15. Februar 2016

"Und Oenghus weinte" von Sofia Hartmann

Sophie ist Mitte vierzig, finanziell ruiniert, und hat von der Liebe und den Männern die Schnauze voll. Sie führt ein harmonisches Leben mit ihren Katzen, verbringt ihre Zeit am liebsten mit ihren Freundinnen, und vor Männern läuft sie davon. Endlich ist Frieden in ihrem Leben eingekehrt, so glaubt sie.

Sie ahnt nicht, dass eine keltische Muttergöttin sie schon vor Jahren zu ihrem Schützling erklärt hat und davon überzeugt ist, dass sie von der Bitterkeit in ihrem Herzen befreit werden sollte. Gelingt es ihr, Sophie zurück auf den Pfad der Liebe zu führen?

Frech. Böse. Und sehr erotisch.

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Leseprobe:
„Ich hoffe, heute hast du saubere Klamotten dabei“, unterbrach Tom die Ansprache der Stimme aus ihrem Bauch.
„Wieso?“, fragte sie verwirrt.
„Nicht dass wir morgen wieder um so eine elende Uhrzeit raus müssen, und du nach Hause hechten musst, um zu duschen.“ Er grinste.
Tatsächlich hatte sie für den Fall der Fälle alles eingepackt, was sie brauchen würde, sollte dieser Abend wie der Gestrige enden: Eine Zahnbürste, ihre Gesichtscreme, etwas Make-up, sowie einen frischen Slip und ein Shirt. Außerdem hatte sie die Nachbarin gebeten, am nächsten Morgen die Katzen zu versorgen. Jetzt kam sie sich allerdings ziemlich doof vor. Gut darauf vorbereitet zu sein, die Nacht möglicherweise nicht zu Hause zu verbringen, mochte zwar sachlich in Ordnung sein: Ist man allerdings an dem Mann interessiert, bei dem man übernachten möchte, ist es taktisch eher ungünstig. Sie zog es also vor, diese Frage gar nicht zu beantworten, und lächelte nur.
Das Fleisch auf dem Grill duftete herrlich. Angesichts der Menge fragte sich Sophie jedoch, wer das alles essen sollte. „Erwartest du noch jemanden?“
Er nickte. „Ich habe vorhin ein bisschen rumtelefoniert. Eine Freundin von mir hat noch Motorradklamotten in deiner Größe. Sie bringt den Kram vorbei, müsste gleich hier sein.“
Sophie setzte sich. Tom öffnete die Haustür und die Hunde stürmten in den Hof. Odin begrüßte sie stürmisch, und Thor blieb etwas dezenter im Hintergrund, leckte aber an ihrer Hand.
„Odin hat einen Narren an dir gefressen“, sagte Tom. „So kenne ich den gar nicht.“
Sophie musste lachen und Odin, der beide Vorderpfoten auf ihren Oberschenkeln abgestellt hatte, und gar nicht genug von ihr bekommen konnte, leckte ihr quer über das Gesicht.
Im gleichen Moment war vor dem großen Tor aus Holz das Geräusch eines Motorrads zu hören. „Das ist Lola“, sagte Tom. „Pünktlich wie immer, die olle Spießerin.“
Er lachte und öffnete die kleine Eingangstür, die im Tor eingelassen war. „Grüß dich!“, erklang eine warme und tiefe Frauenstimme. Lola nahm ihren Helm ab, schüttelte ihr langes Haar und küsste Tom auf den Mund. Dann bedachte sie Sophie mit einem prüfenden, aber freundlichen Blick.
Sie marschierte schnurstracks auf sie zu. „Du bist Sophie? Steh mal auf!“
Sophie erhob sich aus ihrem Stuhl, und Lola musterte sie von oben bis unten. „Könnte passen.“ Lola reichte ihr eine Lederhose und eine Lederjacke. „Das ist aus der Zeit, in der ich noch jung, schlank und schön war.“ Sie lachte heiser. „Jetzt bin ich nur noch schön.“
„Dankeschön!“ Sophie freute sich. Die Klamotten könnten tatsächlich passen, schätzte sie.
„Einen Helm habe ich auch dabei. Der ist aber noch draußen im Case.“
„Danke, Lola. Damit hast du unsere Ausfahrt gerettet.“ Tom küsste sie auf die Wange.
„Schon gut, Großer. Wann ist das Fleisch fertig? Ich habe Hunger. Außerdem muss ich bald weg. Bin noch mit Steve verabredet.“
„Aha“, sagte Tom. „Seid ihr wieder zusammen?“
Lola lachte und griff nach dem Wasser, das Tom ihr auf den Tisch gestellt hatte. Sie setzte die Flasche an, und pumpte sie fast in einem Zug halb leer. „Gott, ist das heiß heute!“, stöhnte sie. „Ja, wir sind zusammen. Der kleine Scheißer kann doch gar nicht ohne mich.“
Tom lachte. „Passt mal aufs Fleisch auf, Mädels. Ich lass die Jungs noch mal in den Garten.“ Er pfiff nach den Hunden und jetzt erst sah Sophie, dass Tom tatsächlich außer diesem Hof auch noch einen Garten hatte. Er ging durch eine Tür neben der Scheune, und die Hunde sprangen erfreut hinter ihm her.
Lola nutzte diese Gelegenheit und sah Sophie eindringlich an. „Du bist also Sophie“, stellte sie fest. Sophie nickte und kam sich einfach nur blöd vor. Wie auf der Anklagebank. Lola kniff die Augen zusammen. Weg war sie, diese warme Nuance in ihrer Stimme. Jetzt klang sie nur noch tief. „Wenn du ihm das Herz brichst, reiße ich dir deins raus, damit das klar ist.“
„Ich habe nicht vor…“
Lola unterbrach Sophies Erwiderung mit einer unwirschen Handbewegung, die etwas bedrohlich wirkte – so wie sie selbst in diesem Moment. „Der hat genug durch. Was du vorhast oder nicht vorhast, weiß ich nicht. Aber wenn du es nicht ernst mit ihm meinst, dann iss dein Steak und dann verschwinde.“
Trotzig warf Sophie ihren Kopf in den Nacken. Wohlwissend, dass diese Art der Körpersprache mit kurzen Haaren eigentlich nicht wirkungsvoll ist. Dass Lola überhaupt so etwas zu ihr sagte, machte ihr aber gleichzeitig auch ein wenig Mut. Es bedeutete unter Umständen, dass Tom mit Lola über sie gesprochen und ihr gegenüber Interesse bekundet hatte.
Und sogleich fiel Sophie in diesen schnodderigen, lässigen Ton ein, den auch Lola angeschlagen hatte. „Mach mich nicht an“, donnerte sie. „Du kennst mich überhaupt nicht, du weißt gar nichts von mir. Und verurteilst mich gleich. Vielleicht habe ich selbst auch viel durch und total Schiss, dass ich hier verarscht werde?“

Im Kindle-Shop: Und Oenghus weinte

Mehr über und von Sofia Hartmann auf ihrer Website.

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