28. April 2015

"Gefangen in einem Schwur" von Marion Krafzik

Überglücklich fiebert Marie mit ihren Freundinnen Marleen und Ruth der Abi-Party entgegen. Doch die Party entwickelt sich für die drei zu einem Desaster und das Leben der jungen Frauen wird brutal auf den Kopf gestellt. Durch einen Schwur soll verhindert werden, dass das Geschehene ans Licht kommt.

Nach acht Jahren treffen die drei wieder aufeinander und Marie wird sich bewusst, dass sie den damaligen Schwur brechen muss. Oder sie zerbricht an ihm. Es beginnt für Marie ein Kampf gegen sich selbst und gegen ihre damaligen Freundinnen, denn diese haben ihre ganz eigene Vorstellung von Wahrheit.

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Leseprobe:
Wolkenbruchartig donnert der Regen auf die Windschutzscheibe. Die Scheibenwischer geben ihr Bestes und dennoch ist es nicht genug. So viel Wasser können auch sie nicht so einfach beiseiteschieben. Marie beugt sich nach vorn und wischt immer wieder mit der flachen Hand über die beschlagene Windschutzscheibe, um eine bessere Sicht auf den dahin schleichenden Straßenverkehr zu bekommen. Es ist kurz vor 9 Uhr in der Früh und dunkel wie an einem Wintermorgen. Marie wird zusehends nervös, weil sie nun schon zum fünften Mal auf der Suche nach einem Parkplatz um den Block fährt. ,Scheiße‘, denkt sie, ,ich werde noch zu spät zur Arbeit kommen.‘ Immer wieder lenkt sie an der Obdachlosen vorbei, die trotz des prasselnden Regens stur an ihrem Stammplatz sitzt. Ihren Blick hat sie starr geradeaus gerichtet. Marie ist mit ihren Gedanken ganz bei der Obdachlosen. ‚Was für ein Leben muss das sein? Tag ein Tag aus bei jedem verfluchten Wetter hier zu sitzen. Mit niemandem reden zu können. Immer allein sein.‘ Es gruselt Marie. ,Das ist kein Leben.’ Der Anblick der Frau löst ein beklemmendes Gefühl bei ihr aus. ,Was ist, wenn du bald wie sie auf der Straße sitzt?‘ Marie drängt den Gedanken beiseite. Vor drei Tagen hat sie Ruth und Marleen getroffen, und seit drei Tagen trinkt sie wieder regelmäßig. Oh, nicht viel, nur so viel, dass der Alkohol sie beflügelt und die Welt nicht mehr so boshaft erscheint. Marie umklammert das Lenkrad. Sie wird es nie schaffen, niemals. Vielleicht wäre es besser, wenn sie sich zu Tode säuft, sie möchte lieber tot sein als so zu enden wie die Obdachlose. Marie gibt Gas.

Im Kindle-Shop: Gefangen in einem Schwur

Mehr über und von Marion Krafzik auf ihrer Website.

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