7. Januar 2016

'Hollywood Love' von Birgit Kluger

Als junge, unbekannte Schauspielerin hat es Lauren in Hollywood nicht leicht. Sie bekommt eine Absage nach der anderen.

Doch dann sieht es ganz so aus, als würde sie endlich Glück haben. Brad Bailey, einer der erfolgreichsten Regisseure Hollywoods plant Lauren für eine Hauptrolle ein und will sie als Star aufbauen. Einziger Haken an der Geschichte: Es ist eine männliche Hauptrolle. Ist Lauren bereit für ihren Traum alles aufzugeben? Ihre Identität und vielleicht sogar ihre große Liebe?

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Leseprobe:
Es gewitterte und stürmte heftig. Der Regen peitschte das Straßenpflaster, und einsame Laternen warfen ihr gelbes Licht in Pfützen, die schnell größer wurden. Der Hollywood Boulevard lag einsam und verlassen da.
Niemand wollte bei diesem Wetter unterwegs sein. Mit einer Ausnahme: meine Eltern. Und die waren nicht nur unterwegs, sondern auch dabei, es zu tun, im Freien, trotz des tosenden Unwetters, der heftigen Donnerschläge und Blitze. Nichts konnte sie an ihrer Mission hindern – und diese Mission lautete: in dieser Nacht, an diesem Ort ein Kind zu zeugen.
Die beiden waren wie zu spät geborene Hippies. Freie Liebe, offener Sex und Reinkarnation waren die Mantras, die sie entdeckten, als die Sechziger schon veraltet waren und die Siebziger in die Yuppie-Generation der Achtziger übergingen. Trotzdem glaubten sie an das, was sie taten. Sie waren sicher, am einzigen Ort der Welt Sex zu haben, an dem es möglich sein würde, Humphrey Bogart zur Wiedergeburt und zu erneutem Ruhm als Filmschauspieler zu verhelfen.
Sein Stern, eingelassen in das Pflaster des Walk of Fame.
Neun Monate später erblickte ich im White Memorial Medical Center das Licht der Welt. Es sollten über zwanzig Jahre vergehen, bis ich in die Geschichte meiner Zeugung eingeweiht wurde.

»Ist nicht jeder um drei Uhr morgens betrunken?«
Humphrey Bogart

1

Mühsam schlug ich die Augen auf. Ein Fehler, den ich sofort bereute. Mein Kopf dröhnte, als würde jemand von innen dagegenschlagen, und ich hatte einen schalen Geschmack im Mund. Schon wieder so eine Nacht, dachte ich, als ich meine Augen vorsichtig zusammenkniff, mich umschaute und feststellte, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich mich befand. Bitte, Gott, lass ihn nicht hässlich sein.
Ich drehte meinen Kopf langsam, ganz langsam zur Seite. Der Mann, der mehr als die Hälfte des Bettes in Beschlag genommen hatte, war mir vollkommen fremd. Ich hätte schwören können, ihm noch nie begegnet zu sein. War in dieser Nacht irgendetwas zwischen uns vorgefallen? Nachdenklich musterte ich den Fremden. Zumindest hatte Gott mein kurzes Gebet erhört, denn wer immer er war, er sah gut aus.
Als hätte er meinen Blick bemerkt, schlug er die Augen auf. Wunderschöne dunkelblaue Augen, umrahmt von schwarzen Wimpern. Anscheinend war gestern mein Glückstag. Er schaute mich verwirrt an, setzte sich auf und massierte sich die Schläfen. So wie es aussah, war sein Kater mindestens genauso groß wie meiner.
»Mann, muss ich dicht gewesen sein, als ich dich abgeschleppt habe.«
Das Lächeln, das sich gerade zögernd auf meinem Gesicht ausbreiten wollte, erlosch. Schlagartig. Es war klar: Im hellen Tageslicht bemerkte er, wie ich tatsächlich aussah.
»Schöner kann ein Tag nicht beginnen«, murmelte ich, stand auf und raffte schweigend meine Sachen zusammen. Diesen Idioten, mit dem ich das Bett geteilt hatte, ignorierte ich. Gerade als ich mich zur Tür bewegte und für immer aus seinem Leben verschwinden wollte, fand er seine Stimme wieder.
»Halt. Bleib stehen. Bitte!« Langsam drehte ich mich um.
»Also, ich teile mir die Wohnung mit jemandem, und ich möchte nicht ….«
Ich bedachte ihn mit dem kältesten Blick, zu dem ich fähig war.
»Es ist ja nur, damit er meiner Freundin nicht von dir erzählt.«
»Und wie soll ich deiner Meinung nach hier rauskommen?«
»Könntest du vielleicht …?« Er deutete zum Fenster.
»Glaubst du im Ernst, ich klettere aus dem Fenster und brech mir die Beine?«
»So schlimm ist es nicht. Du musst nicht klettern, nur über das Fensterbrett auf die Feuerleiter steigen. Es ist ganz einfach, glaub mir.«
»Dann tu’s doch selbst.« Mit diesen Worten riss ich die Zimmertür auf und lief geradewegs auf einen Typen zu, der mich mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Er saß an einem winzigen Couchtisch, löffelte seine Cornflakes und dachte wahrscheinlich nichts Böses, als ich halb nackt aus dem Zimmer seines Mitbewohners kam. Aber das war noch nicht alles. Neben ihm saß ein etwa achtjähriger Junge. Was zu viel ist, ist zu viel, dachte ich und marschierte wieder ins Zimmer zurück.
Dort lag meine gestrige Eroberung wieder im Bett und hielt sich den Kopf.
»Jetzt hat er was zu erzählen«, murmelte ich, während ich mich in meinen Minirock quetschte und mein T-Shirt über den Kopf zog.
»Also dann. Bis hoffentlich nie wieder.« Mit diesen Worten öffnete ich das Fenster und verschwand.

Im Kindle-Shop: Hollywood Love

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