27. Oktober 2015

"Die Nacht in uns" von Sylvie Grohne

Es gibt Gefängnisse, die haben keine Gitterstäbe. Amkayas Kerker ist die Einsamkeit, denn ihre Nähe ist tödlich. Die Halbvampirin kann die Bestie in sich nicht kontrollieren und hat die Hoffnung auf eine Liebesbeziehung längst aufgegeben - bis sie Noah, dem Engelsblut, begegnet, dessen Umarmung ebenfalls tödlich ist. Beide können sich der außergewöhnlichen Anziehung des anderen nicht entziehen und kommen sich unerwartet schnell näher; doch ist es eine schicksalhafte Begegnung oder tödlicher Leichtsinn?

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Leseprobe:
Ich schwitze und laufe unruhig in dem kleinen Raum hin und her. Es fällt mir schwer, mich zu konzentrieren, und ich spüre neben den Schmerzen Muskelzuckungen am ganzen Körper. Meine Haut ist überempfindlich und sogar der Stoff meiner Kleidung fühlt sich so unangenehm an, dass ich mich ihrer am liebsten entledigen würde.
Die Schritte vor der Tür kündigen Airas und eine weitere Person an. Ich höre, wie der Schlüssel das Türschloss öffnet, gehe zum Fenster und blicke durch einen Spalt des Vorhanges in die Dunkelheit des Hinterhofs hinaus. Eine Katze springt von einer Fensterbank herunter und rennt einer anderen hinterher. Ich will weg, will hier nicht sein, überall, nur nicht hier. Mein Bruder und seine Begleitung betreten den Raum und der Geruch des Fremden zieht sofort in meine Nase. Herb-süßlich und leicht modrig von dem Joint, den er gerade noch geraucht haben muss.
»Ahhh, da ist sie ja«, ertönt seine Stimme. Ich drehe mich zu ihnen herum und bemühe mich, ihm nicht ins Gesicht zu sehen aus Angst, dass es mich in meine Albträume verfolgen wird. Ich spüre meine hochgezogenen Mundwinkel, aber ich fühle das Lächeln nicht.
»Hey Mann, du hast wirklich recht gehabt. Sie ist heiß!«, sagt er zu Airas und ich senke meinen Blick auf seine Schuhe.
»Ich warte draußen«, erklärt Airas und verlässt den Raum.
»Du machst das wohl noch nicht so lange, Mädchen? Es gibt keinen Grund schüchtern zu sein. Der alte Jim wird es dir schon ordentlich besorgen.«
Die braunen Schuhe kommen näher und bleiben jetzt ganz nah vor mir stehen. Direkt neben einem der hässlichen Flecken auf dem Teppich. Ich kann das Blut laut durch seine Venen rauschen hören. Ein einladendes Geräusch für das Tier in mir, das sich hungrig in mir regt und mein Bewusstsein vernebelt. Es will, dass ich loslasse und den letzten Widerstand aufgebe, doch ich halte mich immer noch an dem imaginären Fixpunkt auf den Schuhen fest.

Im Kindle-Shop: Die Nacht in uns

Mehr über und von Sylvie Grohne auf ihrer Website.

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