30. März 2016

"Schläferkind" von Sabine Schäfers

Was wäre, wenn du alles verlieren würdest, wenn die einzigen Menschen, die noch zu dir halten, deinetwegen in tödliche Gefahr geraten?

An dem Tag, an dem ihre Eltern als russische Spione enttarnt werden, verliert Ashley alles, das zählt: ihre Familie, ihr Zuhause, ihr Selbstwertgefühl. Als auch noch völlig unbekannte Verwandte sie zu sich nach Russland holen wollen, bleibt ihr nur noch eins: Abhauen! Doch damit fangen die Probleme erst an, denn mit einem Mal sind ihr nicht nur Jugendamt und FBI auf den Fersen, sondern auch Verfolger, die vor nichts zurückschrecken – nicht einmal vor Mord.

Ein spannender Agenten-Thriller.
Gleich lesen: Schläferkind


Leseprobe:
»Macht’s euch bequem.« Mikhail warf Ashley einen letzten Blick zu, dann knallte er ihr die Hecktür des Vans vor der Nase zu. Schlagartig war es so dunkel, dass Ashley ein paarmal panisch blinzelte. »Josh? Wo bist du? Josh?«
»Hinter dir.«
»Ich kann mich kaum bewegen. Der Mistkerl hat mir die Hände mit Kabelbindern zusammengebunden.«
»Ich weiß. Mir auch.«
Allmählich gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Josh lehnte mit dem Rücken an der Trennwand zwischen Fahrerkabine und Laderaum. Sie mühte sich vom Sitzen auf die Knie und wollte gerade versuchen, sich aufzurichten, als der Motor ansprang und sie das Gleichgewicht verlor. »Au!«
»Ashley, alles okay?«
Von wegen. Sie unterdrückte einen Fluch und kämpfte sich wieder in eine sitzende Position. Ihre Knie schmerzten mörderisch, beinahe so sehr wie ihr Schädel. Der Boden des Lieferwagens war unverkleidet und eine Stolperfalle aus Kanten und Nuten. »Geht schon.«
Auf dem Hosenboden rutschte sie zu Josh hinüber und schob sich neben ihn. Sein Gesicht konnte sie nur schemenhaft erkennen, er wirkte beunruhigt. »Falls die Schlampe meinem Bruder was antut …«
Darauf wusste sie keine tröstende Erwiderung. Nur, dass sie selbst in keiner besseren Lage waren. Was zum Henker sollte sie Mikhail als die gesuchte Spieldose verkaufen? Der Himmel allein mochte wissen, was Paul damals damit angestellt hatte. Falls er sie überhaupt an sich genommen hatte. Womöglich hatte ihr Dad die Spieldose zerlegt, dabei endgültig zerstört und sie entsorgt, bevor es jemandem auffiel. Es wäre nicht das erste Spielzeug gewesen, das so endete.
»Hör zu, Josh, wir brauchen einen Plan.«
»Ich überlege schon die ganze Zeit. Er ist allein, wir sind zu zweit. Wenn wir an eurem Haus halten, muss er uns rauslassen, dann springen wir auf ihn drauf und machen ihn platt.«
Ashley musste trotz allem lachen. »Du guckst wirklich zu viel Fernsehen.«
Ihre Knie berührten sich. Auf einmal war es die natürlichste Sache der Welt, sich vorzubeugen und ihn zu küssen. Sein Mund war weich und warm, und nachdem er anfangs überrascht zurückwich, kam er ihr gleich wieder entgegen. »Ich möchte so gern deine Haare durchwühlen«, hauchte er in ihren Nacken.
Vor Aufregung zitterte sie. »Vergiss es nicht, wenn wir frei sind.«
Sein Kuss ließ jedenfalls keine Wünsche offen, sie schloss die Augen und vergaß zu denken. Als sie sich voneinander lösten, wirkte auch er nicht mehr so lässig wie sonst. Er räusperte sich. »Also. Weißt du einen besseren Weg, als ihn einfach von den Füßen zu reißen?«
»Das können wir nicht tun. Wir wissen doch nicht, was er mit Nadia vereinbart hat. Vielleicht wird sie nervös, wenn er sich nicht meldet. Wer weiß, was das für Will bedeuten würde.«
Josh legte den Kopf in den Nacken und starrte an die Decke des Vans, der sie nach Norden brachte. In ungefähr zwanzig Minuten mussten sie irgendetwas haben, mit dem sie arbeiten konnten.
»Und wenn du ihm einfach gibst, was sie suchen? Nadia sagte, es gäbe keinen Grund, uns aus dem Weg zu räumen, weil sie schneller sind als das FBI.«
»Glaubst du das?«
Er zuckte die Achseln.
»Das Problem ist, ich kann es ihm nicht geben. Ich weiß nicht, wo diese Spieluhr ist.«
Josh hieb seinen Hinterkopf gegen die Trennwand. »Verdammt!«
Seine Frustration übertrug sich auf Ashley, aber noch war sie nicht bereit, aufzugeben. »Es gibt eine winzige, eine klitzekleine Chance, dass mein Bruder Paul weiß, wo sie ist.«
»Dein Bruder? Er ist jünger als du, oder?«
Die Blogs hatten wirklich ganze Arbeit geleistet, ihr gefaktes Familienleben an die Öffentlichkeit zu zerren. »Er lebt jetzt bei einer Pflegefamilie irgendwo in Bakersfield.«
»In Bakersfield!« Josh starrte sie entgeistert an. »Das ist beinahe dreihundert Meilen von Berkeley entfernt.«
Sie nickte unglücklich.
»Aber warum hast du das denn nicht gleich gesagt? Wir fahren doch in die vollkommen entgegengesetzte Richtung.«
»Ich kann doch Paul da nicht mit reinziehen, bevor ich mir überlegt habe, was wir tun können, verstehst du das nicht?«

Im Kindle-Shop: Schläferkind

Mehr über und von Sabine Schäfers auf ihrer Website.

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