12. Juni 2015

"Horizon - Aufbruch ins Ungewisse" von Amanda Laurie

Nachdem er fernab der Heimat erzogen wurde, wird der sechzehnjährige Königssohn Corin von seinem Vater an den Hof nach Carbonn beordert. Widerwillig fügt er sich dieser Entscheidung. Doch fühlt er sich auf Burg Carbonn nicht wohl. Selbst das Zusammensein mit seinem älteren Bruder ist für ihn eine Herausforderung, da beide nicht unterschiedlicher sein könnten. Indes verfolgt der König Pläne, die auch das Schicksal seiner Söhne mit einschließen. Denn das magiebegabte Volk von Lindoras ist seiner Familie noch einen Gefallen schuldig, und diesen möchte er endlich einfordern.

Als Corin schließlich von seiner besonderen Gabe erfährt, steckt er bereits mitten in einem großen Abenteuer, bei dem auch Riesenadler eine Rolle spielen …

„Horizon – Aufbruch ins Ungewisse“ bietet eine Mischung aus Abenteuer und Magie. Es ist der Auftakt einer Fantasy-Buchreihe für Leser ab 12 Jahren.

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Leseprobe:
Corins Blick huschte zwischen seinem Vater und dem Ungetüm ... Abernath ... hin und her. Wie konnte man solch einem hässlichen Vieh einen Namen geben? Wieso saß der dämliche Vogel seelenruhig dort und ließ sich streicheln? Und was meinte sein Vater mit »Gefährten im Geiste«?
Corin schluckte, während sein Gehirn versuchte, Antworten auf diese Fragen zu finden. Doch das drückende Gefühl, das sich über seinen Kehlkopf gelegt hatte, wollte nicht schwinden.
Corin vernahm das schlagende Geräusch kräftiger Schwingen. Am Himmel über ihnen kreisten die übrigen Adler.
»Die wollen aber nicht alle hier landen?«, fragte er verunsichert.
»Nein, das hier ist Peronimus‘ Horst. Der einzige Ort, zu dem Menschen Zugang haben. Die übrigen Vögel leben in anderen Felsnischen, im Gebirge verteilt.«
Corin kam nicht mehr dazu zu fragen, wer Peronimus war, denn einer der Vögel schoss steil nach unten ... direkt auf sie zu. Corin taumelte zurück und hätte beinahe den Halt verloren, hätte sein Vater nicht reagiert und ihn am Arm gepackt.
»Verdammt, Junge, nimm dich zusammen!«, schimpfte er. Trotz seiner barschen Worte hörte Corin Sorge heraus.
Ein riesiger Schatten legte sich über die kleine Gruppe. Corin erstarrte. Seine Augen weiteten sich entsetzt. Nie im Leben hätten sie allesamt Platz hier oben! Aber selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sich jetzt nicht mehr fortbewegen können. Zu schockiert war er aufgrund des Anblicks. Er sah eine Menge Federn, zwei braune Flügel, kräftige behaarte Beine mit scharfen Krallen – und dann, wie der riesige Körper des Tieres zwischen ihnen zur Landung ansetzte.
Der Vogel legte die Flügel an, hielt den Kopf schräg und schien die Eindringlinge zu mustern, die es gewagt hatten, seinen Horst zu betreten.
Corin hielt den Atem an, immer noch unfähig, sich zu bewegen, und starrte den Neuankömmling an.
»Was geht hier eigentlich vor?«, wisperte er, in der Hoffnung, keines der Tiere aufzuschrecken.
»Das ist Peronimus, der König der Adler.«
Als sei damit alles geklärt, wandte sich sein Vater an den Vogel neben sich. »Peronimus, sei auch du gegrüßt.«
Ein leises Klackern seines Schnabels, dann beobachtete der Vogel Corin. Bryant lehnte währenddessen mit seiner Stirn am Kopf von Abernath, der leise, keckernde Laute von sich gab.
Wie konnte sein Vater so nah an den wilden, gefährlichen Vogel herantreten? Wieso ließ sich ein Raubvogel überhaupt solche Berührungen gefallen? Corin hätte viel eher erwartet, dass das Tier mit einem Schlag seiner Schwingen ihr Leben beendet hätte. Stattdessen klang der Vogel zufrieden und schien die Streicheleinheiten zu genießen.
Corin traute seinen Sinnen nicht. »Was sind das für Tiere? Ihre Größe ist doch nicht normal!«, wisperte er.
Erst jetzt schien sich Bryant zu entsinnen, dass er nicht alleine war. Stolz betrachtete er seinen Sohn.
»Das ist ein Teil deines Erbes, Corin.«
Corin runzelte die Stirn. Er verstand nicht. Das waren Vögel. Bei näherer Betrachtung gar keine so hässlichen, wie er ursprünglich geglaubt hatte. Das braune Gefieder glänzte, stellenweise stachen bei dem einen an den Flügelenden sowie am Bauch helle, fast weiße Federn hervor. Dennoch hatten die Vögel nichts gemein mit einem Menschen. Wie konnten sie Teil seines Erbes sein?
Bryant schmunzelte. »Was glaubst du denn, wie das Wappen der Bryants entstanden ist?«
Corin versuchte, sich zu erinnern, was er darüber gehört hatte. Von irgendeinem Vorfahr war die Rede gewesen, großer Gefahr, irgendeiner Sage. Er hatte nicht genau zugehört, denn er konnte sich erinnern, dass dies eine der Unterrichtsstunden gewesen war, in denen Raoul ihn geärgert hatte. Da war er eher beschäftigt gewesen, diesem unauffällig Konter zu bieten ... und ihm nach der Stunde mit seinen Fäusten das Maul zu stopfen.
Doch diese Antwort würde Bryant nicht erfreuen.

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Mehr über und von Amanda Laurie auf ihrer Website.

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