8. Februar 2016

"Die Welt zwischen den Zeilen" von J. Vellguth

Isabel hat eine unglaubliche Fähigkeit, die es ihr erlaubt, in die Welt der Bücher einzusteigen und dadurch mitten im Leben der Romanfiguren zu existieren. Allerdings immer nur als unbeteiligte Beobachterin. Zumindest bis zu dem einen Tag, an dem sich alles ändert und Aschenputtels Prinz plötzlich mit ihr spricht. Es entsteht eine Liebe, die so überwältigend, surreal und hoffnungslos ist, dass Isabel sich selbst darin zu verlieren droht.

Eine Zeitreise der ganz anderen Art beginnt, denn Isabels Geschichte spielt zwischen den Zeilen einer Welt, die nicht ihre eigene ist. Einer Welt, in der Hoffnung und Liebe, Schwäche und Kraft, Traum und Realität aufeinanderprallen und sie an den Rand ihrer eigenen Existenz führen.

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Leseprobe:
Isabel
Ich wusste, dass es nicht real war. Bäume so groß wie Hochhäuser ragten neben mir in den Himmel. Hunderte zierlicher Ranken mit winzigen, bläulich glühenden Blüten wanden sich an ihnen empor und schlängelten sich zu den kunstvoll geflochtenen Zweighütten. Glühwürmchen tanzten im Sternenlicht und eine schlanke Elfe mit riesigen Libellenflügeln stand dicht neben mir.
Beim Anblick des winzigen Babys in den Armen der stolzen Mutter schmolz mir das Herz. Winzige schillernde Flügel versteckten sich hinter den Schultern. Das kleine Bündel krakeelte freudig, während es mit seinen speckigen Fingern die Glühwürmchen zu fangen versuchte.
Ich wollte keine eigenen Kinder, definitiv nicht. Das passte nicht in meine Lebensplanung. Herzerweichend niedlich fand ich sie trotzdem. Erst recht dann, wenn ich mich wie jetzt in einem Buch befand.
Versonnen hörte ich dem glucksenden Lachen zu und lauschte dem Summen der strahlenden Mutter. Ich roch süßen Blütensaft, würziges Baumharz und saftiges, frisches Gras. Ich spürte die Kühle der Nachtluft und zitterte ein wenig, aber ich war auch überglücklich.
Nur noch einen Augenblick. Ich hatte diese Geschichte schon einmal gelesen. Gleich würde der Vater auftauchen, der Held der Geschichte, groß und stattlich und …
»Hey!«
Ich blinzelte und versuchte zu verstehen, wo ich war. Ich saß im Bett. Nicks Hand lag auf meiner Schulter. »Was?«, fragte ich.
»Ich hab’ schon gedacht, du würdest im Koma liegen«, sagte Nick.
Es roch muffig. Der ständig gleiche und völlig unverwechselbare Duft des Studentenwohnheims holte mich gänzlich in die Realität zurück. Neun Quadratmeter graues, penibel sauber gehaltenes Meins. »Ich habe nur gelesen.«
»Ich weiß.« Nick runzelte kurz die Stirn und strich sich durch sein kurzes blondes Haar.
Mein Blick fiel auf seinen ausgeprägten Bizeps.
»Ist dir nicht kalt?«
Er sah zum Fenster. »So kalt ist es gar nicht.«
»Heute Morgen haben sie schon gestreut.«
Irgendetwas war faul. Ich hatte noch keinen Kuss bekommen. »Was ist los mit dir?«, fragte ich.
Er sah mich immer noch nicht an.
»Hey?« Ich knuffte ihn in die Schulter. Er fühlte sich warm an, seine Muskeln waren angespannt.
»Ist es wegen Mikroökonomie? Ich kann dir meine Mitschrift geben.« Als ich aufstehen wollte, um ihm die Unterlagen zu holen, hielt er mich fest und sah mir in die Augen. »Wir müssen reden.«
Das klang gar nicht gut. Wollte er mit mir Schluss machen? So fing das doch in den Büchern immer an. Aber wieso bloß? Wir passten doch so gut zusammen und hatten dieselben Ziele: erfolgreich sein, Geschäftsführer in einem der großen Konzerne werden oder sogar ein eigenes Unternehmen gründen. Wir wollten gemeinsam die Welt erobern!
»Letztens haben wir doch übers Heiraten gesprochen.«
Moment, wollte er mir einen Antrag machen? Oh mein Gott, bitte nicht. »Ich dachte, wir wären uns einig, dass das nur eine spießbürgerliche Konvention ist.«
Er nickte. »Sind wir auch. Allerdings denke ich, wir sind mit unserem Bruch der Konventionen noch nicht weit genug gegangen.«
Ich starrte ihn verständnislos an.
»Seit unserem Gespräch habe ich viel nachgedacht. Eigentlich ist das gesamte Konzept der Monogamie völliger Blödsinn. Wir sind zusammen, weil wir uns viel bedeuten, weil wir uns mögen und dieselben Ziele verfolgen. Mit wem wir schlafen, sollte da keine Rolle spielen.«
Wie bitte? Das durfte nicht wahr sein. »Du bist fremdgegangen?«
Er sah verletzt aus. »Das würde ich niemals machen. Deshalb rede ich doch mit dir. Ich denke einfach, Treue sollte keine Voraussetzung für unsere Beziehung sein. Nur Ehrlichkeit und Zuneigung.«
Wie zum Teufel kam er auf diese Idee? War ich ihm langweilig geworden? Liebte er mich überhaupt noch?
Immerhin hatte er nicht vor Schluss zu machen. Oder doch?
Warum?

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