30. April 2016

'Hexeninternat 1-4' von Heiko Grießbach

Die sechzehnjährige Tanja aus Berlin erlebt mit dem Ende der Halbjahresferien auch das Ende ihres bisherigen Lebens. Sie kommt vom Eislaufen und trifft ihren blutenden Vater an. Ihre Eltern wurden von Jägern überfallen und müssen fliehen, um sich in Sicherheit zu bringen. Erst jetzt klären sie Tanja darüber auf, dass sie keine normalen Menschen sind! Sie schaffen ihre Tochter in ein Internat für angehende Hexen und Hexer, wo sie die Schule beenden und ihre Fähigkeiten als Hexe kennenlernen soll.

Dort lernt Tanja, was es heißt, eine Hexe zu sein und was sie für Fähigkeiten besitzt. Doch irgend etwas an ihrem Gehirnmuster scheint anders zu sein. Ihr Anderssein zeigt sich auch, als sie bei einem Überfall von Jägern auf das Internat ungeahnte Fähigkeiten an sich entdeckt. Sie entdeckt noch etwas anderes, ihre Zuneigung zu Alex, einem Jungen, der ein Jahr älter als sie ist und eine Klasse höher die Schulbank drückt.

Als Tanja durch eine Intrige schwer verletzt ins Koma fällt, träumt sie von ihrer Vorfahrin und erfährt etwas Ungeheuerliches über ihre Vergangenheit. Wieder genesen, wird sie bitter enttäuscht, gewaltsam von ihren Freunden getrennt und gerät in Gefangenschaft, die sie bis an ihre körperlichen und seelischen Grenzen führt.

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Gleich lesen: Hexeninternat 1-4

Leseprobe:
„Verdammter Mist!“, rief Tanja und riss reflexhaft die Arme hoch. Natürlich völlig unnötig, denn Luft besaß keine Griffe zum Festhalten. Da saß sie auch schon auf dem Hintern, wieder einmal. Es war ihr wievielter Sturz? Sie hatte aufgehört zu zählen und sie hatte jetzt endgültig die Nase voll davon! Welcher Teufel hatte sie nur geritten, sich von ihrer Freundin zu SO etwas überreden zu lassen ...
Andere Läufer fuhren, ohne sie zu beachten, an ihr vorbei, als sei sie unsichtbar. Während einige von ihnen nur ihre Runden drehten, als gingen sie im Park spazieren, zeigten andere komplizierte Fahrmanöver und bewegten sich mal mit dem Strom, mal gegen ihn oder fuhren quer über die Eisfläche und umkurvten die Leute wie Wasser, das um Hindernisse herum fließt. Das Rrsch der Kufen kam Tanja bedrohlich nahe. Sie konnte es hören, obwohl Rihannas Umbrella aus den Boxen dröhnte. Eiskristallschauer wirbelten ihr ins Gesicht. Lichter zuckten umher und Scheinwerferkegel huschten über die weißgraue Fläche des Bodens. Gelächter und fremde Stimmen drangen durch den Sound: „Jetzt komm endlich!“ – „Warte auf mich!“ – „Nicht so schnell!“ – „Mann, ist das geil!“
Tanja blickte ihrer Freundin hinterher. Oraya entfernte sich von ihr und redete dabei immer weiter. Sie schien nicht mitbekommen zu haben, dass ihre Freundin nicht mehr neben ihr fuhr. Frustriert schloss Tanja den Mund wieder, Oraya würde sie nicht hören, wenn sie sie rief. An der Bande sah sie Tim stehen, er stieß sich gerade ab und steuerte mit beinahe eleganten Bewegungen über das Eis auf sie zu. Wenigstens einer, der ihr helfen wollte, dachte Tanja, wenn schon Oraya ihren Sturz nicht bemerkt hatte und keiner der anderen Leute ihr aufhalf. Doch dann sah sie, dass Tim nicht sie ansteuerte, sondern Oraya. Er stoppte sie, rückte ganz nahe an sie heran und rief ihr etwas zu, während er ihren Arm ergriff. Oraya stutzte einen Moment, strich sich die dunklen Locken aus der Stirn und schaute ihn an. Dann nickte sie und zeigte ein schwaches, schüchternes Lächeln.
‚Na toll!‘, dachte Tanja. ‚Hauptsache, ihr habt euren Spaß!‘
Mühsam rappelte sie sich auf. Diesmal hatte sie die Landung auf ihrem Hinterteil bis ins Gehirn erschüttert und ein Stechen war durch ihr linkes Handgelenk gezuckt, als sie versucht hatte, sich abzufangen. Durch die Jeans und den Slip hindurch spürte sie die Kälte des Eises am Po und sie klopfte sich die Hose ab, ehe der anhaftende Eisstaub gänzlich schmelzen konnte und sie aussah, als hätte sie sich eingepisst. Unwirsch strich sie sich eine feuchte Locke aus der Stirn und fuhr dann mit der Hand weiter über das Gesicht. Alles an ihr war mit schmelzenden Eiskrümeln bedeckt.
„Hey!“, rief sie, denn schon wieder bewegte sich ein Fuß ganz alleine von ihr weg, obwohl er das nicht sollte. Ein Spagat oder ein neuerlicher Sturz war das Letzte, was sie jetzt wollte. Ein Typ in Bomberjacke und kurzem schwarzem Stoppelhaar fuhr so dicht an ihr vorbei, dass er sie streifte. Um ein Haar hätte er sie angerempelt und sie wäre mit Sicherheit ein weiteres Mal zu Boden gegangen. Es reichte jetzt wirklich! Vorsichtig bahnte sich Tanja einen Weg zur nächstgelegenen Bande, ohne über den Haufen gefahren zu werden und ohne, dass ihre Beine erneut in verschiedene Richtungen wegglitten. Das war Schwerstarbeit, auf die sie sich voll konzentrieren musste. Trotzdem bekam sie mit, wie Tim Oraya auf sie aufmerksam machte, indem er auf sie zeigte.
Was ihre Freundin nur an diesem Typen fand? Tanja würde es nie begreifen. Er war groß und dünn, schlaksig, lief mit Pickeln rum und sein Haar trug er so kurz, als wäre er beim Militär oder käme gerade aus dem Knast. Er ging in ihre Klasse und glotzte jedem Mädchen, das auch nur annähernd einen Busen besaß, hinterher. Oraya hatte echt einen besseren Kerl verdient.
Es waren noch ein paar andere Typen aus ihrer Klasse hier und natürlich auch Mädchen. Doch außer mit Oraya hatte Tanja kaum Kontakt zu ihnen, abgesehen vom Unterricht natürlich. Es gab eine Menge Paare und Grüppchen, die in der Regel unter sich blieben. Blicke huschten umher, wurden ausgetauscht oder prallten unbeachtet am Zielobjekt ab. Ein gewisser Flirtpegel lag in der Luft, unterstützt von der Musik und den Lichtern, die in allen Farben durch die Halle zuckten. Leider schien Eislaufen nichts für David zu sein, das hatte Tanja schon festgestellt. Das war schade, zeugte aber, wenn sie es genau bedachte, nur von seiner Intelligenz. Eislaufen war wirklich das Letzte! Sie hätte zu gern gewusst, wo sich David für gewöhnlich herumtrieb, bisher war sie nur dazu gekommen, ihm in der Schule auf dem Gang oder in der großen Pause auf dem Schulhof zu begegnen. Er war ein Jahr älter als sie und ging in die zehnte Klasse. Seine ganze Erscheinung wirkte reifer als die Jungs in ihrer Klasse, fast schon männlich. Erstaunlich, was ein Jahr Altersunterschied ausmachen konnte. Ihr gefiel so ziemlich alles an ihm. Er war groß, aber dennoch muskulös und bewegte sich nicht so schlaksig wie andere große Jungs. Wenn sie aneinander vorbeigingen, nickte er ihr grüßend zu und hatte noch nie etwas Spöttisches oder Abfälliges zu ihr gesagt. Na ja, eigentlich hatte er noch nie irgend etwas zu ihr gesagt, das war das Dilemma. Tanja konnte doch nicht von sich aus zu ihm hingehen und ihn ansprechen, das tat ein Mädchen nicht. Doch wenn er nicht sie ansprach, wie sollten sie dann zueinander finden und ein Paar werden?
Die Kerle in ihrer Klasse, in ihrem ganzen Jahrgang, interessierten sie nicht. Das waren alles nur pubertierende Halbwüchsige, die nur doofe Sprüche brachten und Gefühle erst noch lernen mussten. David war da mit Sicherheit anders. Sie vermisste ihn und musste noch eine halbe Woche warten, bis die Winterferien vorbei waren und sie ihn wiedersehen konnte. Vielleicht erwachte ja sein Interesse für sie nach den Ferien und er sprach sie an?
‚Träum‘ weiter‘, sagte sie sich. Zeitgleich mit ihrer Freundin kam Tanja an der Bande an, wo sie sich krampfhaft festhielt.
„Schon wieder gestürzt?“, fragte Oraya.
„Wie man sieht“, knurrte Tanja sauer und genervt. „Mir reicht’s jetzt, ich will nur noch die verdammten Dinger loswerden!“ Sie zeigte auf die Schlittschuhe an ihren Füßen.
„Tut mir leid für dich.“ Oraya klang jetzt mitfühlend und griff Tanja stützend am Oberarm. „Hast du dich verletzt?“
„Ich glaube nicht, aber diesmal war es heftig und im Handgelenk hat es geknackt. Bevor ich mir den Hals breche, hör‘ ich lieber auf.“
„Ist schon okay, es ist ja auch schon spät. Komm, wir gehen, ich hab‘ für heute auch genug.“
Begleitet von Madonnas Into The Groove, dem Rrsch der Kufen auf dem Eis und dem Lachen und Kreischen der etwa drei Dutzend zumeist jugendlichen anderen Eisläufer verließen sie die Eisbahn. Tanja setzte sich langsam auf die äußerste Kante der Bank und stöhnte. Erleichtert löste sie die Schnüre der Schlittschuhe und streifte sie ab.
Oraya warf ihr einen Seitenblick zu. „Tut mir ja leid für dich. Mir hat es Spaß gemacht, aber ich stand auch nicht das erste Mal auf Kufen. Eislaufen steht wohl nicht wieder auf deinem Programm, was?“
„Das kannst du laut sagen. Sport ist sowieso nicht mein Ding.“
„Na, Mathe auch nicht.“ Oraya kicherte. „Hast du denn die Aufgaben gemacht, die dir die Richter über die Ferien aufgegeben hat?“
„Wie kommst du denn jetzt darauf?“
„Ist mir spontan eingefallen.“
„Nee, hab ich noch nicht. Erinner‘ mich bloß nicht daran! Spezialaufgaben zum Üben, nur für mich. Die spinnt doch total! Ein paar Tage habe ich ja noch Zeit, sie zu erledigen. Ich werde mich am Sonntag dazu aufraffen, das stimmt mich gleich auf die Schule am Montag ein.“
Tanja folgte ihrer Freundin nach draußen. Das Gesäß schmerzte ihr bei jedem Schritt und ihr linkes Handgelenk schien auch etwas abbekommen zu haben, es stach darin und knackte irgendwie komisch, wenn sie die Hand bewegte. Vielleicht hatte sie es verstaucht? Verdammt, diese scheißblöden Schlittschuhe würde sie nie wieder anziehen! Am besten wäre es, wenn sie die Dinger so schnell wie möglich in einer Mülltonne verschwinden ließ. Dieses Weihnachtsgeschenk ihres Vaters war super in die Hose gegangen. Er würde sich damit abfinden müssen, dass seine Tochter keine Sportskanone war. Vielleicht sollte sie ...

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