30. Juni 2015

"Die Macht der Winterelfen" von Eliane Roth

Akaria steht kurz vor dem Untergang, als die nichts ahnende 16-jährige Halbelfe Zoë von der Königin in die Elfenwelt geholt wird. Ihre Aufgabe besteht darin, die Macht der Winterelfen zu zerstören und das Reich zu retten. Zusammen mit dem geheimnisvollen Elfen Nyamari und dem vorwitzigen Nivel macht sich Zoë auf den Weg ins Winterland. Auf der Reise beginnt sie allmählich Gefühle für den Jungen zu entwickeln. Doch Nyamari scheint etwas vor ihr zu verbergen - und er ist nicht der Einzige.

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Leseprobe:
Es begann mit einem kleinen, unscheinbaren Zettelchen. Sie wusste nicht, woher es kam. Es war einfach da. Von einem Augenblick auf den anderen. Sie hatte nur kurz geblinzelt. Es schien wie Magie.
Ihr Herz setzte für einen Schlag aus. Ihre Finger umklammerten die Schreibfeder so verkrampft, bis die Adern blau hervortraten. Ein unwohles Gefühl breitete sich in ihr aus. War es das Ende? War die Zeit der vier Elfenstämme tatsächlich vorbei?
Lange hatte sie auf ein Zeichen gewartet, dass sich alles zum Guten wenden würde. Zu lange. Um ehrlich zu sein, hatte sie die Hoffnung beinahe schon aufgegeben. Dieses Zettelchen aber nahm ihr endgültig den letzten Funken Zuversicht.
Unsicher wandte sie den Blick davon ab und hob den Kopf. Sie fühlte sich beobachtet. Niemand. Sie war alleine.
Elda, die Königin der Frühlingselfen saß alleine vor dem riesigen Schreibtisch ihrer Arbeitskammer. Es war unheimlich still. Eldas Herz begann immer wilder zu klopfen, so laut, dass sie das Gefühl hatte, das Pochen war im ganzen Raum zu hören.
Nach einer Weile senkte sie den Blick; er blieb erneut an dem Zettel haften. Sie schluckte schwer und streckte dann zögerlich ihre zitternden Finger aus, um danach zu greifen.
Das Papier fühlte sich dünn an in ihren Händen, so, als wäre es schon mit vielen in Berührung gekommen. Die Königin faltete es auseinander, sorgfältig darauf achtend, dass es nicht zerriss. Eine fast unleserliche, gewundene Schrift kam zum Vorschein.
Elda beugte sich vor und hielt die Nachricht näher ans Licht, um sie besser entziffern zu können. Es stand nicht viel geschrieben. Um genau zu sein, war es ein Satz. Ein Satz, der alles veränderte. Die Elfenkönigin fasste sich nachdenklich an die Stirn und las den Satz noch weitere drei Male durch. Auf einmal löste sich die Anspannung von ihr und es schlich sich sogar ein zufriedenes Lächeln auf ihre Lippen, als sie den Zettel wieder zusammenfaltete.
Kaum hatte sie ihn aus den Fingern gelegt, verschwand er.
Spurlos.
Die Worte aber hatten sich für immer in Eldas Gedächtnis eingebrannt.

Die Regentropfen klatschten ans Fenster, bevor sie in feinen Strömen die Scheibe hinunter rannen. Ich beobachtete dieses Spiel der Natur schon eine ganze Weile. Dabei war ich völlig in meine Gedanken versunken – was ich ziemlich oft war.
Kaum jemand wusste, was für ein verträumter Mensch ich war und wie gerne ich über den Sinn des Lebens nachdachte. Meine Freunde sahen in mir nur die hübsche Brünette, die immer ein Lächeln auf dem Gesicht trug und alle mit ihrem großen Mitteilungsbedürftnis beeindruckte. Um ehrlich zu sein: Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wer ich wirklich war. Niemand. Nicht einmal ich.
Ich drehte mich ächzend auf den Rücken und blickte zur Zimmerdecke. Sie war in einem erfrischenden Grün gestrichen. Dasselbe Grün, in dem auch meine Augen erstrahlten. Es war kein gewöhnliches Grün. Der Augenspezialist bezeichnete es als ein „leicht gelbliches, kräftiges Grasgrün“. Auf Grund dieser außergewöhnlichen Farbe wurde ich als Kind von den verschiedensten Ärzten untersucht. Nachdem allerdings eine schlimme Krankheit ausgeschlossen werden konnte, wurde ich mit der Aussage, es wäre wohl nur ein harmloser, genetischer Fehler, entlassen.
Gelangweilt wandte ich mich wieder dem Fenster zu. Vielleicht klingt es merkwürdig, aber es war mein Lieblingsfenster in diesem Haus. Es ermöglichte mir die Sicht auf die ganze Straße und natürlich auf das gegenüberliegende Haus – wenn man diese Bruchbude noch ein Haus nennen konnte. Dieses stand schon seit Jahrzehnten leer und hatte begonnen zu verfallen. Kein Mensch kümmerte sich darum, denn niemand wollte die Kosten eines Abrisses oder einer Restaurierung auf sich nehmen. Ich hatte kein Problem damit. Lieber ein mysteriös wirkendes Haus, als einen modernen Betonbau, der überhaupt nicht in die Queen Street passte.
Bei schönem Wetter machte die Straße einen durchaus freundlichen Eindruck. Die Leute kümmerten sich mit Liebe um ihren Garten und winkten den Vorbeigehenden zu. Jetzt dagegen wirkte die Queen Street furchteinflössend. Der Nebel schien die Nachbarschaft verschlingen zu wollen, der Himmel hatte sich dunkel verfärbt, dabei war es gerade mal Mittagszeit, und ein heftiger Wind pfiff ums Haus. Die perfekte Szene für einen Horrorfilm.
Ich seufzte. Wenn doch nur etwas geschehen würde. Etwas Aufregendes. Die Ferien waren geradezu langweilig und das Wetter hinderte mich daran, auch nur einen Fuß aus dem Haus zu setzen. Alle meine Freunde waren verreist, sogar meine Eltern haben mich hier im Stich gelassen. Nicht dass ich auf ihre Hilfe angewiesen wäre, ich meinte nur, dass die Langweile noch unerträglicher ist, wenn man alleine zu Hause sitzt. Während ich ein Gähnen unterdrückte, griff ich nach meinem Buch. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine Bewegung wahr. Ich ließ das Buch wieder zu Boden fallen und starrte angestrengt aus dem Fenster.

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