23. Juni 2015

'Prinzessin in Not' von E.M. Tippetts

Chloe hat ihr Masterstudium abgeschlossen und einen Job als Kriminaltechnikerin in ihrer Heimatstadt Albuquerque, New Mexico, angenommen. Die Medien wollen sie allerdings immer noch nicht in Ruhe lassen. Sie folgen ihr auf Schritt und Tritt und belästigen sie selbst bei ihrer Arbeit an Verbrechensschauplätzen, nur um zu zeigen, dass ihre Ehe mit Hollywood-Topstar, Jason Vanderholt, vor dem Aus steht. Millionen Fans, die von einer eigenen Romanze mit ihm träumen, wünschen sich dies mehr als alles andere. Diese Belästigungen geschehen zu einem besonders schlechten Zeitpunkt, da Chloe gerade mitten in ihrem ersten Fall steckt - ein Verbrechen gegen ein Kind, das ungefähr in dem gleichen Alter ist, in dem Chloe damals war, als sie einen Mordversuch überlebte.

Jetzt wo sie so einen Fall aus der Perspektive eines Erwachsenen sieht, wird ihr klar, dass die Arbeit daran sogar noch schlimmer ist, als sie sich hätte erträumen lassen. Für Jason ist es sogar noch schlimmer, der zwar etwas Abstand zu dem Verbrechen hat, aber hilflos zusehen muss und versucht, seine Ehefrau dabei zu unterstützen, wie sie mit den Dämonen ihrer Vergangenheit kämpft und einem namenlosen Täter nachjagt, der unauffindbar scheint. Nie war Jason frustrierter mit seinem Beruf, dessen Oberflächlichkeiten und dem mangelnden Bezug zur Realität. Als er bei seinem aktuellen Filmprojekt vom Set stürmt, überschlägt sich die Presse mit Vermutungen. Vielleicht hat er doch nicht viel mehr zu bieten, als ein hübsches Gesicht.

Zusammen müssen Chloe und Jason sich ihren Weg vorbei an den Blitzlichtern der Kameras und durch den dunklen Irrgarten der polizeilichen Untersuchungen schlagen, um herauszufinden, ob sie ihre Karriereziele und die Herausforderungen ihrer Promi-Ehe balancieren können. Es scheint alles dagegen zu sprechen.

Buch 2 der "Nicht mein Märchen"-Reihe von E.M. Tippetts.

Gleich lesen: Prinzessin in Not (Nicht mein Märchen #2)

Leseprobe:
Das Innere des Hauses war gepflegt, aber nicht so gepflegt, dass es verdächtig wirkte. Es gab dreckiges Geschirr in der Küchenspüle, vertrocknetes Katzenfutter in einer Schüssel bei der Hintertür und eine Pflanze auf der Küchenanrichte, die es offenbar hinter sich hatte.
Officer Baca ging zum TV-Schrank und untersuchte die DVDs dort, während Miguel und ich uns in das Büro aufmachten, wo die Bilder auf einem Computertisch liegen sollten.
Miguel fand die Bilder und schob sich zwischen sie und mich. Während er sie abstaubte, warf ich einen Blick auf den Computer. Es würde die Aufgabe des Detectives sein, diesen nach weiteren Bildern zu durchforsten und wenn er welche fand, mussten wir den Computer zu Wilson ins Labor bringen, der ihn dort dann weiter untersuchen würde.
„Hm…“, sagte Miguel. „Ich weiß ja nicht.“ Er ging einen Schritt zurück und ließ mich die Fotos sehen, die ein kleines Mädchen in einer Badewanne zeigten, welches in die Kamera grinste. „Bin mir nicht sicher, ob das Pornographie ist.“
Ich zuckte die Schultern. „Das ist wohl so eine Sache, wo wir froh sind, dass wir das nicht beurteilen müssen, richtig?“
„Wohl wahr.“ Mir machten uns ans Dokumentieren, nahmen Fingerabdrücke und packten die Fotos ein, dann machten wir uns auf die Suche nach dem Detective, der sich gerade dem Pickup-Truck widmete.
„Tja“, sagte er, als wir näher kamen. „Ich sehe hier nichts Verdächtiges.“
„Hat der Verdächtige irgendwelche Vorstrafen?“, fragte Miguel.
„Nein.“
Miguel und ich tauschten einen weiteren, unbehaglichen Blick aus.
„Ich habe einen Kriechzwischenraum unter dem Haus abgesucht, während ihr beiden noch im Büro wart, ich sehe mir jetzt das Büro und den Rest des Hauses an. Im hinteren Garten gibt es ein Blumenbeet, das erst kürzlich umgegraben wurde, seht euch das mal an. Ein paar Jungs von der Mordkommission sind schon auf dem Weg hierhin.“
„Alles klar“, sagte Miguel. Wir gingen beide um den Carport herum und betraten den hinteren Garten durch ein kleines Tor. Das besagte Blumenbeet erstreckte sich die gesamte Rückseite des Hauses entlang und ein Teil davon war wirklich erst vor Kurzem umgegraben worden. Die Erde dort war loser und dunkler und die Pflanzen offensichtlich anders. Keine von ihnen hatte Blüten, was bedeuten könnte, dass sie noch neu waren. Ich war keine Gartenbaukünstlerin, also konnte ich das nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Vielleicht waren es auch einfach blütenlose Pflanzen.
Miguel legte den Kopf auf die Seite. „Wir scheinen hier ‘ne Aufschüttung zu haben.“
Er hatte recht, jetzt wo ich genauer hinsah. Die Erde war am hinteren Ende des Beetes deutlich höher und fiel nach vorne hin ab. Es war möglich, dass hier etwas direkt an der Hauswand vergraben wurde.
Mehrere Stimmen ertönten im Vorgarten und bald gesellten sich zwei weitere Männer in Zivilkleidung zu uns. Ich hörte nur mit einem Ohr zu, während sie sich als Detectives der Mordkommission vorstellten; beide hatten angegrautes Haar und braune Augen. Wenn Detective Baca es geschafft hatte, sie hierhin zu bestellen, gingen sie wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass sie hier einen Fall hatten. Ich spürte, wie ich mich abschottete, meinen Verstand von meiner Wahrnehmung trennte und ihn in meinem Innern zusammenkauern ließ. Falls etwas wirklich, wirklich Schlimmes passieren sollte, wollte ich nicht komplett da sein, um es zu sehen.
Beide sahen auf das Blumenbeet und runzelten die Stirn. „Jap“, sagte einer von ihnen, „da ist ein Hügel.“ Er und sein Partner knieten sich hin und begannen zu graben. Die Pflanzen häuften sie auf der Seite auf, während sie tiefer und tiefer gruben, wie Hunde, die einen Knochen suchten.
„Da ist etwas, glatt und rund.“
Säure sammelte sich in meinem Magen. Ich wollte nicht sehen, wie sie einen Schädel ausgruben.

Im Kindle-Shop: Prinzessin in Not (Nicht mein Märchen #2)

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