9. April 2015

"10 Shades of Berlin: Was Sie in der Hauptstadt niemals tun sollten!" von Ignatius Iltis

Aus dem Vorwort:
Berlin ist immer eine Reise wert. In Berlin gibt es viel zu sehen. Deshalb gibt es auch, mal ein paar mehr, mal ein paar weniger - immer so um die drei Milliarden Reiseführer für unsere Hauptstadt. In den verrücktesten Facetten. [...] Aus meinem geplanten Reiseführer ist deshalb eine Art Survival-Ratgeber geworden. Eine Überlebensfibel. Es werden ausschließlich Dinge behandelt, die man in Berlin nicht tun sollte, will man nicht Leib und Leben riskieren.

Für solche Dinge nämlich bedarf es jahrelanger Übung. Wer so etwas als ungeübter und unerfahrener Tourist trotzdem macht, ist mehr als leichtsinnig. Man geht ja auch nicht ohne Führer ins Watt. Und man besteigt auch keine Achttausender mit Sandalen.

Gleich lesen: 10 Shades of Berlin: Was Sie in der Hauptstadt niemals tun sollten! ("Der Herr Iltis ist immer so komisch ..." 2)

Leseprobe:
Was man in Berlin zum Beispiel keinesfalls mal eben so machen sollte, ist, mit einem Einheimischen zu telefonieren. Nicht einfach mal eben zum Handy greifen, um Gottes willen! Es gibt noch keine offiziellen Todeszahlen von Touristen, die beim Telefonieren in Berlin am Schlaganfall gestorben sind. Aber die Dunkelziffer wird sowieso viel höher sein.
Gestorben! Nur, weil diese armen Menschen irgendwo in Berlin angerufen haben. Völlig ungeschützt.
Zum Beispiel im Museum.
Es beginnt schon damit, dass die Einheimischen sich am Telefon stets nur als Nummer melden:
Hier zwozwofünf
Oh, Entschuldigung, bin ich da nicht im Museum?
Wen woll'n Se denn?
Ich wollte nach den Öffnungszeiten fragen …
Und wie sind Se jetz zu mir jekomm?
Das weiß ich nicht, ich wurde offenbar durchgestellt.
Det war bestimmt wieda die Forte!
Wer?
Unten, die Förtner. Den kannste tausendmal sagen: Öffnungszeiten, det is Müller mit seine Truppe. Det kapiern die einfach nich. Imma neue Leute, allet Aushilfn. Muss ja überall jeschpart wern!
Verstehe, aber können Sie mir nicht einfach die Öffnungszeiten …
Nee, da müssn Se nochma anrufen. Und sagn Se inne Forte gleich: Öffnungszeiten - det is Müller mit seine Truppe. Is ne janz andere Abteilung. Sitzen drüben, im andern Flügel.
Also wird man noch einmal anrufen:
Guten Tag, ich hätte gern Herrn Müller gesprochen, wegen der Öffnungszeiten.
Vorname?
Von Herrn Müller? Den weiß ich nicht.
Momang. Hörer wird beiseite gelegt, Papier raschelt:
Hans haick hier, Irene …nee, det wars.
Das Drama nimmt seinen Lauf. Der Tourist wird zum ersten Mal ausfällig.
Verdammt, ich will doch nur wissen, wie lange Ihr Museum heute …
Neeneenee, so nich!
Wie bitte?
Ick mach hier och nur mein Job. Seit siehm sitz ick hier, janz alleene …
Verstehe, ich will ja auch nicht weiter stören, ich wollte nur wegen der Öffnungszeiten …
Na sehen Se, jeht doch. Also Öffnungszeiten, momang. Es knackt, man wird durchgestellt:
Zwozwofünf.
Oh, jetzt bin ich wieder bei Ihnen gelandet, ich wollte fragen, wegen der Öffnungszeiten …
Sind Se der von ehm?
Ja.
Ham Se inne Forte nich jesacht, det Öffnungszeiten Müller seine Truppe is?
Doch.
Ja, und nu?
Gerade gestern habe ich erlebt, wie sie wieder einen Touristen abführten, der um sich trat und spuckte und wild schrie: Ich will ja gar nicht in Euer Museum. In euer doofes, blödes, Scheißmuseum!
Immerhin - er hat wahrscheinlich überlebt. Viele andere sind gefallen. Weil sie unvorsichtig waren, übermütig. Weil sie die Gefahr unterschätzt und in Berlin einfach so telefoniert haben.
Da hält sich dann - bei aller Pietät - das Mitleid auch irgendwie in Grenzen.

Im Kindle-Shop: 10 Shades of Berlin: Was Sie in der Hauptstadt niemals tun sollten! ("Der Herr Iltis ist immer so komisch ..." 2)

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