27. März 2015

"Nacht im Herzen" von Alissa Sterne

Sie ist auf der Suche nach der wahren Liebe.

Er sieht in ihr ein schnelles Abenteuer für eine Nacht.

Beide verbindet ein tragisches Unglück und eine mitreißende Achterbahnfahrt der Gefühle beginnt.

Gleich lesen: Nacht im Herzen









Leseprobe:
»Krieg ich noch ein Bier, oder ist es dafür schon zu spät?«
Ein besonders primitiver Teil meines Gehirns sortierte Männer bei ihrer ersten Begegnung mit mir binnen Sekunden in drei Schubladen. Süß & schwul. Geht gar nicht. Leider vergeben. Als inkonsequenteste Person, die ich kenne, war es mir durchaus möglich, Männer nach näherer Betrachtung doch nochmal von einer Schublade in die andere zu verfrachten. Ich bin flexibel. Allerdings wurde aus einem „Geht gar nicht“ noch nie ein „Leider vergeben“. Sooo tolerant bin ich dann doch wieder nicht. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja! Beim größten Arsch der Nation.
Als sich unsere Blicke trafen, stand die Welt einen Moment still. Er wollte verdammt nochmal in keine Schublade passen.
Mit seinen dunkelbraunen, perfekt geschnittenen Haaren schrammte er haarscharf an der offenen Schublade „Süß & schwul“ vorbei, weil er zu gut aussah, um süß zu sein. Für „Geht gar nicht“ hatte er ein zu schönes Lächeln und für „Leider vergeben“ fehlte mir das Besondere, die Ecken und Kanten, die mein Herz höher schlagen ließen. Er war einfach zu glatt.
Als Antwort holte ich aus dem Kühlschrank hinter mir eine Bierflasche und stellte sie vor ihm auf den Tresen. »Macht 2 Euro.« Zugegeben, sonst bin ich freundlicher, aber ich hatte so kurz vor Schluss keine Lust auf jemanden, der eine Symbiose mit seinem Barhocker einging, nur weil er noch nicht nach Hause wollte, sondern lieber einer unbekannten Person eine Frikadelle ans Ohr dichtete. Und genau so sah er aus. Et voilà, da war sie geboren: meine vierte Schublade. Nicht-nach-Hause-wollende-Frikadelle-ans-Ohr-Dichter.
»Wann macht ihr denn hier zu?«
»Gleich«, log ich, und schaute schuldbewusst zu Tommy, der sich zum Glück nicht in Hörweite befand, sondern mit zwei Freunden in der hintersten Ecke des Chill Outs saß. Ihretwegen würde ich nicht länger bleiben müssen, das bekam Tommy alleine hin, seinetwegen aber schon. Mein geübter Mitleid-erhaschender-Müdigkeitsblick traf sein Opfer, was bedauerlicherweise nicht die geringste Wirkung zeigte.
»War das heute nicht dein Tag oder warum schaust du mich so miesepetrig an?«
Das saß. Das war eine Beleidigung und Unterstellung zugleich. Er näherte sich mit schnellen Schritten der „Geht gar nicht“-Schublade.

Im Kindle-Shop: Nacht im Herzen

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