3. Februar 2015

"Was Du liebst lass frei - Liebesfluch der Vergangenheit" von J.J. Winter

Nach dem tragischen Ende ihrer Eltern ist Maria felsenfest überzeugt, dass sie dazu bestimmt ist, nie die wahre Liebe zu erfahren. Selbst als sie Juliano begegnet, der mit einer Gauklertruppe durch das Land reist und dem sein Ruf als “Liebesgott” vorauseilt, weigert sie sich vehement, seiner schier unwiderstehlichen Anziehung nachzugeben. Die achtundzwanzigjährige Maria muss jedoch erkennen, dass hier weit größere Mächte ihren Einfluss spielen lassen.

Auf Juliano lastet seit Jahrhunderten ein geheimnisvoller Fluch, den einzig die wahre Liebe brechen kann – und der Preis für seine Erlösung ist hoch ...

“Wenn wir wirklich und aufrichtig lieben, bedeutet das zugleich den Tod.”

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Leseprobe:
Seine Lenden schmerzten. Wild schoss das Blut durch seine Adern. Er war bereit. Bereit, sie zu verführen und zu hören, wie sie in der Hitze des Gefechts laut seinen Namen schrie. So, wie er es täglich bis zu fünf Mal von fremden Frauen gewohnt war.
Sie hingegen schien noch nicht in dem Feuer gefangen zu sein, das er für gewöhnlich nur durch seinen Anblick und die Aussicht auf Erfüllung in seinen Opfern entfachte. Sie saß einfach nur da und sah ihn mit großen Augen an. Ohne den Blick von ihr abzuwenden, streifte er sein Hemd ab und beförderte es durch die kleine Öffnung nach draußen, um das Publikum anzustacheln. Üblicherweise folgten jetzt die Kleider seiner Gespielin. Die Frau vor ihm machte allerdings keine Anstalten, es ihm nachzutun, sah ihn weiterhin nur stumm aus diesen wunderbaren braunen Augen an.
„Jetzt du!“, forderte er sie auf, während er mechanisch seinen Gürtel aus der Hose zog und zu dem Hemd auf die freie Fläche vor seinem Zelt warf.
Sie blickte sich um. In einer Ecke entdeckte sie ein fein säuberlich zusammengelegtes Häufchen Hosen und Hemden. Achselzuckend griff sie nach dem Packen Wäsche und warf ihn hinterher. Die Ansammlung von Schaulustigen vor seinem Heiligsten begann lautstark zu johlen. Sein Mund klappte auf, und er musterte sie entgeistert.
„Hätte ich sie einzeln rauswerfen sollen?“, erkundigte sie sich kleinlaut.
Fassungslos antwortete er: „Das waren meine Sachen zum Wechseln.“
Zerknirscht blickte sie an ihm hoch und zog schuldbewusst die Schultern nach oben. „Sorry, ich dachte, die wären dazu da.“
Er schüttelte verwirrt den Kopf. Was war das denn? Sonst fielen die Frauen in Scharen vor ihm nieder. Bettelten darum, dass er sie auswählte und beglückte. Sie konnten es gar nicht erwarten, sich die Kleider vom Leibe zu reißen und zu genießen, was er mit ihnen teilte.
Verunsichert erhob sich Maria und eilte nach draußen, um seine Gewänder wieder einzusammeln. Er folgte ihr irritiert. Die Gruppe vor dem Zelt lachte noch lauter, als er mit in die Hüften gestemmten Händen hinter ihr stand und kopfschüttelnd dabei zusah, wie sie jedes einzelne Stück fein säuberlich wieder zusammentrug. Auch das Hemd und den Gürtel hob sie auf und überreichte ihm alles mit einem leisen „Entschuldigung“. Ein paar der Männer brüllten, und Maria senkte verlegen den Blick, als ihr bewusst wurde, dass sie es war, die sie dermaßen belustigte.
Franco, dessen Aufgabe es war, Julianos Geschichte zu erzählen, hatte sich bisher recht ruhig verhalten, angesichts des bizarren und für ihn vollkommen unverständlichen Ablaufs der Show. Seit vielen Jahren begleitete er Juliano nun schon. Hatte schon einiges erlebt. Aber das hier war auch ihm neu.
Endlich räusperte er sich: „Oho, was für eine stürmische Maid. Sie hatte wohl Angst, dass sie in dem Zelte nicht ausreichend Platz für ihr Liebesspiel fände. Aber seid versichert, holde Jungfer, Meister Juliano ist ein begnadeter Künstler. Ihm wird es gelingen, trotz der Enge euer Blut zum Kochen zu bringen und euch in die höchsten Gefilde von Lust und Ekstase zu geleiten. Denn er ist Meister Juliano, der Liebesgott!“
Marias Blick schweifte schuldbewusst zwischen ihm und dem Zelt hin und her, während Juliano sie noch immer ungläubig anstarrte. Zumindest nahm sie an, dass er das tat. So genau konnte sie dies unter der Maske, die er trug, nicht erkennen. Ohne ein Wort griff er nach ihrem Arm und zog sie in sein Zelt zurück. Die Sachen flogen unachtsam in eine Ecke, und erneut heftete er seinen Blick auf ihre sanften braunen Augen.
„Es tut mir leid, wenn ich deine Show ruiniert habe. Ich verspreche auch, mich von jetzt an zu benehmen.“
Maria kannte seine Vorstellung. Hatte Arbeitskolleginnen davon reden hören. Ziel war es, den Festbesuchern da draußen vorzugaukeln, dass es hier drinnen tatsächlich zu sexuellen Handlungen käme und Juliano, der Liebesgott, beinahe stündlich eine holde Maid beglückte.
„Okay. Ich bin bereit, fangen wir an!“ Schnell nahm sie im Schneidersitz Platz und blickte zu ihm auf, unsicher, ob sie beginnen sollte zu stöhnen, oder ob er den Takt vorgab. Überrascht sah Juliano auf sie nieder, als sie sich nun so bereitwillig fügte und darauf zu warten schien, dass er sein Spiel beginne. Langsam trat er näher, postierte sich so, dass der Knopf seiner Hose unmittelbar vor ihren Augen war, und wartete gespannt, ob sie die Initiative ergreifen würde.

Und das tat sie. Und wie sie es tat. Ihre Wangen röteten sich, den Blick auf den Boden geheftet, kaute sie kurz auf ihrer Lippe herum, bevor sie mit unsicherer Stimme begann: „Oh ja, Juliano. Du bist mein Hengst. Der Liebesgott unter all den Göttern. Oh ja, du bist der Beste.“
Und wieder klappte sein Mund auf. Vor dem Zelt brachen die Zuschauer in haltloses Gelächter aus, als sie das laienhafte Gesäusel vernahmen.
„Ist das so richtig?“, erkundigte sich Maria leise und blickte erstmals wieder direkt in sein Gesicht. Aber Juliano war zu perplex, um zu antworten. So etwas war ihm noch nie untergekommen. Seit unendlich vielen Jahren vollzog er seine Show, und noch keine hatte sich ihm jemals verweigert.
Maria machte weiter. Ihre Stimme klang dabei um einiges fester. „Oh ja, oh ja, mach weiter! Ich kann es gar nicht fassen! Oh ja, oh ja, jetzt! Jetzt, oh ja!“, brüllte sie nun laut, wobei sie ihren Blick nicht von seinen dunklen Augen nehmen konnte.
Da Juliano noch immer keine Anstalten machte, etwas beizutragen, Maria aber der Meinung war, dies nicht mehr steigern zu können, erhob sie sich und verließ das Zelt. Die Plane noch in der Hand, sah sie zurück und versank beinahe im Erdboden, während sie, von fröhlichem Gelächter und belustigten Blicken unzähliger Schaulustiger begleitet, zum Abschied noch ein „Danke. Das war der beste und vor allem schnellste Sex meines Lebens“ hineinwarf.
Juliano erlangte seine Fassung wieder, stürmte hinterher, in der Absicht, sie zurückzuholen. Aber Maria war schnell von der Mauer gesprungen und stand bereits wieder neben dem jungen Mann, mit dem sie vor zehn Minuten vor dem Zelt zum Stehen gekommen war, um sich die einzigartige Darbietung von Juliano dem Liebesgott anzusehen. Noch immer verlegen, ergriff sie die Hand des ausgelassen lachenden Mannes und zog ihn in Richtung der Hauptbühne.
Kurz vor der Biegung wandte sich Maria noch einmal um. Juliano stand reglos auf der Mauer und fixierte sie mit seinen dunklen, geheimnisvollen Augen hinter der Maske. Sein nackter, durchtrainierter Oberkörper glänzte in der Sonne, barfuß, nur in Leinenhosen, mit der Maske im Gesicht, die unweigerlich an einen Vogel erinnerte, stand er da.
In diesem Moment sah er wirklich aus wie ein Gott aus früheren Zeiten. Maria schluckte heftig, bevor sie den Blick von ihm losriss und sich wieder ihrem Begleiter zuwandte.

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Mehr über und von J.J. Winter auf ihrer Website.

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