14. August 2014

"Die Jägerin (Die Anfänge 1)" von Nadja Losbohm

Auftakt einer Fantasy-Romance-Reihe. Ada Pearce ist eine normale junge Frau. Kurz nach ihrem 21. Geburtstag klärt sie ein mysteriöser Priester über ihr Schicksal als Jägerin auf. Ada glaubt der Geschichte zunächst nicht, doch als sie erfährt, welche Gefahren durch die unterschiedlichen Kreaturen der Nacht drohen, nimmt sie ihr Schicksal an, gibt ihr altes Leben auf und zieht in die geheimen Räumlichkeiten unter der St. Mary’s Kirche, die dort vor Jahrhunderten angelegt worden waren, ein und beginnt ihre Ausbildung …

In Rückblenden erzählt die Protagonistin selbst ihre Geschichte. Angefangen bei der ersten Begegnung mit dem geheimnisvollen und unnahbaren Priester, über die einjährige Ausbildung und das Leben im Geheimen, über ihre erste Jagd und die Probleme, die es mit sich bringt, wenn ein Priester und eine Frau auf engstem Raum zusammenleben.

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Leseprobe:
Schon den ganzen Tag war ich wegen meiner ersten Patrouille aufgekratzt und konnte es kaum erwarten endlich loszuziehen. Ich war total gespannt, wie es sein würde. Fröhlich wollte ich zur Kirche hinausstürmen, doch plötzlich hielt mich Pater Michael am Arm fest. Ich wirbelte auf meinem Absatz herum und prallte gegen seine Brust. Verblüfft starrte ich ihn an. Es war deutlich zu sehen, dass er mein Verhalten missbilligte. „Bevor Sie hier chaotisch hinausrennen…“, meinte er, und ich verdrehte die Augen. Musste er denn immer gleich so übertreiben? „…muss ich das Ritual durchführen, Miss Ada.“ Ich konnte ihn nur anstarren. „Ich glaube, ich habe mich verhört. Haben Sie tatsächlich „Ritual“ gesagt?“, hakte ich ungläubig nach.
Mit ernster Miene nickte er. „Ohne das Ritual gehen Sie nicht durch dieses Portal“, antwortete er und deutete auf die geschlossene Kirchentür.
Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Natürlich entging es Pater Michaels Adleraugen nicht, und er ermahnte mich sofort. „Sie sollten nicht über etwas lachen, das Ihnen das Leben retten kann. Unterschätzen Sie niemals die Macht solcher Dinge und schon gar nicht die Kraft des Herrn. Ganz besonders in Anbetracht der Tatsache, dass vor Ihnen jemand steht, der durch seine Macht älter ist, als Sie es sich vorstellen können. Zeigen Sie ein bisschen mehr Respekt davor!“
Beschwichtigend hob ich die Hände. „Schon gut, schon gut. Ich sag ja schon gar nichts mehr“, erwiderte ich und gab mich seinem überzeugenden Argument geschlagen. Zufrieden nickte er.
Seine Hände packten mich plötzlich grob an den Schultern, bugsierten mich zum Altar, und ich fand mich direkt vor dem goldenen Kreuz stehend wieder. Die Augen von Jesus Christus, dessen Gemälde an der Wand hing, schauten wachsam auf mich hinab. Es kam mir vor, als würden sie mich prüfen, ob ich auch wirklich die Richtige für diesen Job war. Von irgendwoher zauberte Pater Michael einen Weihrauchschwenker hervor. Das Messing glänzte und strahlte vor Reinheit und blaue und rote Juwelen funkelten hier und da auf. Die Kette, an der das Gefäß hing, klirrte leise in den Händen des Paters, als er sie entrollte. Dann begann er damit, um mich herumzulaufen. Weiße Wölkchen, die aus den sternenförmigen Öffnungen in dem Schwenker entwichen, umhüllten mich wie eine Nebelbank auf hoher See. „Wahrscheinlich werde ich bald high sein von dem Kraut“, schoss es mir durch den Kopf, und ich musste mir auf die Wangen beißen, um nicht zu lachen.
Die Stimme des Paters erklang in einem tiefen Timbre, das ich bei ihm noch nie gehört hatte. Ich war mir nicht sicher, ob es an der lateinischen Sprache lag, die ich nicht verstand, oder an dem Singsang, in den er verfallen war. Hätte ich als Außenstehender diese Szene beobachtet, hätte ich wohl darüber gekichert. Aber als ich dort stand und die alte Sprache an meine Ohren drang, lief mir ein Schauer über den Rücken und eine merkwürdige Rührung ergriff mich. Es war mystisch und der feierlichste Moment, den ich je erlebt hatte.
Als er mich mehrmals umrundet und mit Weihrauch vollgequalmt hatte, wandte sich Pater Michael zum Altar um und kniete davor nieder. Mit geschlossenen Augen senkte er den Kopf und bekreuzigte sich. Dann erhob er sich und drehte sich wieder zu mir. „Jetzt sind Sie bereit“, verkündete er und ließ die Schlüssel zur Kirche in meine Hände gleiten. Nun war ich endgültig in den Kreis der Wissenden aufgenommen worden.

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