18. März 2016

"Ich, ... das arme Opfer" von Michael Aulfinger

Der arbeitslose Tobias ist in großen Geldnöten. Eines Tages wird er in seinem eigenen Haus überfallen und in den Keller eingesperrt. Der Täter macht ihm dann ein Angebot, welches Tobias nicht abschlagen kann, wenn er nicht gesundheitlichen Schaden davon tragen möchte. Eine Odyssee jenseits des Gesetztes beginnt. Überraschende Wendungen und viel Ironie fesseln bis zum Ende.

Lesermeinung: "Das Buch fand ich sehr gut. Gefallen hat mir dieser selbstironische Unterton. Spannend ist es auch, mit überraschenden Ereignissen. Kann ich nur weiter empfehlen. Ich habe es keineswegs bereut."

Gleich lesen:
Für Kindle: "Ich, ... das arme Opfer" bei Amazon
Für Tolino: Buch bei Thalia

Leseprobe:
Am Ende des Wohnzimmers schloß sich die Terrassentür an. Es war eine große Glastür, die geschoben werden konnte. Auf der Terrasse stand ein großer Grill, der häufig benutzt wurde. Dahinter lag der Garten wie in einem Dornröschenschlaf. Mein mangelndes Interesse an Gartenarbeit war deutlich zu ersehen. Einige nannten es ungepflegt. Dagegen sprach ich eher locker von einem natürlichen Biotop. Man kann einige Mißstände eben beschönigen. Sei es drum. Im Moment betörten mich andere Dinge, als das herausziehen von Grasbüscheln, die da nicht hingehörten, wo sie gerade wuchsen.
Einige Minuten stand ich unbeweglich in der Mitte des Wohnzimmers. Es war mir unmöglich, eine klaren Gedanken zu erfassen. Eine Lethargie hatte mich umschlossen. Mein Blick war leer auf die Glaswand und dem dahinter liegenden Garten gerichtet. Wie ich so da stand, tat ich mir selber leid. Ich armer Kerl. Diese böse Welt hatte sich gegen mich verschworen. Sie war ja so ungerecht zu mir.
Langsam versuchte ich mich von dieser Umklammerung zu lösen, denn ich spürte einen starken Hunger in mir. Wohl wußte ich, daß der Kühlschrank zur Zeit nicht allzu viel hergab. Aber für eine Packung Nudeln im Centbereich müßte es noch beim letzten Einkauf gereicht haben. Als ich mich umdrehen wollte, um zur Küche zu gehen, berührte mich ein Lufthauch. Das war ungewöhnlich, mitten im Wohnzimmer, da ja alle Fenster geschlossen waren.
Wirklich alle?
Jetzt erst erkannte ich, daß die Tür zum kleinen Zimmer offen stand. War sie nicht meistens geschlossen? Ich war irritiert. Ich betrat das kleine Zimmer, in dem mein Schreibtisch mit dem heutzutage obligatorischem PC sowie eine Kommode stand. Außerdem hingen an den Wänden einige Regale, die mit Büchern belegt waren. Für mehr war in dem kleinen Zimmer kein Platz. Da erkannte ich, daß das Fenster offen stand. Zwar nur einen Spalt, aber der hatte für den Luftzug gesorgt. Es war mir nicht bewußt, daß ich es beim Verlassen des Hauses am Morgen offen gelassen hätte. Oder begann bei mir schon die Alzheimer Krankheit? Ich schüttelte den Kopf.
Sofort schloß ich das Fenster wieder. Schließlich wollte ich am Abend vor dem Fernseher nicht einschlafen, wenn nicht alle Fenster geschlossen waren.
Dann begab ich mich in die Küche. In einem Topf ließ ich Wasser ein, und stellte diesen auf den Herd. Dann griff ich mit der rechten Hand nach oben und öffnete einen Schranktür. In dem Moment, als ich nach dem Beutel Nudeln griff, vernahm ich hinter mir ein Geräusch. Doch da mein Arm ausgestreckt war, konnte ich mich nicht umdrehen, um der Ursache des Geräusches auf den Grund zu gehen. Haustiere, welche öfters Geräusche verursachen, nannte ich nicht mein eigen. Da hatte ich aber auch schon die Nudeltüte in der Hand, und zog den Arm gerade zurück, als ich einen Schlag auf meinem Kopf spürte. Das war das letzte, was ich wahrnahm, denn mich umfing eine plötzliche Dunkelheit, als wenn jemand einen Lichtschalter ausgeknipst hätte.
Heftige Kopfschmerzen waren das erste, was ich spürte, als ich erwachte. Unbewußt ging meine rechte Hand zu meinem Hinterkopf, und fühlte sogleich eine Beule. Ein leichter Schmerz durchzog sofort meinem Kopf. Die Augen waren noch geschlossen. Scheibchenweise kamen die Erinnerungen zurück. Wo war ich?
Jetzt erst benutze ich meine Nase. In ihr war ein penetranter Geruch gestiegen. Ein Geruch, den ich nicht sofort lokalisieren konnte, der mir aber bekannt war. Ich hatte diesen penetranten Gestank schon oft gerochen. Langsam wurde ich wach. Jetzt öffnete ich auch die Augen, und war im ersten Moment genauso schlau wie vorher, denn es war finstere Nacht.
Aber jetzt dämmerte es mir. Die Kopfschmerzen klangen ab, und bald wußte ich wo ich war. Der Geruch war Heizöl. Folgerichtig mußte ich in meinem eigenem Heizungskeller sein. Um ganz sicher zu sein, tastete ich meinen Liegeplatz ab. Denn es war zwecklos, nach einem Lichtschalter zu suchen. Dieser war nämlich draußen vor der verschließbaren Eisentür angebracht, wie mir meine Erinnerung weissagte.
Behutsam ging ich in die Knie, und dann stand ich auf. Ein wenig war ich noch wackelig auf den Beinen, aber die Benommenheit wich immer mehr aus meinem Körper. Es gab ein kleines vergittertes Fenster, durch dem ein wenig Mondlicht herein schimmerte. Dieses genügte, um die Umrisse der zwei Öltanks, die nebeneinander standen, zu erkennen. Davor war aus Gründen der Sicherheit, um eventuell auslaufendes Heizöl aufzuhalten, eine ein Meter hohe Mauer mit 2-DF-Steinen gezogen. Diese war verputzt, und gestrichen. Im Vorraum, wo ich gelegen hatte, befand sich an meinem Kopfende die Heizungsanlage. Im Moment war sie ausgeschaltet. Der Vorraum war gerade so groß, daß ich ausgestreckt liegen konnte. Viel Platz war nicht vorhanden. Als ich mich bückte fühlte ich zwei Decken, die mir gehörten. Außerdem hatte man mir ein Kopfkissen bereit gelegt. An meinem Fußende, welches die Kelleraußenwand darstellte, ertastete ich einen Plastikeimer, der da eigentlich nicht hingehörte. Zu welchem Zwecke er dort deponiert war, sollte ich noch erfahren. Daneben stand eine Packung Saft, und es waren zwei beschmierte Brote hinterlegt. Mehr war nicht vorhanden. Die schwere Eisentür war natürlich von außen verschloßen. Kein Schlüssel steckte von innen.
Gierig griff ich nach den Broten, und stillte meinen Hunger. Auch an dem Saft tat ich mich gütlich. In der Dunkelheit war es etwas schwierig, aber ich versuchte mich den Bedingungen anzupassen. Jetzt waren meine ersten Bedürfnisse befriedigt, und nun beschloß ich klar über meine Lage nachzudenken.
Richtig, es war mein eigener Heizungskeller. Ich war in meinem eigenem Haus eingesperrt.
Wie bizarr und grotesk. Wer macht so was? Je mehr ich darüber nachdachte, umso unheimlicher wurde es mir. Ein regelrecht ängstliches Gefühl, machte sich in mir breit, denn eins wurde mir sofort bewußt. Es muß ein Verbrecher sein. Erstmal ist diese Person ungebeten in mein Haus eingebrochen. Zweitens hat sie mir körperliche Gewalt angetan. Und drittens mich gegen meinen Willen gefangen gehalten. Dies war eindeutig Kidnapping.

Im Kindle-Shop: Ich, ... das arme Opfer
Für Tolino: Buch bei Thalia

Mehr über und von Michael Aulfinger auf seiner Facebook-Seite.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen