2. März 2015

"Die Nanolithografie: Wissenschaftsthriller" von Thomas Biehlig

Eine beängstigende Verschwörung im Rahmen des weltweiten Cyber-War. Ein Szenario das morgen durchaus Realität werden könnte. Detailliert und brutal beschreibt der Autor wie die Supermächte versuchen die Welt 2.0 zu kontrollieren und zu beherrschen.

Marc Jansen arbeitet als Spezialist für Halbleitertechnologie für das Unternehmen Technology News Research. Während er für die auf internationales Patentrecht spezialisierte Kanzlei von Victor Navarro eine Marktanalyse für Netzwerkchips erstellt, erfährt er von einem Informanten, dass der berühmte Wissenschaftler Orlando Lopez tot in einem Kanal in Bangkok gefunden wurde. Angeblich hat er eine wissenschaftliche Entdeckung mit in sein nasses Grab genommen.

Als Marc Jansen ein Angebot von der Kanzlei Navarro für eine Zusammenarbeit bekommt, ändert sich sein bis dahin eher langweiliges Leben schlagartig. Als Partnerin bekommt er die geheimnisvolle Lana de Vries an seine Seite. Der erste Auftrag besteht darin, für ein internationales Konsortium an der Stelle weiter zu ermitteln, wo seine erste Analyse endet, beim Tod von dem Wissenschaftler Lopez. Es beginnt ein bizarres Wettrennen um die angebliche Entdeckung von Lopez. Der Strudel, in den Marc und Lana geraten, besteht aus Mord, Korruption und Intrigen und reicht bis in die höchsten Schaltstellen der internationalen Mächte.

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Leseprobe:
Lopez hockte knietief im Fäkalienschlamm eines Abwasserkanals in Bangkok. Er hörte kaum etwas anderes als das monotone Dauerprasseln des Monsunregens. Neben ihm schwamm der Unrat der Megamillionenstadt. Über ihm befanden sich ein altes Metallgitter, links und rechts dreckige Betonwände. Sollte das sein letzter Anblick auf Erden sein, ein alter, faulig stinkender Kanalschacht?, fragte er sich, als er seine Verfolger wieder ausmachen konnte. Dabei hatte alles so gut begonnen. Als Wissenschaftler beim berühmten Massachusetts Institute of Technology leitete er eine eigene Forschungsabteilung für Quanteninformatik. Ziel seiner Abteilung war es, einen Computer zu entwickeln, der auf Basis sogenannter QBits in der Lage wäre, komplexe Rechenoperationen auszuführen. Ein Nebenprodukt seiner Forschung war dabei die Schaffung einer Verbindung in die bisherige, alte digitale Welt der Nullen und Einsen.
Irgendwann war ihm jedoch alles entglitten. Seine Familie, seine Freunde und sein Job. Anfangs lockte ihn die Aussicht auf viel Geld. Er sollte dafür nur gewisse Informationen weiterleiten und ab und zu sein Expertenwissen einbringen, natürlich parallel zu seinem eigentlichen Forschungsauftrag. Wer seine Auftraggeber waren, interessierte ihn zunächst nicht, solange die Bezahlung stimmte und der Aufwand erträglich war. Doch die Dinge änderten sich im Laufe der Zeit und er wurde erpresst. Ihm wurde damit gedroht, dass seiner Familie etwas angetan werde, falls er nicht wie gewünscht abliefere. Das ging sogar so weit, dass er Kollegen ausspionieren und einschüchtern sollte, um an das gewünschte Know-how zu kommen. Er war in einen Teufelskreis geraten, ohne auch nur den Hauch einer Chance zu entkommen.
Jäh wurde er in seinen Gedanken unterbrochen, als er die Stimmen seiner Verfolger hörte, die versuchten, den Geräuschpegel des Starkregens zu übertönen. Sie suchten ihn, den Verräter.
Dann hörte er Schritte über sich. Vorsichtige Schritte, aber das quatschende Geräusch nasser Schuhe verriet ihm, dass sie ihm verdammt dicht auf den Fersen waren. Er war extra nach Thailand geflogen, um sich unauffällig am Rande einer Fachkonferenz für Chipdesign mit einem Vertreter des US-Kongresses zu treffen. Er wollte aussteigen; sein altes Leben zurück. Er wollte alles einfach nur noch beenden, sich jemandem anvertrauen. Aber es kam anders. Während er auf der Terrasse des luxuriösen Hotels „Riverside“ wartete, um sich mit seinem Kontakt zu treffen, sah er auf einmal den Lauf einer Pistole in der Nacht aufblitzen. Geistesgegenwärtig sprang er in den dunklen, trüben Fluss. Dort schwamm er, so schnell er konnte, und nutzte dabei die leichte Strömung am Ufersaum. Zu seinem Pech hatten die Verfolger blitzschnell reagiert, und nicht nur starke Taschenlampen für die Suche parat, sondern auch ein Boot und mehrere Männer, die offenbar vor nichts zurückschreckten. Ihm gelang es gerade noch, sich rechtzeitig in einen der zahlreichen Abwasserkanäle zu flüchten, bevor ihn die Scheinwerfer des Bootes erfassten. Unglücklicherweise gelang es seinen Verfolgern trotzdem, ihn über Land, auf dem Uferweg zu verfolgen. Er ahnte instinktiv, dass er jetzt nur noch wenige Möglichkeiten hatte, am Leben zu bleiben. Eine Option wäre es, tiefer in den Abwasserkanal zu waten. Eine andere, zu versuchen, den Fluss halb tauchend und halb schwimmend komplett zu überqueren. Wenn nur nicht das Boot wäre, dachte er völlig verzweifelt. Er überlegte gerade fieberhaft, was er noch tun könnte, als ihn unverhofft ein extrem starker Wasserschwall aus dem Kanalinneren erfasste und ihn mit in Richtung Flussmitte riss. Panisch schlug er mit seinen Armen wild um sich, um wieder an die Oberfläche zu gelangen. Nach gefühlten fünf Minuten im reißenden Strom schaffte er es endlich, wieder nach Luft zu schnappen. Ein erster Blick verriet ihm, dass er an dem Boot vorbei war und zu einem guten Drittel den Fluss überquert hatte. Da die Oberflächenströmung allerdings in Richtung Flussmitte immer stärker wurde, übermannte ihn jetzt auch noch die Angst, er könnte einfach ertrinken. Nie wieder der stinkenden Kloake entkommen, sich in dem Müll verfangen, der überall trieb, oder von den Booten, die immer noch recht zahlreich fuhren, überfahren werden.
Seine Gedanken rotierten, seine nasse Abendgarderobe behinderte ihn und zog ihn immer wieder unter Wasser. Er merkte, wie seine Kräfte anfingen nachzulassen und er suchte nach etwas, an dem er sich festhalten konnte. Dann tanzten auf einmal wieder die Scheinwerferlichter seiner Verfolger auf der Oberfläche. Nur noch wenige Meter und sie würden ihn sehen. Dann war es zu spät. Ein starker Lichtstrahl erfasste ihn. Die Motorengeräusche des Bootes kamen unweigerlich näher. Verzweifelt mobilisierte er die letzten Kräfte und schwamm abermals um sein Leben. Er hörte seine Verfolger schon aufgeregt rufen, dann war das Boot bei ihm. Er spürte, wie ihn ein Bootshaken an seinem Sakko erwischte und ihn immer näher an das Boot zerrte. Er hatte keine Chance zu entkommen und ließ sich beinahe willenlos heranziehen. Seine Verfolger packten und hoben ihn mit starken Armen aus dem Wasser. Brutal schleuderten sie ihn auf das Deck und begannen, ihn mit Fußtritten und Faustschlägen zu traktieren. Er krümmte und wand sich, aber es gab keine Deckung. Nachdem er fast bewusstlos geschlagen wurde, sagte ein Mann mit einer guten englischen Aussprache: „Genug! Wir müssen wissen, wem er möglicherweise noch etwas verraten hat.“
„Alles klar O…ähhh, Boss meine ich“, entgegnete eine zweite Stimme und sie ließen von ihm ab. Stattdessen wurde er mit Kabelbindern an Händen und Füßen gefesselt und sie stopften ihm einen alten, nach Öl und Benzin schmeckenden, nassen Lappen in den Mund. Ihm tat alles weh und er vermochte sich nicht mehr zu bewegen, so stark waren seine Schmerzen. Er hörte noch, wie einer der Männer fragte: „Boss, wollen wir in den alten Schuppen?“ Dann wurde der Motorenlärm so stark, dass nichts anderes mehr zu hören war.
Nach einer kurzen Fahrt legten sie schließlich an einem alten, verlassenen Steg an und Lopez wurde wie ein Sack aus dem Boot gehievt und in einen dunklen Schuppen geschleift. Dort schmissen sie ihn zu Boden. Als das Licht anging, versuchte Lopez einen Blick auf seine Peiniger zu erhaschen, aber er war einfach zu geschwächt, um sich umzudrehen. Dafür hörte er wieder den gebildeten Mann: „Ich glaube, er ist reif zum Reden. Fesselt ihn an den Pfeiler und verbindet ihm die Augen!"
Danach sprach ihn der Mann, den sie als Boss bezeichneten, zum ersten Mal direkt an: „Lopez, was haben Sie sich bloß dabei gedacht? Dachten Sie tatsächlich, dass Sie einfach so aus unserer Organisation aussteigen könnten? Wir haben Sie gewarnt, aber Sie wollten ja nicht hören. Jetzt bekommen Sie die Konsequenzen zu spüren.“
Er lachte schäbig und trat Lopez mit einem gezielten Karatetritt plötzlich mitten ins Gesicht. Es krachte heftig und Blut spritzte in Fontänen aus seiner zerschmetterten Nase.
„Hoppla“, sagte der Mann. „Ich glaube, das war jetzt zu viel des Guten. Aber eine Chance wollen wir ihm noch geben.“
Lopez spürte, wie ihm der Knebel aus dem Mund gerissen wurde und ihn jemand hochzog.
„Wenn du uns noch etwas mitteilen willst, dann tu es jetzt, vielleicht lassen wir dich dann am Leben!“
Lopez versuchte krampfhaft etwas zu sagen, aber mehr als ein klägliches: „Icccchhh … „, brachte er nicht hervor und seine Stimme erstarb in einem erneuten Schwall aus Blut, das sich nun ungehindert seinen Weg ins Freie gesucht hatte. Aber es war zu spät. Sein Nasenbein hatte sich so tief in sein Gehirn gebohrt, dass er nicht mehr in der Lage war, sich zu artikulieren.

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Mehr über und von Thomas Biehlig auf seiner Website zum Buch.

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