19. März 2015

"Das dunkle Ritual: Fletchers Alptraum" von R.O. Schäfer

Geh nicht in den Wald ...

Eine mysteriöse unbekannte Macht hält das Dörfchen Clapham in Atem. Geheimnisvolle Lichter, unheimliche Geräusche und Menschen, die im Wald tot aufgefunden werden, oder dort für immer verschwinden verängstigen die Einwohner. Die Alten sagen: Der Wald ist verhext. Die Jungen sagen: Ein Mörder geht um. Plötzlich geschieht das Unfassbare: Ein kleiner Junge verschwindet. Die abenteuerlustige Alison überredet Fletcher das Kind zu suchen. Gemeinsam mit dem Geist Tom machen sie sich auf den Weg, um dem Geheimnis von Clapham Wood auf die Spur zu kommen.

Die drei Freunde müssen das Rätsel lösen, denn sonst ist der Junge verloren. Eine (fast) authentische Geschichte.

Gleich lesen: Das dunkle Ritual: Fletchers Alptraum>

Leseprobe:
Nur mühsam konnte ich mich auf den Verkehr konzentrieren. Immer wieder musste ich an die vergangenen Tage denken, die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hatten. Bis vor Kurzem hatte ich mit übersinnlichen Vorkommnissen so viel am Hut wie ein Bauer mit Statik.
Nun aber fuhr ich mit der geisterhaften Gestalt eines verstorbenen Jungen auf dem Rücksitz und einer Esoterik Laden Besitzerin auf dem Beifahrersitz Richtung Clapham Wood, um unheimlichen Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Auslöser war die dämonische Erscheinung eines Richters, der mit Hilfe eines mysteriösen Richterhammers die Kraft hatte, Seelen Verstorbener zu bannen und sie in seine Dienste zu stellen. Auch Tom, der Geist des Jungen der sich nun bei mir im Auto befand, gehörte zu seinen Sklaven.
Am Anfang dachte ich noch, dass mir meine Nerven einen Streich gespielt hätten und ich langsam aber zweifellos verrückt würde, aber durch Alison´s Hilfe und Ratschläge konnten wir dem Richter gemeinsam die Stirn bieten und mit ein wenig Glück seine Machenschaften beenden. Bis dahin mussten wir allerdings einige Hindernisse aus dem Weg räumen. Nur durch einen puren Glücksfall kamen wir in den Besitz des Richterhammers und setzten ihn gegen seinen Besitzer ein. Nun, wo die Bedrohung gebannt war, dachte ich, würde mein bis dahin so ereignisloses Leben ohne Gefahr weiterlaufen. Aber durch Alison´s Neugier und ihre ausgesprochene Lust auf Abenteuer saßen wir stattdessen zusammen in meinem betagten Auto und riskierten mal wieder Kopf und Kragen.
Ich schaute kurz in den Rückspiegel und sah Tom immer noch auf meinen Laptop starren.
Mittlerweile war mir die kleine Nervensäge richtiggehend ans Herz gewachsen. Wegen seiner chronischen Langeweile hatte ich ihm den Laptop so präpariert, dass er dort wenigstens etwas lesen konnte. Er war total fasziniert davon und holte gerade die letzten Jahre nach in denen er nur vor sich hin spuken konnte.
Er musste mitbekommen haben, dass ich ihn anstarrte, denn er zwinkerte mir zu.
Ich grinste ihn an. Das einzig Problematische an unserer Freundschaft war, dass nur ich ihn sehen und hören konnte. Man musste verdammt aufpassen wer uns gerade beobachtete, denn in der Regel ist es ja so, dass Menschen, die mit imaginären Personen sprechen, früher oder später in der Psychiatrie landen. Außerdem war es ab und an ein wenig anstrengend alles was Tom sagt erst an Alison weiterzugeben, weil sie leider nicht in der Lage war Tom wahrzunehmen. Ach ja Alison. Sie lag wie ein Igel mit angezogenen Beinen auf dem Sitz, hatte sich mit ihrer Jacke zugedeckt und schlief. Ihr langes dunkles Haar lag offen über der Brust, die sich langsam hob und senkte. Was für eine Frau. Ich muss gestehen, dass ich mich unheimlich in sie verknallt habe, aber bis auf einen kurzen Kuss auf meine Wange, hat sie nicht unbedingt signalisiert, dass das eventuell auf Gegenseitigkeit beruht. Nun ja, noch war ja nicht aller Tage Abend.
Ich packte das Lenkrad wieder ein wenig fester und versuchte den Weg nach Clapham zu finden. Ich wusste eigentlich so gut wie nichts über diesen Ort und Alison hatte nicht viel verraten, außer das dort ein kleiner Junge unter mysteriösen Umständen verschwunden war. Ich konnte mir momentan überhaupt keinen Reim darauf machen, was um Himmels willen wir dort zu schaffen hatten. Bestenfalls, so wünschte ich mir, war der Junge, bis wir dort ankamen wieder aufgetaucht. Vielleicht war er ja nur beim Spielen vom Weg abgekommen oder hatte sich verlaufen.
»Wo sind wir Fletcher?« Alison war aufgewacht und räkelte sich genüsslich. Mit müden Augen sah sie aus dem Fenster und warf einen Blick auf ihre selbstgeschriebene Wegbeschreibung. »Sind wir schon an Peterborough vorbei?«
Ich schnaufte leicht verächtlich. »Du hast etwa zwei Stunden geschlafen. Wir haben schon Bedford hinter uns gelassen und kommen gleich nach St. Albans und dann in den wahrscheinlich dichten Verkehr um London herum. Am besten schaust du gleich mit, wo ich abfahren muss, denn ich habe nicht die geringste Lust mich zu verfahren.«
Ich kann dir auch sagen, wo du lang musst, kam es vom Rücksitz.
Im Rückspiegel konnte ich erkennen, dass Tom sich aufgesetzt hatte und angestrengt den Verkehr vor mir beobachtete. »Bist du schon mal in dieser Gegend gewesen?«, fragte ich. »Nö, dass nicht, aber ich kann verdammt gut und weit sehen. Weiter als du bestimmt. Wo müssen wir denn abfahren?«
Alison war noch immer in ihre Unterlagen vertieft. »Tom fragt, wo wir abfahren müssen.« Sie schaute auf. »Schade das ich ihn selber nicht sehen und hören kann, es würde einiges bequemer machen, meinst du nicht?« Oh ja, das wäre um einiges einfacher. Das ständige Wiederholen von Sätzen, machte mich ganz wuschig im Kopf, dachte ich, sagte aber nichts und nickte nur.
»Sag ihm doch bitte, dass wir nach St. Albans weiter Richtung Horsham fahren müssen.«
»Sag ihr ich bin nicht blöd und kann sehr gut hören was sie gesagt hat«, kam es wieder von Tom.
»Warum sagst du denn nichts Fletcher?«, fragte Alison. »Ja warum sagst du denn nichts?«, kam es von Tom.
»Ahhhhhh! Stopp!«, knurrte ich. »Alison, er kann dich hören. Ich muss nicht immer alles weitergeben, verstehst du?«
Alison warf ihre Haare schnippisch nach hinten und schaute aus dem Seitenfenster. »Ist ja schon gut, ich hatte es einen Moment lang vergessen. Hast du eine Laune.«
Ich seufzte. »Tut mir leid. Aber der Verkehr hier, die letzten Tage und einfach alles. Verstehst du? Meine Nerven sind momentan nicht die Besten. Und nun, anstatt ein wenig Ruhe zu haben, fahren wir in so ein Kaff um ... ja um was denn eigentlich? Du verhältst dich so geheimnisvoll und sprichst nicht mit mir. Das macht mich fertig.«

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Mehr über und von R.O. Schäfer auf seiner Website.

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