27. Januar 2015

"Im Lada zu Karl Marx: Eine Woche Addis Abeba" von Alex Tannen

Eine Woche Addis Abeba – zugegeben, das ist ungewöhnlich. Während man in anderen Metropolen spielend mehrere Wochen verbringen kann, ist die äthiopische Hauptstadt arm an klassischen Attraktionen. Und schön, gar duftend ist die „Neue Blume“ nicht – doch auch alles andere als verwelkt: Sie sprießt und wechselt nach grauer sozialistischer Zeit langsam ihre Farbe. Als Afrika-Fan reizte es Alex Tannen, in eine Großstadt einzutauchen, die fast alle Gäste nur auf der Durchreise erleben: mit Dornröschen-Bahnhöfen, Zugfriedhöfen und sowjetischen Schrotttaxis mit Ostalgiefaktor - der beim Karl-Marx-Denkmal, eingeweiht von Erich Honecker, rasch wieder verflog.

Alex Tannens viertes Afrikabuch. Mit elf Bildern und einer Karte.

Gleich lesen: Im Lada zu Karl Marx: Eine Woche Addis Abeba

Leseprobe:
Addis Abeba, 2. August 2014. Die Lufthansa-Maschine ist nach der Zwischenlandung in Jiddah, Saudi Arabien, nur noch zur Hälfte gefüllt. Schnell zerstreuen sich am Bole International Airport von Addis Abeba die Fluggäste: keine Schlangen bei der Einreise, nur zehn Minuten Warten auf mein Visum (20 Dollar), mein Koffer dreht schon seine Runden auf dem Gepäckband. Dann bin ich draußen.
Doch wo ist der Fahrer? Ich sollte doch durch das Hotel abgeholt werden. Auch wenn ich es als Teil meines Urlaubserlebnisses ansehe, mich vom Flughafen zum Stadtzentrum durchzukämpfen – was oft heißt: ahnungslos mit Taxifahrern den Fahrpreis auszudiskutieren –, so genieße ich es inzwischen, ins Hotel chauffiert zu werden. Selbst wenn mir dabei die ersten Abenteuergeschichten durch die Lappen gehen.
Es ist noch früh am Abend, doch in der Empfangshalle ist kaum ein Mensch zu sehen. Auf den Zetteln der drei, vier anderen Fahrer steht mein Name nicht. Also doch raus, vor die Tür, ins Dunkle, und nervige Preisverhandlungen starten? Einige Fahrer sprechen mich schon in der Halle freundlich an.
Ist etwas schief gelaufen, soll ich mal im Hotel anrufen? Ich schaue auf meine Uhr, die ich längst eine Stunde vorgestellt habe. Es ist 20:15 Uhr – dabei sollten wir doch erst um 20:45 Uhr landen. Muss ich den Zeiger noch mehr vorstellen? Ich gleiche die Zeit mit der Flughafenuhr ab. Alles richtig. Die Fluggesellschaften planen offenbar viel Puffer ein. Wir sind mit Verspätung in Frankfurt abgeflogen, aber trotzdem mehr als eine Stunde zu früh angekommen.

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