3. Dezember 2014

'Ab heute ist es MEIN Leben' von Lena Paul

Als Sarah, Mara-Erin und Karla in New York ankommen, haben sie nicht mehr viel zu verlieren. Sie sind nicht nur unglücklich mit ihrem Leben. Nein, sie haben, jede für sich, mit einem dramatischen Schicksal zu kämpfen, das sie lähmt und dunkle Schatten auf ihr Dasein wirft. Vor diesen Schatten flüchten sie in den Big Apple. Zufällig begegnen sich die drei Frauen auf den Straßen Manhattans und merken schnell, dass sie mehr verbindet, als ein gemeinsames Reiseziel.

Aus Fremden werden Freundinnen und die Stadt, die niemals schläft, bringt jeder von ihnen auf eine andere Weise Glück. Denn ihre Reise in die Metropole entwickelt sich für Sarah, Mara-Erin und Karla zu einer Reise zu sich selbst und zu einem Wendepunkt. Gemeinsam beginnen sie ihr Leben auf den Kopf zu stellen.

Gleich lesen: Ab heute ist es MEIN Leben

Leseprobe:
Auf den Straßen New Yorks lernt man für das Leben.
Wenn drei Menschen auf dieser Welt genau das begriffen hatten, dann waren es Sarah, Mara-Erin und Karla.
Als sie sich das erste Mal in dieser für sie schicksalshaften Stadt trafen, hatten sie noch keine Ahnung, dass New York sie nicht nur zu Verbündeten, sondern auch zu besten Freundinnen machen würde.
Eines besaßen sie jedenfalls gemeinsam, noch bevor sie sich überhaupt kannten: Sie alle hatten nicht nur einen Koffer voll Gepäck mitgebracht, sondern jede einzelne hatte eine Geschichte zu erzählen, die sie hierhergebracht hatte.
Die Gründe ihrer Reise in diese Stadt, die niemals schläft, waren unterschiedlich und doch so gleich: Sie alle drei wollten weg, weit, sehr weit weg, und so führte sie ihr Weg im Sommer 2007 in den Big Apple.

Drei Jahre nach ihrer ersten Begegnung saßen sie hoch oben über der Stadt in einer Bar bei einem Drink und redeten über ihren aktuellen Lebensstatus.
Wie aus dem Nichts sprach Karla eben diesen einen, bedeutungsvollen Satz aus, und mit einem Mal herrschte Stille. Sie sahen sich an. Jede von ihnen wusste, dass nichts mehr auf sie zutraf, als diese zehn Worte, und dass kein Autor dieser Welt ihr Leben hätte besser in Worte fassen können. Sarah schluckte und machte große Augen, um zu verhindern, dass ihr die Tränen, die sich darin sammelten, über die Wangen liefen. Mara-Erin räusperte sich, brachte jedoch kein Wort heraus.
„Was?“, fragte Karla irritiert. Doch sie wusste genau, dass sie allen dreien aus der Seele gesprochen hatte, auch wenn sie das erst begriff, nachdem sie den Satz bereits gesagt hatte.
„Auf New York!“, hob Sarah nach langen Momenten des Schweigens zögernd ihr Glas und nahm einen ordentlichen Zug von ihrem Cosmopolitan.
„Auf New York und unser neues Leben!“, stimmte nun auch Mara-Erin ein, der ebenfalls die Tränen in den Augen standen, und sie stießen an.
„Wir sollten diesen weisen und wahren Satz aufschreiben, damit wir ihn nie vergessen und er uns immer daran erinnert, was wir erlebt und geschafft haben...“, schlug Sarah vor.
„Als würden wir das je vergessen!“, warf Karla ein. „Aber wenn schon einmal so viel Weisheit aus mir spricht, muss das festgehalten werden!“, stimmte sie dann doch zu. Plötzlich hatte auch sie das beklemmende Gefühl, dass gerade etwas Magisches passiert war. Sie wusste, dass sie ausgesprochen hatte, was sie alle drei seit Jahren dachten.
Sarah wühlte währenddessen in ihrer Handtasche und beförderte einen kleinen Notizblock ans Tageslicht. Nacheinander verewigten die drei Freundinnen jenen Satz auf je einem der kleinen Papierstücke und nahmen diese dann wie einen Schatz an sich.
Mittlerweile hing Mara-Erins Zettel an ihrem Kühlschrank, Karla hatte ihn an den Spiegel ihres Frisiertischchens geklebt und Sarah trug ihn in ihrem Kalender immer bei sich.
Sie waren drei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können, und doch hatten sie mehr gemeinsam, als sie je geglaubt hätten, als sie zum ersten Mal auf den lauten, viel befahrenen Straßen der Mega-City aufeinandertrafen.
Es gab unzählige Parallelen in ihrem Leben. Parallelen, die sie verbanden und die ihr Leben irgendwie einfacher machten, seitdem sie sich kannten, da sie wussten, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht allein waren. (...)
(...)
Am Nachbartisch klappte die junge Frau entschlossen ihren Laptop zu und steckte ihn in ihre Tasche. Sie strich ihr Kleid glatt, fasste ihre langen, blonden Haare zu einem Zopf zusammen, trank den letzten Schluck ihrer Cola aus und rückte ihren Stuhl zurecht. Langsam kam sie dann auf den Tisch der drei Freundinnen zu.
„Entschuldigung...“, sagte sie zaghaft. „Ich wollte nicht lauschen, aber ich habe eben Ihr Gespräch mit angehört.“
„Bitte!?“, wollte Karla sich schon entrüsten, doch Sarah legte ihr die Hand auf den Arm und bedeutete ihr, an sich zu halten.
„Es gibt sie...“, sagte die Fremde.
„Wen?“, fragte Sarah irritiert.
„Die Frau, die alles, wirklich alles allein erlebt und überlebt hat, das Sie drei zusammen Ihre Geschichte nennen.“
„Was? Wirklich?“, fragte Mara-Erin schockiert.
„Ja!“, antwortete die Blondine.
„Aber wie, um Himmels willen, kommt man da raus?“, wollte Sarah wissen.
„Egal, wie oft man fällt, man muss immer wieder aufstehen und sich den Schmutz von den Kleidern und die Tränen aus dem Gesicht wischen. Kopf hoch, Brust raus, und nie, Ladys...“, die Fremde hob mahnend den Zeigefinger, „… man darf niemals zurücksehen.“
Sie strich Sarah über die Schulter und zwinkerte ihr zu. Dann lief sie auf die Tür zu. Kurz bevor sie diese öffnete, dreht sie sich noch einmal um, lächelte den drei Frauen zu und sagte:
„That‘s it!“

Damit entschwand die mysteriöse Frau auf die Straße, stellte sich an den Straßenrand, hielt eine Hand in die Luft und rief nach einem Taxi. Sarah, Mara-Erin und Karla sahen ihr nach, bis das Taxi im dichten Verkehr Manhattans abgetaucht war und blieben staunend zurück.
Schweigend sahen sie sich an. Wer war diese Frau, die gerade einmal so alt war wie sie? Hatte sie ihre Schicksale geteilt? War sie vielleicht diejenige, die all das allein erlebt hatte...?
Die Antwort auf diese Frage war mit einem Yellow Cab davongefahren. So wie viele Geschichten in New York in einem gelben Taxi beginnen und auch enden ...

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