11. August 2014

'Der Mann im Spiegel' von Christian Zeitmann

Ein rasanter Thriller. Ein Mann auf der Suche nach seiner Erinnerung, angetrieben von dem Drang nach Vergeltung. Doch was passiert, wenn die Erinnerung die Grenze zwischen Zorn und Wahnsinn Stück für Stück fallen lässt? Merten Brand, begeisterter Surfer und angehender Manager, befindet sich mit seinem Jugendfreund auf einem Urlaubstrip in Frankreich, als sein Leben von einer auf die andere Sekunde aus den Angeln gehoben wird.

In der Schusslinie einer verbrecherischen Organisation muss er schnell feststellen, dass es schlimmere Dinge gibt als den Tod. Scheinbar auf sich allein gestellt, wird er zum Spielball zwischen Verbrechen, Korruption und Besessenheit …

Gleich lesen: "Der Mann im Spiegel" von Christian Zeitmann

Leseprobe:
Lacanau, 1999 - Meine Muskeln brannten. Von der Fußspitze bis zum Hals. Es war dieses wohlige Kribbeln nach einer körperlichen Anstrengung, dem Moment, wenn der Körper seinen ureigenen Hormoncocktail mischt. Oliver hatte sein Material längst verstaut und ich sah an seiner Körperhaltung, was er nicht aussprechen würde. Wo bleibst du? Morgen ist das Meer auch noch da.
Eine Haarsträhne rutschte mir über die Augen und nahm mir kurzzeitig die Sicht. Die letzte Böe hatte die Dreistigkeit besessen, mein Haargummi vom Kopf zu pflücken. Über mir spannte sich ein schmutzig grauer Himmel, unter dem mindestens acht Windstärken vorbeirauschten. Hinter mir tummelte sich ein buntes Meer aus Segeln. Vor mir erstreckten sich sanft geschwungene Dünen wie die Höcker schlafender Kamele.
»Du bekommst die Schnauze nicht voll, oder?« Oliver hatte seine Wortkargheit für diesen Tag offenbar aufgegeben.
»Wir sind zum Surfen hier«, entgegnete ich. »Wer weiß, was Petrus morgen auf seinem Masterplan stehen hat.«
Oliver hob die Augenbrauen und griff nach meinem Segel. »Ich warte seit mindestens zwanzig Minuten auf dich. Ich frier mir hier echt den Arsch ab!«
»Hang Loose, mein Freund. Wir hatten heute perfekte Windverhältnisse.« Gemeinsam falteten wir das Segel und mussten dabei einige Rückschläge hinnehmen. Der Wind machte es uns nicht gerade einfach.
»Du bist manchmal der perfekte Spinner.«
So gefiel mir Oliver schon wieder besser.
»Du hast die Party also tatsächlich klargemacht?« Die Haarsträhne flatterte vor meinen Augen. Oliver war größer und breiter als ich. Mit seinen blonden, dicken Haaren konnte er glatt als Bruder von Robby Naish durchgehen.
»Ich hab’s versprochen. Wir werden heute an einer exquisiten Adresse erwartet.« Er zwinkerte mir vielversprechend zu.
»Hört sich hervorragend an.«
Oliver war mehr als ein Freund. Er war ein Bruder. Ein Surfbruder und ein Bruder im eigentlichen Sinne. Wir waren zusammen aufgewachsen und hatten mit demselben goldenen Löffel unseren Brei gegessen. Für die meisten waren wir soziale Randgestalten, die nur mit der Hand in Papas Tasche geradeaus laufen konnten. Doch wir gaben beide einen Dreck auf die Ansichten der Leute. Olivers Familie besaß ein Privatvermögen von circa vierunddreißig Millionen Euro. Sein Vater war CEO der Farber Papers KG. Zigarettenpapier war sein Geschäft und sollte es auch bald für uns sein.
Meine Eltern schafften es nur auf vier Millionen. Aber es reichte, um uns als neureiche Idioten abzustempeln, die das Leben nicht als Geschenk, sondern als Selbstbedienungsladen betrachteten.
Wir beide gönnten uns die Auszeit vor den ermüdenden Monaten, in denen man aus uns Manager formen würde. Zigarettenpapier brachte noch immer Geld ein. Nach offiziellen Studien ging die Zahl der Raucher zurück. Betrachtete man jedoch das wachsende Vermögen der Farber Familie, wäre es angebracht gewesen, die beauftragten Konsumforscher zu feuern.
Oliver war Einzelkind. Aber er hatte mich. Die Idee, alle namhaften Strände rund um Europa und Afrika abzuklappern und unser Board mit den verschiedenen Wellen bekannt zu machen, kam von mir.
Oliver brauchte nur drei Tage, um seinen Vater von der Idee zu überzeugen. Sein alter Herr, der große Pläne mit uns in seiner Firma hatte, stimmte zu. Er war sogar davon überzeugt, dass wir die Energie in den folgenden Monaten sehr gut brauchen würden. Er wollte Oliver für das Auslandsgeschäft und mich in der Marketingabteilung. Auf diese Weise seien unsere Talente gut angelegt, sagte er.

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