2. Dezember 2014

"Kreuzweg" von Martin Vogl

Ein Schädel, ein Geheimnis, Freundschaft, Nazis und Untergang. Ein Student in den letzten Zügen seines Lotterlebens gerät in den Strudel der Zeit.
Es begann als Kriminalfall in der Gegenwart und wird zu einer Bedrohung für die freie Welt in der Zukunft. Die Wurzeln liegen in unserer Vergangenheit, als noch kriegerische Horden über den europäischen Kontinent zogen. In den letzten Kriegswirren im Frühjahr 1945 wurde das Geheimnis der fremden Krieger zur letzten Hoffnung des 3. Reiches. Von Tauberstein, Standartenführer-SS und Gehilfe des Reichsführers-SS, Heinrich Himmler, führt seitdem seine Schergen im Verborgenen unter uns.

Er hatte aber nicht mit dem Widerstand durch die Jahrzehnte gerechnet. Im Frühjahr 1945 ging die Hoffnung der Nazis für lange Zeit verloren. Also wartete er. Aber da war er nicht allein...

Das Buch beginnt als turbulentes Abenteuer, das in einen Technothriller übergeht. Die Geschichte spielt dabei in drei Zeitebenen, in denen die Schicksale über Gegenwart, Kriegsende 1945 und ein früheres Jahrtausend, verknüpft sind. Als alle Parteien in der Gegenwart den Einsatz stetig erhöhen, öffnet sich die Büchse der Pandora. Das Ende des zweiten Weltkrieges ist damit zu Ende.

Das Buch zeigt eine düstere Welt, bei deren Erschaffung die Enthüllungen des Edward Snowden, die Taten des NSU, noch nicht bekannt waren und die Fiktion eingeholt haben.
Ausgelegt ist der Thriller ab 16+.

Gleich lesen: Kreuzweg: Techno - Abenteuer - Thriller

Leseprobe:
* In der Nacht * April 1945

Es war kalt.
Der Wind blies eisig durch die Gassen zwischen den Häusern. Er hatte es satt.
So satt.
Seine Frau war schon lange geholt worden, die beiden Kinder und er hatten es noch geschafft sich zu verstecken. Offiziell war seit dem Jahr 1938, dem Pogrom, kein Nichtarier mehr hier. Die Selbstzweifel und Schuldkomplexe fraßen ihn auf und sorgten für ständige Schlaflosigkeit und Magenschmerzen.
Allerdings war ein leichter Schlaf in diesen Zeiten ein weiterer Sicherheitsgarant.
Wenigstens musste er nicht wie viele der anderen in den Städten, in der Kanalisation ausharren. Er hatte gehört, das sie sogar vom Geschrei ihrer Babys verraten wurden.
Er hatte da mehr Glück gehabt.
Trotzdem, ohne die gütige Hilfe einiger Bewohner und den Leuten aus dem Untergrund, wären sie wohl auch schon lange verschleppt worden.
Zehn Kilometer bis zum nächsten Konzentrationslager.
***
* Im Wald * Das Ende des Festes
Leicht angesäuselt kramte er lange in seinem Beinkleid bis sein bestes Stück die kühle Abendluft zu schnuppern bekam. Mit einem lauten Ahhhh beugte er den Rücken durch, um noch den einen oder anderen Millimeter herauszuholen. Ein stattlicher Strahl ergoss sich in hohem Bogen, dampfte vor sich hin.
Der Wind stand günstig.
Aber, irgendwie kam ihm das Geräusch seltsam vor.
Udu öffnete langsam ein Auge. Er hatte normalerweise beide zu, um den Genuss des Ablasses voll auszukosten. Irgendwie klang es nicht nach Geäst oder einem Stein. Der Strahl prasselte blechern hohl irgendwo dagegen.
Welcher Depp deponiert hier seine Suppentöpfe?
Sichtlich irritiert zog er eine Augenbraue hoch, beugte sich nach vorne, um besser sehen zu können. Dabei schüttelte er die letzten Tropfen ab und hantierte an seinem Beinkleid.
Als seine Augen sich fokussiert hatten, sah er sich auf kürzester Distanz einer Gestalt gegenüber, deren metallener Gesichtsschutz von seinem Urin glänzte und die nasse Visage nicht nur vor Wut rot dampfte.
Erschrocken wollte er zurückweichen und erblickte nur noch ein Keulenende, dass auf ihn zu kam.
Ab dann konnte er sich an nichts mehr erinnern.
***
* Berlin * Das Carlton
Dank seiner ständigen Rückenschmerzen war er nun noch am Leben.
Zwar am seidenen Faden, aber immerhin.
Jahrelang war er von einem Orthopäden zum anderen gerannt und hatte am Schluss für sich selbst festgelegt, das es an seiner Nackenmuskulatur lag. Also hatte er sich in seiner Villa neben einem Spa Bereich auch einen Fitnessraum eingerichtet. Das tägliche Training hielt ihn fit.
Er brauchte diesen Ausgleich. Sonst saß er nur den ganzen Tag vor dem PC oder in irgendwelchen Meetings.
Allerdings hatten sich in der Nacht, während der Fahrt, diese Schmerzen wieder bemerkbar gemacht. Er machte in dem kleinen Fahrstuhl gerade Dehnübungen, an den Geländerstangen, als unter ihm der Boden in zwei Teilen weg klappte.
Mit einem Schrei krallte er sich fest.
Jetzt hatte er die Bestätigung für die Darwin´schen Theorien, da seine Hände mit einem prähistorischen Reflex zupackten und ihn am Absturz in den dunklen Schlund hinderten.
Wahrscheinlich hatte er erschrocken geschrien, aber daran konnte er sich nun nicht mehr erinnern. Die Nebennieren schütteten jetzt Unmengen Adrenalin in sein Blut.
Vorsichtig blickte er in den schwarzen Abgrund unter ihm.
Sein Hirn versuchte zu begreifen was geschehen war.
Das trübe Licht der Kabine reichte nur ein paar Meter nach unten. Über ihm dudelte die Fahrstuhlmusik weiter, wie um ihn zu verhöhnen.
Der Aufzug war zuerst nach oben gefahren, das kam vor, jetzt wusste er auch warum. Das gelbe Licht am Taster zeigte noch das sechste Stockwerk an. Die beiden Klappen, die einst der Boden waren, pendelten bei jeder seiner Bewegungen leicht hin und her. Das war kein Material- oder Konstruktionsfehler, das war Absicht.
Eine tödliche Falle.
***
* Frankfurt * Rattengift
Zwei Stunden später.
„Und?
Alles klar, Junge?“
„Nein, verdammt! Gar nichts ist klar.
Wieso muss ich diese Scheiße hier machen?
Ich bin dafür nicht ausgebildet!“
„Der Direktor meinte du hast es vorgeschlagen, du bist der Beste und du bist vor Ort.
Das macht dich automatisch zum A.v.D.“
Die beiden Männer lagen hinter der Steinmauer am Grundstücksrand und robbten hinter der Deckung, in Richtung toter Winkel der MG- Nester. Ohne die Kunststoffkappen an den Knien und Ellenbogen wäre das Vorwärtskommen auf dem asphaltierten Gehsteig eine Tortur gewesen.
Bei dem Jungen, der zu dem Einsatz freiwillig gemeldet worden war, wackelte der viel zu große, schwarze Stahlhelm, obwohl der Riemen bereits auf Anschlag gespannt war.
„Wie fühlt sich das an, wenn man getroffen wird?“, fragte er den SEK Mann vor sich leise.
Dieser überlegte und drehte den Kopf nach hinten.
„Zuerst spürst du einen heftigen Schlag, dann brennt es und dann spürst du nichts mehr.“
Der Junge hob den Kopf.
„Das Adrenalin?“
„Nein, dann bist du tot.
***
Beide hechteten hinter das Chassis und holten kurz Luft. Künstlicher Nebel zog dicht an ihnen vorbei und alles lag weiter ruhig vor ihnen.
Der Junge schnaufte tief durch und sein Kamerad zog vorsichtig am Türgriff des Fahrzeugs. Erst langsam, dann stärker, zuletzt riss er daran.
Er lugte über die Kante.
„Abgesperrt. Welches verdammte Arschloch sperrt sein Karre im Kugelhagel noch ab?“
Er lehnte sich nun zurück und zog seine Pistole aus dem Holster. Die Waffe am Lauf fassend, schlug er hinter sich, mit dem Griff die Scheibe ein. Kleine Splitter des Sicherheitsglases regneten auf die beiden herab, als es die Scheibe zerriss.
Vorsichtig, mit seinem Lederhandschuh, fingerte er oben am inneren Rand der Tür herum und versuchte den Türpin zu greifen.
Der Junge tippte ihn an und kroch etwas näher.
„Das ist ein Streifenwagen, der ist nicht dafür gedacht, dass die hinteren Türen von Innen aufgehen...“

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