21. Januar 2016

"Leilani: Wohin das Herz gehört" von Sabine Schäfers

Ein Jugendroman über Familie und Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii - dem Paradies auf Erden.

Sommer, Sonne, Surfen! Die fünfzehnjährige Deutsch–Hawaiianerin Lela begleitet ihren Vater zum ersten Mal in seine alte Heimat. Überwältigt vom hawaiianischen Lebensgefühl, erkundet sie Oahu und ihre eigenen Wurzeln und verliebt sich in Daniel …
Es wäre das perfekte Paradies, wenn nicht ihr Opa im Sterben läge und in der Familie alte Konflikte aufbrächen. Auch mit der Liebe ist das dann nicht so einfach wie gedacht. Wer liebt hier wen, und manchmal wäre es vielleicht besser, es wäre nie geschehen.

Für Lela beginnen turbulente zwei Wochen, die ihr Leben auf den Kopf stellen und am Ende eine Entscheidung von ihr verlangen: wohin ihr Herz gehört.

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Leseprobe:
Tante Okelanis Auto stammte aus dem letzten Jahrtausend, mit einer rostigen Delle am rechten Kotflügel, verblichener Stoffverkleidung und dem Schalthebel am Lenkrad. Ächzend zwängte sie sich dahinter.
Dad winkte mich heran. »Steig ein, Leilani.«
Daniel wollte zu mir auf die Rücksitzbank klettern, doch Dad kam ihm zuvor. Seine Miene ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht gedachte, zu tauschen.
Achselzuckend setzte sich Daniel nach vorn zur Tante und zwinkerte mir zu.
Ein Schauer durchfuhr mich. Sollte ich enttäuscht sein oder erleichtert? Seine Nähe hatte einen beunruhigenden Einfluss auf meinen Kreislauf.
Wir fuhren auf den Freeway. Kaum zu fassen, wir waren wirklich da. Nicht irgendeine Großstadt – Honolulu! Der Name zerging wie Honig auf meiner Zunge: Ho-no-lu-lu. Glücklich lehnte ich mich zurück.
Die Blumen-Leis dufteten, durch die geöffneten Wagenfenster strich warme Luft über mein Gesicht. Ich atmete tief. Salz, Wind und Palmen. Über uns wölbte sich der schwarzblaue Nachthimmel, Millionen Sterne funkelten. In der Ferne blinkte und leuchtete die Skyline wie Christbaumschmuck.
»Waikiki.« Daniel lächelte.
»Das ist wunderschön.« Er war ein solcher Glückspilz, hier leben zu dürfen.
Mit vernehmlichem Knurren zog sich mein Magen zusammen. Der Bann war augenblicklich gebrochen und ich musste lachen. Meine Uhr hatte ich schon in Los Angeles auf Hawaii-Zeit umgestellt. Sie zeigte neun Uhr abends, aber mein Gefühl bestand darauf, es sei Zeit fürs Frühstück.
»Gleich sind wir da, meine Mom wartet mit dem Essen auf uns.«
Daniel wandte sich Dad zu, aber der sah unverwandt zum Fenster hinaus und schien uns gar nicht wahrzunehmen. Wir wechselten einen Blick: Eltern.
Die Tante wohnte in einer Gegend mit einfachen Holzhäusern. Als wir auf den Hof einbogen, wurde die Fliegengitter-Tür aufgedrückt und eine Frau trat auf die Veranda. Die Tante stellte den Motor ab.
»Meine Nichte Celadine, Daniels Mom.«
»Bitte, nennt mich Dinah, das klingt nicht ganz so altmodisch.«
Sie lachte und es war eindeutig, von wem Daniel sein gutes Aussehen geerbt hatte. Allerdings reichte sie ihm gerade bis zur Brust, ihre zarten Züge und der hellere Teint sprachen für asiatischen Einfluss.
»Aloha. E komo mai.«
»Hallo.« Unsicher wartete ich, wie Dad sich verhalten würde. Wie begrüßte man eine unbekannte Verwandte?
Doch Dad handhabte das völlig unspektakulär: Er stellte seinen Koffer ab und reichte Dinah die Hand. »Ich bin Ken.«
»Ich freue mich, dass ihr gekommen seid.« Sie seufzte. »Wenn auch aus traurigem Anlass.«
Dad runzelte die Stirn, nahm sein Gepäck wieder auf und stelzte zum Haus. Sein Benehmen versetzte mir einen Stich. So unhöflich kannte ich ihn gar nicht.
»Ich … er …«
Dinah wechselte einen Blick mit der Tante. »Lass nur, ich verstehe schon.«
Sie hakte die Tante unter und ging mit ihr hinein. Mit meinem Koffer in der Hand wollte Daniel ihnen folgen, aber ich hielt ihn zurück.
»Was bedeutet ›E komo mai‹?«
Er lächelte. »Damit heißen wir Freunde willkommen.«
In der milden Abendluft dufteten die Blumen aus dem Garten, ein Hauch streifte meine bloßen Arme und über mir war der Himmel weit offen. Ich schloss einen Moment die Augen. Freude durchrieselte mich. Es würde fantastisch werden hier!
Als ich die Augen wieder aufmachte, sah ich Daniel noch immer bei mir stehen. Er hatte sich nicht von der Stelle gerührt und schien alle Zeit der Welt zu haben. Etwas verlegen griff ich nach meiner Tasche.
Von der Terrasse kam man direkt in die Küche, wo Dad uns schon erwartete. Dinah hantierte am Herd.
»Daniel, zeige Ken und Lela ihre Schlafzimmer. Macht euch rasch frisch, wir können gleich essen.«
»Onkel Ken schläft hinten, in Onkel Hokus Zimmer, Lela bekommt Moms altes Zimmer. Hier entlang.«

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