vor der Praxis meiner Ärztin.
Ich atmete noch mal schnaufend aus und nahm statt des langsamsten Aufzugs der Welt, die Treppe. Früher hätte ich meistens zwei Stufen auf einmal genommen, aber heute waren meine Beine bleiern und mein Herz klopfte mir bis zum Hals, als ich die dritte Etage erreichte. Mann-O-Mann, dachte ich, wenn man vorher keine gesundheitlichen Probleme hatte, dann jetzt auf jeden Fall.
Ich gab meine Karte bei der Arzthelferin ab.
„Bitte setzen sie sich noch einen Augenblick in den Warteraum, ich rufe sie gleich auf.“
Mir wurde klar, dass ich noch Zeit hatte mich mit den interessantesten Artikeln der Sun und des neuen Daily Star zu beschäftigen.
Das Wartezimmer war nicht ganz so voll wie erwartet und ich fischte mir im vorbeigehen eine halbwegs interessant aussehende Zeitung vom Tisch.
Ich pflanzte meinen Allerwertesten auf einen freien Platz am Fenster und vertiefte mich in den Artikel über einen spanischen Mann, der versuchte mit billigen Kirschen aus Bulgarien den englischen Markt zu erobern.
Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen und dachte, dass alle Discounter hier im Land schon mächtig Bammel vor ihm haben würden. "Blödmann!“
Ups! Hatte ich das gerade laut gesagt?

Im Kindle-Shop: "Der Richter aus dem Schattenreich: Fletchers erster Fall"

Mehr über und von Rudolf Otto Schäfer auf seiner Website.



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