4. April 2016

'Im Schatten von Barcelona' von Heike Adami

Im Wechselspiel zwischen Licht und Schatten.

Maria, José und Pedro haben ihrer Heimat Mexiko den Rücken zugekehrt. Als Taschendiebe erarbeiten sie ihren Lebensunterhalt in Barcelona. Ihre neuen Opfer sind Isabelle und Max. Deutsche Touristen, die das Flair der Stadt am Mittelmeer genießen wollen. Wieder und wieder treffen sie aufeinander und tauchen in die Welten der jeweils anderen ein.

Werden auf der dramatischen Reise durch Barcelona, Sieger zu Verlierer und Verlierer zu Sieger?

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Leseprobe:
Das satte Blattgrün der Allee schenkte ihr Aroma. Josés Lächeln weilte in der Morgensonne. Er atmete tief ein. Nicht nur er hatte diese Idee. Die nette Nachbarin Natalja stand am offenen Fenster. Gegenüber. Auch sie genoss den Morgen mit seinem frischen Duft. Den Duft von etwa fünfundsiebzig Lenze hatte die Dame bereits geschnuppert.
Weiß waren sie. Ihre schulterlangen Haare. Feine Haarsträhnen tanzten. Sanfter Wind. Verfärbt rosa. Großes Blumenmuster. Der Stil ihres Morgenmantels.
Prüfende Blicke. Über den Köpfen der geschwind laufenden Menschen. Manche Worte von José zogen inzwischen an Natalja vorbei. Geräusche beeinträchtigten das Gespräch über die Straße bei offenem Fenster. Natalja war nicht allein. LA VIE war ihr Name. Gemeinsam sahen sie aus dem Fenster. Vier Stockwerke hinunter. In eine der Gassen Barcelonas. Eine andere Schwarze. Die Kleinere. Die Katze Namens ART. Sie zog es vor, einen Rundblick ins dunkle Zimmer zu genießen. Auf Nataljas rechter Schulter. Sie zeigte dem Geschehen ihre kalte Schulter.
Die Greisin hatte vier Katzen. „Els Quatre Gats“. „Els Quatre Gats“ war das bekannte Restaurant in der Altstadt, in das seiner Zeit Nataljas Lieblingsmaler Picasso ein und aus ging. Sie war davon überzeugt, ihre Katzen seien genau so intelligent wie Picasso. Nur HOMMAGE. Der Kater mit den blaugelben Augen. Er hatte, nach Nataljas katziger Auffassung, das Recht, aus diesem Milchunterteller zu schlecken. Er stand auf dem Fenstersims.
Übermut. Übermut machte sich breit. Belebte das Geschehen. Auch heute. Sie traute sich. Sie steckte ihr Leckermäulchen hinein. Nicht ohne Folgen. Ein heftiges Gefecht. Ein Tanz ihrer Krallen. Auf dem Sims. Und dann kam sie. Zur falschen Zeit an diesen Ort.
COLLAGE. COLLAGE, die Ungebetene. Sie bekam alles ab. Weggeschubst. Weggedrängt. Milchunterteller schwankte. Fensterbrett zu schmal. Das äußerste Teil des Brettes. Ihr einziger Freund. Schräg hing sie. Kläglich miaute sie.
Die greise Nachbarin. Zitterte. Rettete. In letzter Sekunde. Kein schriller Sturz. Die vierstöckige Tiefe blieb fern. COLLAGE, die vierte der „Els Quatre Gats“, hatte es nie leicht.
Die alte Dame, mit ART auf der rechten Schulter, sah José. Freundlich winkten sie sich zu und grüßten sich.

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