24. Februar 2016

"Sie wollen doch betrogen werden!" von Michael Aulfinger

Es ist die wahre Geschichte über einen jungen Mann, der sich mit kleineren Diebstählen und Betrügereien durch das Leben schlägt. Doch nirgends findet er ein wahres Heim, welches ihm Halt und Liebe gibt. Harry baut sich eine eigene Welt auf, und lebt in seinem eigenen Rechtssystem, in dessen Gebilde er niemals die Schuld bei sich selber sucht. Durch seine unscheinbare und äußerst nette Erscheinung erschleicht er sich das Vertrauen von Freunden und Bekannten. Doch im Laufe ihrer Freundschaft nützt er sie immer wieder aus.

Er lernt auch Sabine - die Liebe seines Lebens - im Zug kennen, doch auch sie belügt er indem er sich ihr als Student ausgibt, und ihr seine Lebensgeschichte erzählt, die ausschließlich seiner Phantasie entsprang. Zu seinem Repertoire gehört Unterschriften fälschen, EC-Kartenbetrug, Einbrüche und verschiedene Arten des Betruges. Er mietet sich in Pensionen ein, die er niemals bezahlen wird, weil er sich rechtzeitig absetzt. Doch dann holt ihm sein Leben ein.

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Da Sabine mehr mit einem schönen Körper, als mit einem ausgeprägtem Geiste gesegnet war, und das nötige Misstrauen vermissen ließ, glaubte sie ihm sofort seine Münchhausengeschichten. Er log das blaue vom Himmel herunter, und war so überzeugend, daß er bald selber an die Geschichten glaubte, die voll und ganz seiner Phantasie entsprungen waren.
„Finde ich ja toll, daß du Psychologie studierst. In welchem Semester bist du denn, und wie kommst du denn dazu?“
Sabine beugte sich bei der Frage interessiert nach vorne, wobei Harry einen ausgezeichneten Blick auf ihren Ausschnitt hatte. Für einen Moment war er durch den Anblick verwirrt, aber er fing sich, und bekam sein Testosteron wieder in den Griff. Er lockerte seinen Blick von dieser Aussicht, und wandte sich dem Gesicht seines Gegenübers zu, das ihm besonders gut gefiel. Sie hatte etwas Engelhaftes an sich für ihn. Doch jetzt konzentrierte er sich wieder auf seine Lügenpyramide, sodass sie nicht einstürzen konnte.
„Weißt Du“, er lehnte sich entspannter zurück und lächelte sie an „es ist ganz einfach zu erklären, wie ich zur Psychologie komme. Mein Vater ist seit vielen Jahren Psychologe im Jugendgefängnis und erstellt Gutachten über straffällige Jugendliche, und gibt so seine Meinung bekannt, ob sie rehabilitiert sind, und vorzeitig auf Bewährung entlassen werden können. Ich war als Jugendlicher oft bei der Arbeit meines Vaters dabei, und es hat mich immer interessiert mit solch von dem rechten Weg abgekommen zu arbeiten, und ihnen zu helfen. Viele haben ja sonst keinen. So hab ich schon einigen Verhandlungen beigewohnt. Außerdem bin ich im zweiten Semester.“
Er räusperte sich, um etwas Zeit zu gewinnen, und nachzudenken und seiner Geschichte noch eine besondere Note zu geben.
„Jetzt bin ich auf dem Weg nach Lüneburg, wo ich studiere. Morgen habe ich wieder eine Vorlesung über das Thema Gewalt unter Jugendlichen. Ein interessantes Thema. Man ahnt gar nicht welche Brisanz darin steckt. Wie kommt es dazu, daß es so viele Jugendliche Gewalt gibt? Diese und andere Fragen werden dort ausführlich von den Professoren vorgetragen, und von den Studenten erarbeitet, in Arbeitsgruppen aber auch alleine.
Jetzt komme ich gerade aus Aachen, wo mein großer Bruder Berufsschullehrer ist. Hat dort ein großes Haus, eine tolle Hütte. Die letzten Tage hab ich mit meinen zwei Neffen gespielt. Es sind zwei süße Racker, zwei und vier Jahre alt. Aber jetzt sind die kurzen Ferien für mich wieder vorbei, und die Uni ruft.“
Bei den letzten Worten schlug er leicht mit der rechten flachen Hand auf den oberen Teil seines Rucksacks, den er fast immer dabei hatte, um seinen Worten Nachdruck zu geben. Er lächelte und erkannte gleich, daß er bei Sabine leichtes Spiel haben werde, denn so wie sie zurück lächelte wähnte er sich schon als Sieger. Sie hatte jedes Wort geglaubt, und hing fasziniert an seinen Lippen, die unmerklich vor Erregung bebten. Ihr blondes langes Haar war nach vorne gefallen, und gab ihr für einen Augenblick das Flair eines Vamps. Harry war gefangen von ihr, und wollte diese Gelegenheit nicht ungenutzt vergehen lassen. Kurz kreisten seine Gedanken noch mal nach Nordhorn zu Ramona, und schon war diese Episode seines Lebens Geschichte.
„Wir können uns ja mal treffen. Was hältst du von Kino?“ Er ging aufs Ganze, und hatte auch eine Absage eingeplant. Die nächste Sekunde entscheidet.
„Gerne, würde mich freuen. Was wollen wir denn ansehen?“
Diese zwei Sätze ließen sein Herz höher schlagen. Für einen Augenblick hatte er seine Psychologiegeschichte vollkommen vergessen, und war einfach nur glücklich, wie noch nie in seinem Leben. Dieses Gefühl hatte er noch nie kennen gelernt. Auch bei Ramona in den letzten drei Wochen nicht. Jetzt wollte er aber auch die schönen Seiten des Lebens genießen.

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