11. März 2015

"Wie Phoenix aus der Asche" von Carlos Cairo

Als Henrik von Horn erfährt, dass er an Krebs erkrankt ist, bricht eine Welt für ihn zusammen. In seiner Verzweiflung flüchtet er in den Alkohol und schließlich versucht er sich das Leben zu nehmen. Aber das Schicksal ist stärker als der menschliche Wille und hält für Henrik noch einen langen und überraschenden Weg bereit. Auf das Leben eines Bettlers zurückgeworfen, verbringt er nun, der einmal ein angesehener Direktor einer Universitätsbibliothek war, seine Tage am Eingang einer Metrostation, um sich mit seinen selbstkomponierten Liedern sein karges Leben zu verdienen.

Nur mit Schmerzen kann er an seine Vergangenheit denken. Eine gescheiterte Ehe mit einer bösartigen und egoistischen Frau, die einmal seine leidenschaftlichste Liebe war, aber auch sein größter Irrtum. Eine Frau, die ihn in den Ruin getrieben hat, und beinahe bis zum Ende. Aber eines Tages entdeckt ihn per Zufall ein Musikpromoter. Diese Begegnung sollte für Henrik eine radikale Wendung seines Lebens bringen.

Gleich lesen: Wie Phoenix aus der Asche

Leseprobe:
„POSITIV“. Professor Claudio Messina gab sich keine Mühe mir falsche Hoffnungen zu machen. Mit der professionellen Sachlichkeit des Spezialisten erklärte er mir das Resultat seiner Untersuchung. Lungenkrebs. Schon einmal in meinem Leben, als meine erste Frau an Pankreaskrebs erkrankte und nach kurzem schweren Leiden starb, war ich mit einer solchen Diagnose konfrontiert worden. Nun hat es also mich erwischt. Neben Verzweiflung erfasste mich Wut. Dieses wunderbare Wort „positiv“, mit dem im allgemeinen Erfolg und Lebenslust verbunden sind, wird in keinem anderen Bereich, wie in der Medizin, auf so zynische Weise pervertiert. Mir kam der Weltbestseller „Die Kraft des positiven Denkens“ von Norman Vincent Peal in den Sinn. Aber angesichts meiner Perspektive ein unerfüllbares Versprechen. Mit einem Rest an Hoffnung sah ich auf den schmallippigen Mund des Unheilverkünders in Erwartung, dass er das Urteil wieder schlucken oder zumindest mildern würde. Aber es kam nur die Bestätigung:
„Mit einer Chemo- und Strahlentherapie könnte man Zeit gewinnen, aber wir müssen untersuchen, wie weit andere Organe von Metastasen befallen sind.“ Hiobsbotschaften gefasst zu ertragen war noch nie meine Stärke gewesen.
Fassungslos starrte ich ihn an. Er war mein Feind. Nichts wie weg von hier. Ein andermal werde ich mit ihm reden. Aber nicht jetzt. Nicht heute. Im Aufzug, der mich in die Tiefgarage des „Ospedale San Carlo di Nancy“ brachte, sah ich mein verängstigtes Gesicht in einem kleinen Spiegel und kämpfte mühsam um Selbstbeherrschung. Unten suchte ich orientierungslos nach meinem Fahrzeug. Es war dunkel und nur vereinzelt war das Geräusch eines Wagens zu hören. Endlich fand ich mein Auto. Nachdem ich eingestiegen war, versuchte ich meine Fassung wieder zu gewinnen. Es war erst 10 Uhr morgens. Ich sollte Gilda anrufen. So waren wir verblieben. Nach ein paar Minuten hatte ich mich soweit unter Kontrolle, dass ich mich auf den Heimweg machen konnte. Als ich aus der Garage ins Freie kam, blendete mich die Augustsonne. Es herrschte, wie schon während der letzten Monate ein unbeschreiblich schönes Wetter, das im brutalen Kontrast zu meiner verzweifelten Lage stand. Auf dem Weg nach Hause hielt ich an der „Bar Blue“ an der Aurelia und bestellte eine Flasche Weißwein. Bevor ich Gilda sehe, musste ich mich darauf vorbereiten, wie ich ihr diese deprimierende Nachricht sagen werde. In meiner Hilflosigkeit war ich sogar bereit, ihr die Kränkungen und Schmähungen des letzten Tages, obwohl sie mich bis ins Mark getroffen hatten, zu verzeihen. Wenn der Besuch bei Professor Messina anders verlaufen wäre, hätte ich nun vielleicht die Kraft, mich von ihr zu trennen. Schon längst wäre es an der Zeit gewesen, sie zum Teufel zu schicken. Das Fatale an meiner Beziehung zu ihr ist, dass ich nicht mit ihr, aber auch nicht ohne sie leben kann. Nun hoffe ich auf ihr Mitleid. Die Flasche war leer und ich bestellte eine Neue. Langsam wirkte der Alkohol und betäubte meine Ängste. Meine treulose Frau tauchte vor meinem geistigen Auge auf und entführte mich in die Vergangenheit.
Mein Drama hatte seinen Anfang mit der verhängnisvollen Begegnung mit ihr vor sieben Jahren auf Bali. Meine grenzenlose Liebe zu dieser wunderschönen faszinierenden Frau stand unter einem schlechten Stern und brachte mich schließlich so weit, dass mir die Kontrolle über mein Leben aus den Händen glitt. Was für uns beide so verheißungsvoll begonnen hatte, wurde für mich der totale Abstieg. Ich verlor nicht nur meinen bescheidenen Wohlstand, sondern auch, was viel schmerzlicher war, meine Selbstachtung. Aber es war wohl von vorher so bestimmt, dass ich in das Netz dieser Spinne, aus dem ich mich nicht mehr befreien konnte, geriet.
Ich bestellte eine weitere Flasche und versetzte mich sieben Jahre zurück.

Im Kindle-Shop: Wie Phoenix aus der Asche

Mehr über und von Carlos Cairo auf seiner Website.

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