23. Januar 2015

"Lisa, Ben und Tim: Der zweite Kaha-Fischer-Krimi" von Ingrid Glomp

Im Mittelpunkt des zweiten Kaha-Fischer-Krimis stehen die drei Psychologiestudenten Lisa, Ben und Tim. Alles beginnt damit, dass eine Joggerin Lisas Leiche entdeckt. Die junge Frau hat sich anscheinend in der vorangegangenen Nacht an einem Baum erhängt. Doch hat die lebenslustige und bei allen beliebte Lisa sich tatsächlich selbst getötet oder war es Mord? Und welche Rolle spielt Udo Müller-Ernst, der Professor, dessen Seminar Lisa, Ben und Tim besuchten? Wie sich zeigt, war Lisas Tod erst der Anfang und schnell entwickelt sich der Fall zu einem der schwersten, die der Mannheimer Kommissar Kaha Fischer und sein Kollege Christian Heim je lösen mussten.

Jeder Band der Reihe bildet eine abgeschlossene Geschichte und kann für sich allein stehen. Das Buch umfasst ca. 14000 Wörter. Es handelt sich also um einen kurzen Kurzroman oder um einen sehr langen Kurzkrimi.

Gleich lesen: Lisa, Ben und Tim: Der zweite Kaha-Fischer-Krimi

Leseprobe:
„Ich habe etwas Rotes durch die Bäume schimmern sehen“, sagte die junge Frau in Joggingkleidung. Sie zeigte dorthin, wo Mitarbeiter der Polizei gerade die Leiche vorsichtig in einen Transportsarg legten.
„Und dann …“, sie holte Luft, „und dann habe ich sie entdeckt. Das Rote war ihr Pulli. Ich wusste nicht … Ich meine, war es richtig, dass ich sie da so hab hängen lassen? Sie war eindeutig tot.“ Aus verweinten Augen schaute sie die Kommissare Kaha Fischer und Chris Heim unglücklich an.
Die beiden waren schon eine knappe halbe Stunde am Tatort. Doch sie hatten sich zunächst die Tote und die direkte Umgebung angeschaut, damit die Leiche möglichst schnell abtransportiert werden konnte.
„Sie haben alles völlig richtig gemacht“, beruhigte Chris die Zeugin.
Kaha sagte nichts und betrachtete nur stirnrunzelnd die Neugierigen, die begannen, sich an der Absperrung am Waldweg herumzudrücken und die Hälse zu verrenken. Erstaunlich, dass an einem Sonntagmorgen in diesem kleinen Waldstück etwas außerhalb der Mannheimer Innenstadt überhaupt schon jemand unterwegs war.
„Sie haben also nichts angerührt?“, fragte Chris nun. Die Joggerin schüttelte den Kopf.
Chris blätterte in seinen Notizen. „Ihr Notruf ging um 8:05 Uhr bei uns ein. War das direkt, nachdem Sie die Tote entdeckt hatten?“
„Jja. Vieleicht z-zwei oder drei Minuten später. A-Aber auf k-keinen Fall mehr.“ Die junge Frau begann zu zittern.
„Und Sie haben die Tote heute zum ersten Mal gesehen?“
Sie nickte.
Chris machte sich auch dazu eine Notiz.
Kaha wurde unruhig. Aber er sah ein, dass Chris so gründlich fragen musste. Es war erstaunlich, was Zeugen einem manchmal nicht sagten. Besonders, wenn sie unter Schock standen.
„Wir haben ja Ihren Namen.“ Chris klappte sein Notizbuch zu. „Sie haben einen Schock, was kein Wunder ist. Brauchen Sie einen Arzt?“
Kopfschütteln.
„Holt Sie zumindest jemand ab?“
„Jjja. M-Mein F-Freund.“ Die Zeugin zeigte auf einen jungen Mann hinter der Absperrung. Ihre Zähne klapperten laut und vernehmlich.
„Das gefällt mir nicht. Es gibt bei dieser Sache zu viele offene Fragen: Ist sie wirklich auf den Baum geklettert und hat den Strick dort verknotet? Wo hatte sie das Seil überhaupt her?“ Kaha hatte sich offensichtlich inzwischen seine eigenen Gedanken gemacht.
Er fuhr fort: „Es gibt nichts, keinen Felsbrocken, keinen Baumstumpf, auf dem sie gestanden haben könnte. Wann und wie hat sie den Kopf in die Schlinge gesteckt? Sicher, man könnte sich komplizierte Szenarien vorstellen: Sie hat auf dem Ast sitzend den Kopf in die Schlinge gesteckt und sich dann langsam sinken lassen. Was zu einem schrecklichen Todeskampf geführt hätte, von dem es keine Spur gibt. Sie hätte sich mit dem Kopf in der Schlinge fallen lassen können, was aber durch die Wucht zu irgendeiner Art von Würgemalen geführt haben sollte.“
„Und solche Würgemale sind nicht vorhanden“, warf Chris ein.
„Sie hätte sich an den Baumstamm klammern, die Schlinge um den Hals legen und sich dann in diese hineinfallen lassen können. Es finden sich aber keine Spuren von Baumrinde auf ihrer Kleidung — was sich auch nur schwer erklären lässt, wenn sie auf den Baum geklettert ist und den Strick dort oben an dem Ast festgebunden hat.“
„Womit wir wieder beim Anfang wären.“
„Außerdem sind die Abriebspuren an dem Ast ziemlich ausgeprägt“, sagte Kaha, ohne seinen Kollegen zu beachten.
Chris nickte.
Kaha sprach aus, was sie beide dachten: „Als habe jemand die Tote an dem Strick hinaufgezogen.“
Chris legte abwiegelnd den Kopf schief. „Warten wir ab, was die Experten dazu sagen. Vielleicht können wir es einfach nur nicht ertragen, dass so ein junges Ding sich das Leben genommen hat.“
Aber wenigstens wussten sie, um wen es sich bei der Toten handelte.

Die Umhängetasche der Verstorbenen hatte unten an dem Baumstamm gelehnt, als die Polizei eintraf. Laut den Papieren, die eine Streifenpolizistin darin fand, handelte es sich bei der jungen Frau um Lisa Baumann. Ihre Wohnung befand sich in der Mannheimer Innenstadt, ganz in der Nähe des Marktplatzes.
„Bin ich froh, dass wir einmal nicht die Hinterbliebenen informieren müssen“, sagte Chris, während sie auf das betreffende Haus zugingen.
„Ich auch“, stimmte Kaha ihm zu. Die Eltern des toten Mädchens lebten in einem kleinen Ort irgendwo in Norddeutschland und die dortigen Kollegen waren vermutlich in diesem Moment auf dem Weg zu ihnen.
Chris wollte gerade den Schlüssel, den sie ebenfalls in der Umhängetasche gefunden hatten, in das Schloss der Haustür stecken, da sagte Kaha: „Moment, da stehen zwei Namen neben der Klingel.“
Sie verzogen das Gesicht. Dann läutete Kaha. Mehrmals.
Schließlich ertönte der Türsummer. Im dritten Stock empfing sie ein verschlafenes junges Mädchen mit zerrauften Haaren an der Wohnungstür.
„Frau Theobald?“, fragte Chris. Sie nickte. Chris stellte sich und Kaha vor und beide zeigten ihre Dienstausweise.
„Es geht um Lisa Baumann“, ergänzte Chris.
Laura Theobald drehte sich zum hinteren Teil der Wohnung um und brüllte: „Liiisa.“
So behutsam wie möglich erklärten die beiden Kommissare dem jungen Mädchen, weshalb sie gekommen waren. Wie sich herausstellte, waren Laura und Lisa vor etwa einem halben Jahr gleichzeitig in die Zweier-WG eingezogen, die der Vermieter zusammengestellt hatte.
„Aber wir haben uns von Anfang an super verstanden“, sagte Laura. Ihr Gesicht hatte jegliche Farbe verloren und sie war kraftlos auf einem Stuhl in der kleinen Küche zusammengesunken. Unbeholfen standen die beiden Männer um sie herum. Schließlich setzte auch Kaha sich auf einen der Stühle an dem schlichten Holztisch und Chris tat es ihm gleich.
„Tot aufgefunden? Was bedeutet das? Wo, wie?“, fragte Laura.
„Es sieht so aus, als habe sie sich das Leben genommen“, sagte Kaha vorsichtig.
„Das Leben genommen? Neinneinnein. Auf keinen Fall. Nicht Lisa.“ Eine zarte Röte stieg in Lauras Gesicht. „Sind Sie überhaupt sicher, dass es sich bei der Toten um Lisa handelt?“ Lauras Stimme wurde lauter und klang zornig. „Sie kommen hier einfach her …“
Im nächsten Moment war sie aufgesprungen und rannte den Flur entlang. Sie riss die Tür am Ende des Gangs auf. „Lisa“, sagte sie laut. Dann etwas leiser noch einmal: „Lisa?“
Inzwischen hatten Kaha und Chris sie eingeholt und sahen, was Laura verstummen ließ. Das Bett in dem Zimmer war leer und sah aus wie frisch gemacht.

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