19. Februar 2015

"Die List des Arminius - Band 2" von Ulla Schmid

Gaius Flaminius ist als einer der wenigen Überlebenden der römischen Truppen aus der Varusschlacht heimgekehrt. Noch zweimal muss er zu einem Einsatz außerhalb Roms. Mit Germanicus, dem Thronfolger, kämpft er drei Jahre lang in Germanien, anschließend begleitet er Germanicus nach Syrien.

Nach dessen Tod kehrt er zurück und lebt seitdem zurückgezogen mit seiner Familie südöstlich von Rom in den Albaner Bergen. Nun droht seinen Verwandten und Freunden Ungemach, denn eines Tages werden sie wegen des Verdachts auf Spionage und Verschwörung gegen Kaiser Tiberius verhaftet und eingekerkert.

Wer steckt hinter diesen Machenschaften? Noch weiß Gaius nicht, dass er Verbündete im Kaiserhaus hat.

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Leseprobe:
Fabius war auch schon da und lächelte den Frauen beruhigend zu. Er hoffte inständig, dass sein Plan funktionierte, denn sonst war Petronius verloren. Die Eltern Amata Cominius’ waren auch gekommen. Jetzt, da Petronius sterben musste, wollten sie endlich in der Öffentlichkeit bekennen, warum ihre Tochter gestorben war.
Petronius wurde gefesselt von Soldaten hereingeführt. Er war sehr blass, wirkte aber gefasst und ein kleines Lächeln spielte um seine Lippen, als er Thusnelda, Irmentrud und die Kinder sah.
„Papa“, jauchzten Lucia und Cornelius und rannten auf ihn zu. Petronius lächelte schmerzlich, auch wenn er nicht der leibliche Vater der Kinder war, so liebte er sie doch wie eigene. Die Anwesenden grinsten erneut. Sie wussten doch schon die ganze Zeit, dass Petronius der Vater der beiden Kleinen war und das jüngste Kind, das Irmentrud auf dem Arm hatte, war auch von ihm. Petronius’ ganze Sorge betraf nicht ihn selbst, sondern nur sie. Jetzt aber, da er wusste, dass Fabius die Beschützerrolle übernommen hatte, konnte er beruhigt gehen.
„Wir führen einen Prozess gegen den Arzt Petronius. Dieser wird beschuldigt, die Frau des Gastwirts Scribonius Potitus, Servilia, ermordet zu haben“, begann der Richter. „Bekennst du dich schuldig?“
„Nein, ich bin nicht schuldig“, antwortete Petronius fest. „Als ich bei Scribonius Potitus eintraf, war die Frau schon tot. Ich habe sie nicht umgebracht. Ich habe sie nicht einmal angefasst und sie nicht richtig untersuchen können.“
„Doch, du hast den Mord an meiner Frau begangen“, schrie Scribonius erregt. Meine Freunde und ich sind dazugekommen und haben gesehen, wie du sie erwürgt hast.“
„Du hast mich in eine Falle gelockt. Ich wusste genau, dass du mich hereinlegst, als du das Mädchen zu mir geschickt hast, weil es deiner Frau nicht gut ginge, und dabei war sie schon tot. Und du wusstest genau, dass ich keine andere Wahl hatte, als zu dir zu gehen. Deine Frau kam in dieser Nacht in unser Haus und hat mich und die Frauen, die in meinem Haushalt wohnen, gewarnt. Du und deine Freunde führten Übles gegen uns im Schilde und ihr wolltet Claudia, die Frau, die mit Julius, dem Sohn des Arztes Fabius Manlius, verheiratet ist, entführen und erst freilassen, wenn Thusnelda, eine der Frauen meines Haushalts, an dich und deine Kumpane ausgeliefert wird. Ihr wolltet ihr und uns etwas Übles antun, weil wir uns gegen eure ständigen Belästigungen gewehrt haben. Du und deine Kumpane habt euch von uns Ohrfeigen eingehandelt, weil ihr euch schlecht benommen habt, und dafür wollt ihr euch nun rächen.“
Der Richter wurde nachdenklich. Wie Scribonius und seine Freunde mit den Frauen und Petronius umgegangen waren und sie dafür von diesen und Petronius geohrfeigt wurden, war in ganz Stapie bekannt. Es würde auch wenig nützen, nach dem Mädchen, das Scribonius zu Petronius geschickt hatte, zu suchen und sie zu befragen. Das würde Petronius auch nicht weiterhelfen. Lange nach dem Prozess versuchten Thusnelda und Irmentrud, das Mädchen zu finden, es war aussichtslos. Es schien, als sei sie gar nicht mehr in Stapie.
„Was du dir alles ausdenkst“, höhnte Scribonius. „Weil es dir jetzt an dein Leben geht, erfindest du solche Geschichten, das kannst du überhaupt nicht beweisen.“
„Aber Irmentrud und ich können es“, fiel Thusnelda ein. „Der eine oder andere hat von uns und Petronius Ohrfeigen bekommen, weil ihr euch schlecht benommen und Irmentrud und mir unehrenhafte Anträge gemacht habt. Ihr wolltet mit uns ins Bett und Scribonius hat mir unter mein Kleid gegriffen, dafür habe ich ihm eine heruntergehauen. Und der da“, sie zeigte auf Licinius, „hat sich Thumelicus, meinem Sohn, genähert. Er hat ihn in eine Hütte gelockt und angefangen, sich auszuziehen, und er hat mein Kind aufgefordert, sich auch ausziehen, und es dürfe mit niemandem darüber reden, denn sonst würde er es umbringen. Ganz aufgelöst ist mein Kind nach Hause gekommen und es konnte sich lange nicht beruhigen.“
Und auch Petronius und Irmentrud waren sehr empört und bestätigten, wie verstört Thumelicus nach Hause gekommen sei und weinend erzählt habe, was ein Mann, den man bis zu diesem Zeitpunkt nicht finden konnte, ihm angetan hatte.
Unwillkürlich musste der Richter grinsen, wurde aber gleich wieder ernst. Man konnte ja Scribonius und seine Kumpane verstehen, die Frauen waren sehr attraktiv, aber so ging das trotzdem nicht. Und was sich Licinius mit dem Kind erlaubt hatte, und er war dabei, Thusnelda und dem Kind zu glauben, ging schon zweimal nicht.
„Petronius hat meine Frau erwürgt und meine Freunde und ich haben es gesehen und alles andere tut hier nichts zur Sache“, sagte Scribonius nach kurzer Unsicherheit.
„Und warum sollte ich das gemacht haben?“, fragte Petronius. „Deine Frau hat mir nichts getan, im Gegenteil, sie hat uns vor dir gewarnt und du hast deine Frau selbst umgebracht und mir die Tat in die Schuhe geschoben. Mich wolltest du aus dem Weg räumen, damit du dich an Irmentud und Thusnelda rächen konntest. Du musstest deine Pläne ändern, weil Claudia und Julius Manlius geflohen sind, und die Flucht kam dir gerade recht. Und selbst wenn ich einen Mord begehen würde, dann würde ich darauf achten, dass mir nicht drei Zeugen zusehen.“
Was Petronius sagte, war einleuchtend und Scribonius wurde blass und unsicher, was vom Richter bemerkt wurde. Er ahnte die Wahrheit, aber gegen Scribonius und seine Kumpane konnte er nichts unternehmen. Die drei sagten übereinstimmend das Gleiche aus. Schweren Herzens musste er Petronius zum Tode verurteilen, er sah keine Möglichkeit, ihn zu retten.
Thusnelda und Irmentrud wurden unruhig. Worauf wartete Fabius denn noch? Und endlich trat dieser vor.
„Darf ich sprechen?“, fragte er.
„Hier darf jeder sprechen, der meint, in dieser Sache etwas zu sagen zu haben“, meinte der Richter freundlich. „Es steht zwar eindeutig fest, dass Petronius der Mörder Servilias ist, aber wenn du meinst, dich dazu äußern zu müssen, dann rede.“

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