11. Dezember 2015

'Der Vergangenheit dunkle Zeiten' von Ulrike Eschenbach

In dieser autobiografischen Erzählung begleiten Sie Rike durch die schwierigen Situationen ihres Lebens. Schon im Babyalter von der Mutter verlassen, verbrachte Rike ihr erstes Lebensjahr in einem Kinderheim. Zur Adoption freigegeben erlebte sie in den folgenden Jahren bei ihren Adoptiveltern statt Liebe und Geborgenheit eine brachiale Erziehung, sowie Demütigungen und Schuldzuweisungen. Als sie mit zwölf Jahren die Wahrheit über ihre Herkunft erfuhr, brach ihre Welt endgültig zusammen.

Ungerechtigkeiten und Traumatische Erlebnisse bestimmten ihre Jugend sodass sie mit 18 Jahren die Flucht ergriff und nach weiteren 3 Jahren endlich das Haus der Adoptiveltern verließ. Doch statt nun Ruhe zu finden, wurde sie mit neuen Schicksalsschlägen konfrontiert.

Gleich lesen: Der Vergangenheit dunkle Zeiten: Die wahre Geschichte eines Adoptivkindes

Leseprobe:
Ein wunderschöner, lauer Spätsommertag neigte sich dem Ende zu. Die untergehende Sonne verschwand als rot glühender Ball langsam hinter dem Horizont. Die letzten roten Streifen, die durch die grauen Abendwolken schimmerten, verliehen dem Ganzen ein Gefühl des Friedens. An Gerda, die gedankenversunken am Fenster ihres kleinen, notdürftig eingerichteten Zimmerchens stand, zog dieses Naturschauspiel jedoch unbemerkt vorüber. Zu sehr war sie mit sich und der bevorstehenden Geburt ihres zweiten Kindes beschäftigt. Zudem machten sich unendliche Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit in ihr breit. Warum nur, dachte sie, hatte sie diesem Mann noch einmal Glauben und Vertrauen geschenkt? Warum noch einmal an seine Lügen geglaubt? Schon einmal hatte er sie betrogen und belogen. Sie unmittelbar nach der Geburt ihres gemeinsamen Sohnes verlassen. Verlassen wegen einer anderen Frau, die noch dazu einst ihre beste Freundin gewesen war.
Einige Monate später kam er um Verzeihung bittend wieder zu ihr zurück. Er machte ihr überzeugend glaubhaft, nur sie und seinen Sohn zu lieben. Von der anderen Frau, behauptete er, hätte er sich endgültig und für immer getrennt. Gerda liebte diesen Mann mit allen Fasern ihres Herzens und stellte somit alles mit ihm negativ Er lebte in den Schatten. All seinen Schwüren und Versprechungen glaubend begann sie eine erneute Partnerschaft mit ihm.
Er war zu ihr zurückgekommen, was für sie bedeutete, dass er seine kleine Familie doch sehr liebte. Gerda genoss diese neu auflebende Liebe und Gemeinsamkeit in vollen Zügen. Überaus glücklich und zufrieden schwebte sie auf rosa Wolken. Doch die Realität sollte sie sehr bald einholen. Gerda wurde zum zweiten Mal schwanger. Sie bekam das zweite Kind von diesem Mann. Dieses Mal verließ er sie schon währen der Schwangerschaft. Lapidar erklärte er ihr, sie nicht mehr zu lieben. Kalt und herzlos offenbarte er ihr dann noch, diese andere Frau, wo er mittlerweile auch Vater eines Sohnes sei, zu heiraten. Sein letzter Satz, bevor er ging, war: „Gerda, du musst nun zusehen, wie du alleine klarkommst! Da ich nun selbst eine Familie habe, kann ich dich auch nicht mehr unterstützen.“
Was war dieser Mann für ein Mensch? Unendlicher Hass gegen ihn brodelte in ihr. Er hatte sich für diese andere Frau, ihre einst beste Freundin entschieden und somit auch gegen sie und ihre beiden Kinder. Warum nur ließ er sie mit den beiden Kindern einfach im Stich? Warum? Zählte bei seiner Entscheidung Gut und Geld? Sie selbst war arm wie eine Kirchenmaus, die Freundin jedoch kam aus einer gut situierten Familie. Die Gedanken überschlugen sich in ihrem Kopf. Wie sollte ihr Leben nun weitergehen? Von was sollte sie ihre Kinder ernähren? Sie bewohnte im Anbau eines Bauerhofes ein kleines Zimmerchen, ausgestattet nur mit dem Notdürftigsten. Eltern, die ihr hilfreich zu Seite stehen könnten, hatte sie nicht mehr. Die Mutter starb an Krebs, als sie 13 war, der Vater kam aus dem Krieg nicht mehr zurück. Ihre große Schwester Marianne, bei der sie bis zum siebzehnten Lebensjahr lebte, konnte und wollte sich ihrer nicht mehr annehmen. Marianne hatte sich zwischenzeitlich gut verheiratet und lebte in Norddeutschland. Gerda, die durch den Krieg in das über 500 Kilometer entfernte Bayern verschlagen worden war, musste hier nun ihr Leben mutterseelenalleine meistern. Außerdem wurde in dieser Zeitepoche ein uneheliches Kind, jetzt würden es dann sogar noch zwei sein, als eine große Schande angesehen, mit der sich Marianne, ihre Schwester, auf keinen Fall behaften und belasten wollte. Auch waren die Zeiten mehr als karg, sodass jede Familie zusehen musste, ihre hungrigen Münder satt zu bekommen. Der Krieg war zwar schon seit drei Jahren zu Ende, doch der erhoffte Aufschwung noch lange nicht in Sicht. Die erfolgte Währungsumstellung tat ihr Übriges, für die all und überall herrschende Not.
Gerda empfand mit ihren knapp einundzwanzig Jahren nur noch Hoffnungslosigkeit und Angst vor der Zukunft. Ihre Gedanken kreisten beständig um das eine – kein richtiges Zuhause, keine Arbeit, nichts zu essen und dann noch die alleinige Verantwortung für zwei Kinder. Um jedoch weiter mit dem Schicksal zu hadern oder weiter über das vergangene Leben nachdenken zu können, blieb Gerda keine Zeit mehr. Die Wehen setzen ein. Die Geburt ihres zweiten Kindes stand bevor. Eine kleine Seele drängte an das Licht der Welt. Am 1.9.1948 um 20:33 erblickte ich in einem kleinen Ort in Bayern das Licht der Welt. Ich erhoffte mir in diesem Dasein Liebe, Harmonie und Geborgenheit. Wünsche, die jede kleine Seele unbewusst mit auf Erden bringt. Die Hebamme legte mich meiner Mutter mit den Worten „ein zierliches, aber gesundes Mädchen“ in die Arme. Aber oh Gott! Was war das, was ich da fühlte? Liebe, Geborgenheit? Freude über meine Geburt – über mein Dasein? Nein!

Im Kindle-Shop: Der Vergangenheit dunkle Zeiten: Die wahre Geschichte eines Adoptivkindes

Mehr über und von Ulrike Eschenbach auf ihrer Website.

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