4. September 2014

"Feuertaifun: Glut des Herzens" (Fabel 3) von Andrea Spreitzer und Ludwig Sinzinger

Diese Fabel setzt sich mit dem kompetenzbezogenen Subjektivismus, als eine nicht seltene Erscheinungsform unserer Zeit auseinander, sowie der Tatsache, dass seitens vieler Personen für ihr individuelles Versagen häufig systembezogene Rahmenbedingungen verantwortlich gemacht und strapaziert werden. Die individuelle Inkompetenz wird dann sehr schnell als Ausdruck der Behinderung auf dem Gebiet der eigenen Entwicklung und der sozialen Ungerechtigkeit deklariert.

Darüber hinaus erfährt der Leser, wie Wissen gehandhabt werden muss und welche Interessen der humanen Entwicklung den Weg versperren. Letztendlich beleuchtet dieses E-Book den Aspekt der Souveränität und der effizienten Interaktion.

Gleich lesen: "Feuertaifun: Glut des Herzens"


Leseprobe:
Mich, Flieger, erfasste ein schrecklicher Gedanke. Obwohl ich mich sehr wohl fühlte, sagte mir meine „innere Stimme“, dass ich vor dem Tor zur Hölle stand und meine Arme, wie automatisch, bereits dieses Tor öffnen wollten. Obwohl mein Körper strebsam agierte, signalisierte mir mein Unterbewusstsein, dass, wenn ich dieses Tor öffnen würde, dann …
In Bergonien scheint alles in Ordnung zu sein. Die Wünschlinge gehen ihren Interessen nach, was in einer regsamen Art und Weise vonstatten geht, obwohl sie nicht von Hektik getrieben sind. Es ist der Fluss der Kontinuität, welcher die Wünschlinge weder unter- noch überfordert. Sie haben im Laufe der Zeit ihren Rhythmus gefunden, weshalb sie bei immer gleichbleibender Lust und Laune ihr jeweiliges Lebenswerk meistern. Ihr Lebensrhythmus gleicht einem präzise funktionierenden Uhrwerk. Rhythmus und ein ausgeprägtes Taktgefühl assoziieren keinesfalls das Gefühl der Gleichförmigkeit, wie man eventuell denken mag. Nein! Dieses harmonische Gleichmaß garantiert allzeit ein Mindestmaß an Effizienz und Pünktlichkeit. Die Wünschlinge haben es verstanden, ihr Verhältnis zur Zeit zu optimieren, im Ergebnis dessen sie nicht mehr von der Zeit beherrscht werden und eine neue Art der Kompetenz erzeugen konnten. Vor diesem Stadium ihres Zeitmanagements waren sie förmlich unfrei und Sklaven der Zeit. Innerhalb des zurückliegenden Lebensabschnittes, wo die Wünschlinge die Zeit nicht zu beherrschen vermochten, beherrschte die Zeit sie. Aufgrund der uferlosen Zeitverstöße in Bergonien gab es zahlreiche Konflikte, welche das Zusammenleben erheblich erschwerten.
Professor Zeitler, ein anerkannter Fabelloge, hatte die Ambivalenz zwischen Erfolg und Zeitlosigkeit erkannt und empirisch untersucht. Zu dieser wissenschaftlichen Herausforderung wurde Prof. Zeitler von den Menschen inspiriert, einer Spezies, welche auf der Erde in einer anderen Galaxie lebte. Diese experimentierten ebenfalls mit der Zeit, wenngleich wesentlich erfolgloser. Die Menschen, so wusste Prof. Zeitler zu berichten, versuchten die Zeit auszutricksen, indem sie die Uhr zweimal im Jahr vor und zurückstellten. Die Menschen gingen davon aus, dass die Verlängerung des Tageslichts ökonomisch wertvolle Konsequenzen hätte. Prof. Zeitler vertritt jedoch den Standpunkt wonach Zeitverschiebungen keinerlei ökonomischen Einfluss besitzen und lediglich Zeitökonomie das lösungsorientierte Schlüsselwort sein könnte.
Dieser wissenschaftliche Ansatz und das darauffolgende Engagement erbrachten schließlich ein bahnbrechendes Forschungsergebnis. Dieses Forschungsresultat beinhaltet folgende Erkenntnis: Wenn die Zeit nicht nur pünktlicher genützt werden würde, sondern zusätzlich auch in einer bestmöglichen Synchronie, dann wäre ein zeitlich stimmiger Prozessablauf denkbar, welcher absolut störungsfrei auszurichten wäre. Wenn obendrein noch umfassend alle Prozessabläufe horizontal und vertikal synchronisiert würden, wäre ein perfektes Zeitmanagement das Resultat.
Somit erkannte Professor Zeitler das Prinzip der Zeit-Synchronisation. Die Wünschlinge wären stressfrei, weil sie die Zeit, ohne jeglichen Zeitdruck, beherrschen könnten. Des Weiteren würde ein willkommener Nebeneffekt eintreten, denn es entstünde ein Zeitzuwachs, welcher das Resultat der intrinsischen Pünktlichkeit wäre. Aufgrund des hohen Entspannungspegels wären die Wünschlinge auch nicht mehr wie früher gezwungen die verfügbare Zeit für ihren psychischen Ausgleich zu nutzen – beispielsweise durch die Schlummertaste am Wecker.
Die Wünschlinge könnten sich die Zeit endlich zunutze machen und die zeitliche Gängelei beenden. Die Zeit würde endlich zum Verbündeten der Wünschlinge und eine neue Erfolgs- und Glücksdimension könnte Wirklichkeit werden.
Professor Zeitler – der die Zeit auf den Punkt brachte und pünktlich macht– konnte sich gegen Dr. Losering – der die Zeit dehnen wollte – durchsetzen, in Folge dessen seine Theorie Einzug in den Alltag fand. Ohne Widerstand verlief dieser Prozess nicht. Auch gegenwärtig versucht Dr. Losering alles, um seine Theorie nachträglich zu etablieren.
Der Gegenspieler, Zeitforscher Dr. Losering, vertritt die Ansicht, wonach Zeit keinerlei leistungsspezifische Relevanz besitzt, da Zeit der größte Stressfaktor sei. Der Zeitdruck würde, seiner Meinung nach, für vielerlei Krankheiten ursächlich sein, welche vor allem im Bereich der Psyche angesiedelt sind. Damit die Wünschlinge die Möglichkeit erhalten dem Zeitdruck auch entfliehen zu können, arbeitet Dr. Losering an vollkommen neuartigen Prozessabläufen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Absicht, die bisherigen Zeiteinheiten des Kalenders und die zeitliche Orientierung mittels der Uhren neu zu kalibrieren. Im Ergebnis dessen sollen neue und ausgedehntere Zeiteinheiten zum Maßstab erhoben werden. Termine würden in ihrer Verbindlichkeit sozusagen gestreckt und als größere Zeitfenster allgemeinverbindlich deklariert.

"Feuertaifun: Glut des Herzens" im Kindle-Shop

Mehr über und von Andrea Spreitzer und Ludwig Sinzinger auf ihrer Website.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen