12. Januar 2016

"Himmelsmacht" von Sabine Schäfers

Seit die Fotografin Katerina aus Griechenland zurück ist, fühlt sie sich verfolgt. Dann wird sie nachts verhaftet und beschuldigt, den legendären Ibis von Iskios gestohlen zu haben. Der Talisman kann angeblich Tote erwecken! Doch Kommissar Bergmann ist nicht der Einzige, der danach sucht. Wer ist dieser Fremde, Aram? Warum kann sich Katerina seinem Charisma nicht entziehen? Ihr Fluchtversuch löst eine Kette bizarrer Ereignisse aus. Türen öffnen sich in andere Welten, niemand ist, was er zu sein vorgibt – vielleicht nicht einmal menschlich.

Zu einer anderen Zeit, auf der Welt Iskios, fährt eine junge Magierin Nacht für Nacht schreiend aus dem Schlaf. Quälende Vorahnungen suchen sie heim – oder sind es Wahnvorstellungen?

Katerina wird in den ewigen Kampf zwischen Licht und Schatten hineingezogen, bei dem nicht weniger auf dem Spiel steht als die Existenz der Welten.

Gleich lesen: Himmelsmacht - ein spannender Mystery-Thriller

Leseprobe:
»Ist ja gut, Augenblick!« Katerina Nefer schnalzte mit der Zunge, als es zum vierten Mal an der Tür läutete. Wer wollte denn so spät noch unbedingt zu ihr? Niki konnte es nicht sein, die hockte zuhause über einer Reportage und hatte nicht mal Zeit zum Telefonieren.
Sie trat aus der Dunkelkammer in den Flur. Zum Glück war sie mit dem Entwickeln der Filme gerade fertig geworden, den letzten hatte sie eben zum Trocknen aufgehängt. Der strenge Geruch von Entwickler- und Fixierflüssigkeiten hing in der Luft. Das war das Wunderbare an altmodischer Fotografie: Man konnte sie riechen, anfassen, begreifen. Es fühlte sich wahrhaftig an und lebendig. Viel besser, als Pixel zu verschieben.
Durch den Türspion erkannte sie im funzeligen Licht der Flurbeleuchtung zwei Anzugträger. Der jüngere hob die Hand, um erneut Sturm zu klingeln, der andere hielt ihn davon ab. Mit dem Kinn nickte er in Katerinas Richtung, als ob er sie sehen könnte. Mit ungutem Gefühl legte sie die Sicherheitskette vor und öffnete einen Spalt.
»Frau Katerina Nefer?« Der Jüngere schob seinen Fuß vor, und einen Moment spielte sie mit dem Gedanken, ihm kräftig auf die Zehen zu treten. Stattdessen starrte sie auf den Ausweis, den er ihr vor die Nase hielt.
»Kriminalkommissar Andresen. Kripo Berlin.«
»Ja, und?« Ihre Wangen brannten. Wenn sie eine Uniform nur von Weitem sah, überlegte sie automatisch, ob sie irgendetwas Verbotenes getan hatte. Was um alles in der Welt wollten die Typen von ihr?
»Uns liegt eine Anzeige gegen Sie vor, wegen Diebstahls. Ich muss Sie bitten, mit uns zu kommen.«
»Äh, was?!«
Sein älterer Kollege räusperte sich. »Es handelt sich nur um eine Befragung. Bitte machen Sie keine Schwierigkeiten. Wir müssen sonst die Tür aufbrechen.«
Zum Zeichen, dass er es ernst meinte, winkte er einen Dritten heran, diesmal in Uniform. Unglaublich. Da standen drei Polizisten und warfen ihr vor, etwas gestohlen zu haben – was denn überhaupt? Und durften die wirklich einfach ihre Wohnungstür aufbrechen?
Wenn das kein schlechter Traum war, musste es sich um einen gewaltigen Irrtum handeln. Oder man wollte ihr einen Schrecken einjagen. Sie hatte von Bloggern gelesen, die unerwartet Besuch von der Polizei bekamen. War ihr letzter Artikel über Kreta jemandem sauer aufgestoßen? Das wäre lächerlich.
»Kann ich bitte noch mal Ihren Dienstausweis sehen?«
Der ältere Beamte hielt seinen Ausweis vor den Türspalt.
Kriminalhauptkommissar Bergmann. Diesselben grauen Schläfen, dieselben farblosen Augen, dasselbe kantige Kinn. Sie war keine Expertin, aber das sah verdammt echt aus. Was sollte sie tun? Sie hatte nichts angestellt.
»Was ist denn gestohlen worden? Und wie kommen Sie darauf, ich hätte etwas damit zu tun? Wer behauptet das?«
»Begleiten Sie uns auf die Dienststelle, dort erfahren Sie alles Nötige.«
Bergmann drückte die Tür weiter auf, sie krachte gegen die Kette. Katerinas Puls beschleunigte sich, und sie öffnete, ehe er noch auf die Idee kam, die Tür einzutreten. Der Uniformierte schob sich sofort in den Flur. Zwei weitere hatten außer Sichtweite gewartet. Kaum trat sie beiseite, drängten die Beamten herein, grüßten im Vorbeigehen und verteilten sich auf ihre Räume. So viele?
Bergmann kam als Letzter herein. Er musste den Kopf einziehen und stieß sich die Schulter im Türrahmen. Demonstrativ verstellte er ihr den Weg nach draußen und hielt ihr ein Schreiben unter die Nase.
»Hier ist der Durchsuchungsbefehl für Ihre Wohnung. Während Sie mit uns kommen, werden die Kollegen nach dem entwendeten Gegenstand suchen.«
Das konnte alles nicht wahr sein! »Darf ich das mal durchlesen?«
Es konnte doch unmöglich sein, dass auf irgendeine aus der Luft gegriffene Anzeige hin ein Durchsuchungsbefehl ausgestellt wurde! Aber das Formular war unterschrieben von einem ›RAG Laymann‹ und sah echt aus. Ihre Zuversicht schwand. »Kann ich nicht wenigstens dabeibleiben?«
Statt einer Antwort wies er mit der Hand zum Treppenhaus.

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