4. Juli 2015

"Das Erbe der Arverner" von Igan Mich

Das »Erbe der Arverner« erzählt die Geschichte der jungen Xama, die schon früh Mutter und Vater verlor und sich alleine durchs Leben kämpft. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag wird Xama von merkwürdigen Albträumen heimgesucht. Und da ist dieses mysteriöse Zeichen, das auf einmal ihrer Stirn erscheint. Es lässt sich nicht entfernen und nach und nach erkennt Xama, dass es nur der Beginn einer unglaublichen Veränderung ist. Eine Veränderung, deren Ursprung in ihrer Vergangenheit liegt, die aber auch bedeutsam für ihre Zukunft sein wird.

Schritt für Schritt bringt Xama Licht ins Dunkel. Sie erfährt, dass sie etwas in sich trägt, das nicht nur ihrem Leben eine neue, geheimnisvolle Wendung gibt sondern auch das Interesse anderer weckt. Gemeinsam mit ihren Gefährten geht Xama einen Weg, der ihr allen Mut abverlangt, der Gefahren birgt, aber auch Hoffnung und Zuversicht. Doch wo wird ihr Weg enden?

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Leseprobe:
Ein immer stärker werdendes Brennen in meinen Armen brachte mich aus der Bewusstlosigkeit zurück ins schmerzhafte Jetzt. Vorsichtig öffnete ich die Augen, in Erwartung, etwas wahrzunehmen. Nichts passierte. Getrocknete Tränen, die wie Klebstoff wirkten.
Wo war ich? Was war los mit mir?
Gedankenblitze, in einer Geschwindigkeit, in der ich sie nicht verarbeiten konnte, hämmerten von innen gegen meinen Kopf. Die Augen entgegen dem Widerstand aufgerissen – ich fühlte Schmerz. Im Gegensatz zu dem was ich mir erhoffte, sah ich nichts – Dunkelheit. Ein Pulsieren in den Armen, das schneller wurde, bis es brannte.
Jemand versuchte, die Kontrolle über meinen Körper und meinen Verstand zu bekommen. Krampfhaft wehrte ich mich dagegen.
Sei stark, Sofie – du musst stark sein, motivierte ich mich selber!
Vaters Lebensweisheit, obwohl ich sie hasste, in diesem Moment war sie das Einzige, was mir Halt und Hoffnung gab – danke, Dad. Meine Suche nach Antworten wurde durch das intensive Brennen in meinem rechten Arm abgewürgt. Langsam drehte ich mich in die Richtung, aus der die Schmerzen kamen. Etwas hielt mich fest, meine Drehbewegung verstärkte den schmerzhaften Zustand. Wie kochendes Wasser floss es durch die Adern meines rechten Arms und trat gefühlt in der Ellenbeuge aus. Reflexartig schloss ich wieder die Augen. Biss die Zähne zusammen. Ein knirschendes Geräusch wurde von meinem eigenen Stöhnen übertönt, das durch meinen geschlossenen Mund, zwischen den Zähnen hindurch, einen Weg in die Freiheit suchte. Einen Augenblick lang glaubte ich, dass das Brennen nachließe. Konzentriert auf den Schmerz, der zweifelsfrei aus meiner rechten Ellenbeuge stammte, bemerkte ich, wie Tränen sich in meinen Augenwinkeln sammelten.
Verdammt, was geht hier ab?
Sehr langsam drehte ich den Kopf noch weiter nach rechts. Die Augen hatten sich mittlerweile an die Dunkelheit gewöhnt. Was ich sah, waren Schattierungen. Die Muskeln im rechten Arm kontrahierten, mit dem Ziel, ihn anzuheben. Das Ergebnis, das ich erzielte, war ein stärkeres Brennen. Ich wollte nicht aufgeben und versuchte, meinen Arm vom Bett abzudrücken, bemerkte jedoch, dass etwas mein Handgelenk zurückhielt. Panisch versuchte ich, alle Gliedmaßen auf einmal zu bewegen. Da war nichts – keine Reaktion. Ein Gefühl der Hilflosigkeit, überlagert von unendlicher Angst, umhüllte erst meinen Körper, dann meinen Verstand.
Jemand hatte mich an dieses Bett gefesselt und etwas verursachte höllisch brennende Schmerzen in meiner rechten Ellenbeuge.
Warum bin ich so kraftlos? So müde ... wo bin ich nur?
Es war deutlich zu hören, keine Einbildung, kein Hirngespinst, jemand rief meinen Namen, immer wieder und immer lauter.
Ich muss antworten, egal wie – ich muss antworten.
Alle Versuche, zu rufen oder zu schreien, waren erfolglos. Angst schnürte mir die Kehle zu, in meiner Vorstellung sah ich große Hände meinen Hals umklammern. Sie drückten und drückten und hörten nicht auf. Je intensiver ich versuchte zu schreien, desto weniger Luft bekam ich. Nichts war zu hören – kein Laut, dass Einzige, was ich spürte waren Tränen, die rechts und links an meinem Gesicht hinunterliefen.
Du musst deine Angst überwinden, Sofie. Nun zählt es, stark zu sein!
Wie oft hörte ich von Dad diesen Spruch, wie oft dachte ich ...
Das ist es! Dad gab mir Anweisungen, jedes Mal, wenn er es sagte. Lebensweisheiten, wie man in extremen Situationen handeln konnte. Ich holte tief Luft und hielt meinen Atem an, fing an zu zählen. Dad hatte mich öfter dazu gezwungen. Seiner Meinung nach war es eine Möglichkeit, Stärke zu zeigen. Was er wirklich meinte, war Ängste zu überwinden.

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Mehr über und von Igan Mich auf seiner Fanpage zum Buch.

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