28. Oktober 2015

"Sonnenwarm und Regensanft - Zwei Sonnen" von Agnes M. Holdborg

Nie hätte sich Anna träumen lassen, dass sich ihre Fantasien einmal bewahrheiten könnten, bis Viktor sie plötzlich in eine Welt voller Mysterien, Abenteuer, Liebe und Leidenschaft führt. Doch birgt diese andere Welt auch Gefahren, die über ihre Grenzen hinaus sogar Annas Familie bedrohen. Kann Anna dieser Herausforderung standhalten? Und wird ihre Liebe zu Viktor eine Zukunft haben?

Gleich lesen: Sonnenwarm und Regensanft - Band 1: Zwei Sonnen









Leseprobe:
Annas Mutter wirkte ganz blass und durchsichtig, als sie vom Arzt zurückkam. Annas Herz wurde bei ihrem Anblick schwer. Das war nicht das erste Mal, dass Theresa so angegriffen und krank aussah. Aber auch diesmal reagierte sie auf Annas besorgte Fragen nur mit einem warmen Lächeln.
„Alles in Ordnung, Engelchen. Mir fehlen nur ein paar Vitamine und etwas frische Luft.“
Da sie wusste, dass ihre Mutter kein weiteres Wort über ihre Krankheit verlieren würde, beließ Anna es dabei und schlug ihr stattdessen vor: „Wie wär´s, wenn du dich erst mal ein bisschen hinlegst, Mama. Du könntest dich ausruhen oder etwas lesen. Ich mache das Mittagessen warm, dann ist alles fertig, wenn Papa und Lena kommen. Was meinst du?“
„Lass mal, Anna. Danke, aber mir geht´s ganz gut. Ich möchte lieber was tun und zum Lesen fehlt mir momentan einfach die Muße. Außerdem ist das Essen ja schon vorbereitet und Lena kommt doch donnerstags sowieso nicht. Da ist ihre Mittagspause immer viel zu kurz, um vom Salon bis hierher zu fahren. Ich würde mich allerdings sehr freuen, wenn du nach dem Essen noch schnell einkaufen gehen könntest. Die Milch ist fast alle und der Toast auch.“
„Klar, kein Problem!“
„Das ist nett von dir. Es wäre auch ganz schön, wenn du mir ab und zu im Haushalt zur Hand gehen könntest, zum Beispiel beim Waschen und Putzen und so, falls du vielleicht doch mal Zeit dazu hättest“, meinte Theresa müde.
„Zeit? Aber ich hab doch immer Zeit.“ Anna war etwas irritiert über der Bemerkung ihrer Mutter.
„Na ja, du bist schon sehr oft unterwegs, wenn du mit deinen Hausarbeiten fertig bist. Was machst du dann eigentlich so?“
„Hhhmm, eigentlich nichts Besonderes.“
„Tja, das sagst du immer, wenn man dich fragt. Was ist denn: ‚Eigentlich nichts Besonderes‘?“
„Ach Mama, das ist wirklich völlig unspektakulär. Ich fahre mit dem Rad rum oder gehe spazieren. Das ist alles, wirklich.“
„Und wohin fährst oder gehst du dann so?“, hakte Theresa nach.
Anna seufzte schwer. Alles war anders gekommen, als sie es geplant hatte. Aus ihrem schönen Gammelvormittag war ein kaffeeloser Streit mit Grinse-Heini Jens und eine Verhörrunde mit ihrer Mutter geworden. Aber es nützte ja nichts, dann würde sie ihr halt erzählen, was sie so in ihrer freien Zeit machte.
„Ich schau mich nur ein bisschen um oder setze mich irgendwo hin, wo ich es schön finde, und dann lese ich was oder mache einfach gar nichts.“
„Wo ist denn: ‚Irgendwo‘?“ Theresa schmunzelte bei dieser weiteren Frage und zog die Augenbrauen hoch.
„‚Irgendwo‘ ist zum Beispiel im kleinen Park am Denkmal. Da kann man prima in der Sonne sitzen“, antwortete Anna geduldig, obwohl sie Theresas Fragerei ganz gehörig nervte. „Und ‚Irgendwo‘ ist auch im Wald nebenan. Den finde ich nämlich ganz besonders schön.“
... Annas Gedanken schweiften ab, als sie den Wald erwähnte - ihren Wald. Jetzt im Sommer, bei schönem Wetter fand sie ihn besonders reizvoll. So auffallend hell, fast lichtdurchflutet. Mit den Sonnenstrahlen, die wie Silber- und Goldstreifen durch die Blätter der Laubbäume, Büsche und Sträucher glitten und so die Blätter, Farne und Moose in ein geheimnisvoll anmutendes, hauchzartes und grünschimmerndes Licht tauchten. Diese faszinierende Umgebung lud sie regelmäßig zum Nachdenken und Träumen ein.
Es gab dort eine winzig kleine Lichtung, rechts ab von einem sehr schmalen, verschlungenen Weg. Hier schien die Sonne fast ungehindert hinein und wärmte den moosbewachsenen Boden. Das war Annas absoluter Lieblingsplatz. Dort, am Rande der Lichtung, ließ sie sich gern nieder, verharrte oft stundenlang in einer bequemen Haltung zwischen Sitzen und Liegen, angelehnt an einer großen Birke und träumte. ...
„Mutter an Anna! Hörst du mich?“
„Hhm? Was?“
„Du hast mal wieder geträumt, Engelchen.“

Im Kindle-Shop: Sonnenwarm und Regensanft - Band 1: Zwei Sonnen

Mehr über und von Agnes M. Holdborg auf ihrer Website.

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