26. Juni 2015

"Römer, Ritter, Fußballhelden" von Hildegard Grünthaler

Warum demonstrieren die Einwohner von Schroffenfels mit großen Plakaten vor dem Rathaus? Warum kreuzt alle Nase lang das Fernsehteam von Doku-TV in dem unbedeutenden Nest auf? Weil Studienrat Böckmann den Fußballplatz umgräbt und der 1.FC-Schroffenfels dort eigentlich Fußball spielen will. Und was haben Daniel, Jörg und Martin mit der mysteriösen Geschichte zu tun? Eigentlich beginnt die ganze Geschichte ja bereits im Jahr 162 - es kann aber auch im Jahr 163 gewesen sein - als sich Rufus Monetus, unterwegs als Geheimbotschafter des Kaisers Markus Aurelius, hoffnungslos im Wald verirrte.

Hätte sich sein Diener Festus nicht aus Versehen auf die kostbare Amphore der Tante Calpurnia gesetzt und dann aus Angst die Scherben auf einer Lichtung vergraben, wäre die Geschichte damit auch schon wieder zu Ende. So aber ruht sie mit den Scherben in der Erde - bis eines schönen Tages das morsche Fußballtor der Schroffenfelser über ihnen zusammenbricht … Mit ziemlicher Sicherheit hätte die ganze Sache nur halb so viel Wirbel verursacht, wenn Jörgs Vater damals, während des Italienurlaubs, die ‚antike‘ Amphore, die ihm ein alter Gauner angedreht hatte, gleich vor dem Kauf prüfend umgedreht hätte ... Hätte -, so genau weiß man das natürlich nicht - denn auch Claudia, Daniels große Schwester, hat ihre Hände im Spiel …

Römer, Ritter, Fußballhelden ist zwar die Geschichte eines Fußballplatzes, aber es ist keine Geschichte über Fußball, auch wenn einige der Akteure Fußballspieler sind. Es ist auch keine Geschichte über das Alte Rom, auch wenn sie dort im Jahr 162 beginnt. Eines ist Römer, Ritter, Fußballhelden aber ganz bestimmt: eine spannende und lustige Abenteuergeschichte für Jungen und Mädchen ab 9 Jahren - und für jung gebliebene Leser bis 99!

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Leseprobe:
Der ehrenwerte Senator Gajus Monetus hob schwer atmend den silbernen Becher an die Lippen, um mit einem Schluck Wein Ärger und Enttäuschung hinunterzuspülen. „Ich weigere mich, diesen faulen Hohlkopf noch länger zu unterrichten!“, hatte ihm Petronius soeben erklärt. „Nicht für alles Geld, das in Rom aufzutreiben ist!“ Daraufhin hatte der Gelehrte hastig seine Pergamentrollen zusammengerafft und war leise vor sich hinbrabbelnd aus dem Haus geschlurft. Der Senator seufzte. Rufus Monetus, sein Sohn, Spross der ruhmreichen und ehrenwerten Familie Monetus – ein fauler Hohlkopf! Gajus Monetus trank den Becher in einem Zug leer und wischte sich mit dem Handrücken die Lippen ab. Dann richtete er sich mit einem Ruck auf. Er wusste, was er nun zu tun hatte. Entschlossen zupfte er die Falten seiner Toga zurecht und schritt energisch über das kunstvolle Mosaik des Atriums zum Studierzimmer. Stirnrunzelnd blickte der Senator auf den jungen Mann in der kurzen, weißen Tunika hinab, der sich dort, inmitten achtlos herumgeworfener Schriftrollen, auf einem Ruhebett lümmelte. „Er könnte das Idealbild eines edlen Römers abgeben“, dachte der Senator mit Wehmut. „Hat er doch von mir die gerade Nase und die ebenmäßigen Züge geerbt, welche die Mitglieder der Familie Monetus auszeichnen. Aber das träge Leben und die Vorliebe für süßes Gebäck haben seine Muskeln fett und schlaff werden lassen und sein Gesicht zu einem wahren Vollmond aufgebläht.“ Gajus Monetus seufzte lautlos und räusperte sich dann vernehmlich, als gelte es, eine Rede vor den versammelten Senatoren zu halten:
„Mein Sohn", begann er mit gestrenger Stimme, „wie du weißt, ist es seit jeher der sehnlichste Wunsch deiner Mutter gewesen, dass aus dir einmal ein berühmter Dichter oder Denker wird. Und wie du sicher auch weißt, habe ich weder Kosten noch Mühen gescheut, die fähigsten Lehrer und angesehensten Philosophen zu deiner Erziehung in mein Haus zu holen. Aber ihr redliches Bemühen blieb leider ohne jeden Erfolg, denn zum Dichten fehlt dir die Fantasie und zum Denken der Verstand!“ Der Senator machte eine Pause, um die Wirksamkeit seiner Worte zu erhöhen und Rufus grapschte mit seinen dicken Fingern unbeeindruckt nach einer Schale mit kandierten Früchten.
„Mein Sohn", fuhr der Senator leicht irritiert fort, „du bist nun achtzehn Jahre alt, und da du nicht zum Philosophen taugst, habe ich beschlossen, dass du in die Legionen des Kaisers eintreten wirst, um Soldat zu werden. Niemand wird dort vermissen, dass die Götter dich nicht mit ausreichenden Geistesgaben gesegnet haben, denn als Soldat brauchst du nicht zu denken, sondern nur zu tun, was man von dir verlangt.“ Der Senator unterbrach seine Rede wieder durch eine Kunstpause, und Rufus stopfte sich eine neue Leckerei in den Mund.
„Mein Sohn", begann der Senator von Neuem, „ich erwarte von dir, dass du tapfer bist, nach Ruhm und Ehre strebst wie einst unsere Vorfahren, und dass du dafür sorgst, dass der Glanz des Namens Monetus nicht verblasst!“ Gajus Monetus warf sich nach diesen Worten das herabgerutschte Ende der Toga über die Schulter und sah erwartungsvoll auf seinen Sprössling hinab.
Rufus blinzelte seinen Vater aus müden Augen an, gähnte und drehte sich gelangweilt auf den Bauch, um sich von seinem Diener den Rücken mit wohlriechendem Öl massieren zu lassen. Er dachte nicht im Traum daran, in den Legionen des Kaisers zu dienen - und Ruhm und Ehre – waren ihm schnuppe. Tief betrübt verließ der Senator das zweckentfremdete Studierzimmer und ihn beschlich die düstere Ahnung, dass sein Sohn zu nichts anderem als zum Faulpelz taugte.
Zu jener Zeit, es war um das Jahr 162, vielleicht war es aber auch das Jahr 163, regierte in Rom der Kaiser Mark Aurel. Es heißt, dass der Kaiser ein sehr weiser Mann war, deshalb blieben ihm auch die Sorgen seines hoch geschätzten Senators nicht verborgen. Seit einer halben Stunde schon wandelte der Kaiser in seiner Bibliothek auf und ab und legte angestrengt nachdenkend die Stirn in Falten. Keiner seiner Kommandanten wollte den nichtsnutzigen Sohn des Gajus Monetus haben. Auch der Hauptmann der Garde hatte abwehrend die Hände erhoben. Das verhätschelte Muttersöhnchen eines Senators? Nein, das könne ihm nicht einmal der Kaiser zumuten, hatte der Hauptmann gerufen.
Mark Aurel wollte den geschätzten Senator nicht enttäuschen, und nachdem er gut ein Dutzend Mal die marmornen Säulen in der Bibliothek umrundet hatte, kam ihm plötzlich ein wahrhaft kaiserlicher Geistesblitz: „Ich werde ihn ins ferne Germanien schicken“, sprach der Kaiser zu sich selbst, „mit einer streng geheimen Botschaft. Und der geschätzte Senator wird sich hochgeehrt fühlen! Dass die Botschaft absolut überflüssig ist, werde ich ihm natürlich nicht auf die Nase binden. Aber schließlich muss ich ja damit rechnen, dass das verzärtelte Bürschchen niemals sein Ziel erreichen, und sehr wahrscheinlich auch nie mehr nach Rom zurückfinden wird.“
Diesem allerhöchsten und wahrhaft weisen Befehl konnte sich nicht einmal der träge Rufus entziehen.
„Bei allen Göttern!“, jammerte seine Mutter Livia, als sie vom ‚ehrenvollen‘ Auftrag ihres Sohnes erfuhr. „Zu den wilden Barbaren, wie schrecklich! Sie werden meinen armen Rufus umbringen!“
„Die Wölfe werden ihn zerreißen!“, unkte Großmutter Camilla.
„Er muss bestimmt jämmerlich verhungern, so ganz allein in diesem barbarischen Land!“ Die Mutter raufte sich vor Gram die Haare.
„Und erst die unmenschliche Kälte dort, das raue Klima! Mein armer Bub wird sich bestimmt erkälten und an einer Lungenentzündung sterben!“ Die Großmutter begann verzweifelt zu schluchzen und zerriss vor Trauer ihre Kleider.
„Das alles ist noch lange nicht das Schlimmste“, begann nun Tante Calpurnia, die bis jetzt geschwiegen hatte. „Glaubt mir, das Schlimmste sind die rohen Sitten der Barbaren und der Legionäre! Das zarte Kind wird seine gute Erziehung vergessen und – wenn überhaupt – als roher Soldat zurückkehren!“ Tante Calpurnia wusste, wovon sie sprach, denn sie hatte eine Freundin, die einst ihren Mann ins wilde Germanien begleitet hatte. Gemeinsam besuchten die Frauen sämtliche Tempel der Stadt. Sie opferten dem Jupiter, der Juno, der Minerva und dem Mars, und vorsichtshalber auch noch den weniger wichtigen Göttern, um den Schutz der Himmlischen für ihren armen Liebling zu erflehen. Als dann der Tag des Abschieds gekommen war, packte Livia ihrem Sohn so viel Verpflegung ein, dass er damit eine halbe Legion Soldaten hätte ernähren können. Die Großmutter hatte ihrem Enkel einen besonders warmen Mantel anfertigen lassen und hängte ihm zum Schutz ein wundertätiges Amulett um den Hals. Tante Calpurnia jedoch, die Sorge trug, dass ihr Neffe bei den Barbaren die hohe Kultur der Römer vergessen könnte, schenkte ihrem Neffen neben einem Dutzend Pergamentrollen, die mit erbaulichen Gedichten beschrieben waren, eine kunstvoll bemalte Amphore, die noch dazu mit köstlichem Wein gefüllt war. Der Senator, erfüllt mit neuer Hoffnung, kramte aus den Tiefen einer Truhe das alte Schwert hervor, mit dem Lucius Monetus, ein ruhmreicher Vorfahr der Familie, einst gegen die Karthager gekämpft hatte. Seit Generationen wurde es vom Vater an den Sohn vererbt, und nun sollte es das Leben seines Sohnes schützen. Rufus Monetus schickte sich mit gemischten Gefühlen in sein unabwendbares Schicksal, denn im Grunde war er ganz froh, dass er endlich einmal den ewig lamentierenden Frauen entwischen konnte. Zusammen mit seinem Diener Festus, der nur um ein paar Jahre älter war als er selbst, machte er sich, als einfacher Kaufmann getarnt, auf den langen und beschwerlichen Weg.

Im Kindle-Shop: Römer, Ritter, Fußballhelden: Abenteuerroman für junge Leser von 9 - 99

Mehr über und von Hildegard Grünthaler auf ihrer Website.

1 Kommentar:

  1. Tolle Idee Fußball mit Ritter zu verknüpfen! Eingefleischte "Fussballkinder" sind ja nicht immer leicht für was anderes als Fußball zu begeistern! Mit diesem Buch gelingt das sicher! Ich werde es gleich einer Freundin empfehlen - ihr Sohn liebt Fußball und Ritter!

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