28. Juli 2015

"Racherausch" von Michael Linnemann

Er ist ein Meister der Magie. Seine Tricks sind ebenso faszinierend wie tödlich. Kaum jemand kann seiner Rache entkommen. Nora und Tommy sehen sich einem unsichtbaren Gegner gegenüber. Wie sollen sie einen Mörder stoppen, der offenbar durch Wände gehen kann?

Erst als eines der Opfer wie durch ein Wunder überlebt, schöpfen die Göttinger Hauptkommissare wieder Hoffnung. Doch ob das Wunder wirklich ein Segen oder doch eher ein Fluch ist, soll sich erst noch herausstellen …

Racherausch - Der zwölfte Fall für Nora und Tommy.

Gleich lesen: Racherausch - Der neue Fall für Nora und Tommy



Leseprobe:
Der Mörder breitete die Folien aus. Dann legte er die Steinplatte bereit und griff zum Spaten. Bevor er ihn in die Erde rammte, sah er sich zur Vorsicht noch einmal um. Niemand durfte ihn bei seiner Vorbereitung sehen. Sonst wäre alles schon vorbei, ehe es überhaupt richtig angefangen hätte.
Da er keine Menschenseele sehen konnte, nickte der Mörder zufrieden. Er konnte seinen Plan ungestört in die Tat umsetzen. Für ihn gab es kein schöneres Gefühl auf Erden. Nach so langer Zeit der Planung und Ungeduld fühlte er sich in diesem Moment endlich befreit. Obwohl nun der schwierigste Teil seiner Mission vor ihm lag, fielen ihm mehrere Steine vom Herzen. Das mochte paradox wirken, doch es passte zum arroganten Charakter des Mörders. Er plante seine Schritte immer so genau, dass er schon zu Beginn der Umsetzung siegessicher war. Sobald sein Plan erst einmal stand, ließ er sich durch nichts mehr aus der Ruhe bringen. Er beging keine Fehler, hatte keine Angst vor der Polizei. Er dachte nicht einmal an die Möglichkeit, eines Tages im Gefängnis zu landen. Aus seiner Sicht war das völlig abwegig.
Ein genialer Plan kann gar nicht schiefgehen.
Im trüben Mondschein ließ er den Spaten hinabsausen. Mit voller Wucht bohrte er ihn in die Erde, hob ihn dann an und beförderte die erste Fuhre auf eine der ausgebreiteten Folien. Dabei gab er sich Mühe, nicht allzu viel Lärm zu machen. Immerhin war es möglich, dass ein Nachbar unter Schlaflosigkeit litt oder dass ein verirrter Spaziergänger plötzlich in der Nähe auftauchte. Daher blickte sich der Mörder noch einmal um. Er nahm jeden Fleck genau in Augenschein. Die Büsche. Die Bäume. Die Beete. Erst als er sich vollkommen sicher war, noch immer unbeobachtet zu sein, stieß er den Spaten wieder in die Erde. Er grub immer schneller, begann schon nach kurzer Zeit zu schwitzen. Doch das konnte ihn nicht mehr aufhalten. Er grub sich in einen Rausch. Auch das passte perfekt zu ihm. Hundertprozentige Hingabe. Ganz oder gar nicht.
Nach zwanzig Minuten hielt er inne, wischte sich den Schweiß von der Stirn und betrachtete sein bisheriges Werk. Etwas enttäuscht setzte er sich auf den Rasen und schüttelte den Kopf. Er hatte sich das Graben einfacher vorgestellt. Der Aufwand stand in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Seine Arme taten ihm bereits weh, doch das Loch war noch nicht einmal einen halben Meter tief. Wenn das so weiterging, würde es mehrere Nächte dauern, um den ersten Schritt seines Plans zu vollenden. Zwar hatte er zeitlich genug Spielraum einkalkuliert, aber seine Kraft würde durch das Graben merklich schwinden.
Komm schon, Junge. Was sein muss, muss sein.
Seufzend raffte er sich wieder auf und faltete die Folien samt Erde zusammen. Dann warf er sie nacheinander über seine Schulter und schlurfte davon. Natürlich hatte er sich schon einen geeigneten Ort ausgeguckt, wo er die Erde sicher abladen konnte. Er würde keine verräterischen Spuren hinterlassen.
Allzu leicht will ich es den Bullen schließlich nicht machen.
Wenig später stand er wieder vor seinem geschaufelten Loch und breitete erneut die Folien aus. Die Steinplatte lag noch an ihrem Platz. Der Spaten wartete auf seinen nächsten Einsatz. Vor ein paar Tagen hatte der Mörder ihn benutzt, um ein Grab zu schaufeln. Diesmal hatte er jedoch eine wichtigere Aufgabe für ihn vorgesehen. Diesmal würde er etwas Größeres graben.
Und etwas Nützlicheres.

Im Kindle-Shop: Racherausch - Der neue Fall für Nora und Tommy

Mehr über und von Michael Linnemann auf seiner Website.

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